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9 Billionen US-Dollar - und doch keine Lösung


31.08.21 11:11
Grüner Fisher Investments

Rodenbach (www.fondscheck.de) - 705 Milliarden US-Dollar - so lautet die Summe der gesamten globalen Investitionen in den ersten sieben Monaten des Jahres 2021 in passive Exchange Traded Funds (ETFs), so die Experten von Grüner Fisher Investments.

Somit habe erstmals die Schallmauer eines Gesamtvolumens in ETFs von neun Billionen US-Dollar übertroffen werden können. Auch wenn diese Summe gegenüber den 40,7 Billionen US-Dollar an globalen Vermögenswerten in aktiv gemanagten Fonds noch deutlich geringer ausfalle, nehme die Bedeutung passiver Produkte doch immer stärker zu. "Die Gründe hierfür sind einfach und beruhen auf dem klassischen Anlegerverhalten", so Thomas Grüner, Gründer und Vice Chairman von Grüner Fisher Investments. Probleme langfristig orientierter Investoren hingegen seien ungelöst geblieben.

Viel zu häufig würden passive Produkte mit passivem Investieren verwechselt. "Den Beweis hierfür tritt jährlich das unabhängige DALBAR-Institut an," so Grüner. "Dies hat sich auf Anlegerverhalten spezialisiert. Demnach halten Anleger ihre Aktienfonds - aktiv wie passiv - im Durchschnitt nur etwa 4,5 Jahre, was sie zu den meist gehandelten Produkten macht." Es sei schwer vorstellbar, dass irgendein Investor diesen Zeitraum als langfristig empfinde. Das Ergebnis sei laut DALBAR eine um circa 40 Prozent schlechtere Rendite im Vergleich zur Performance des Markts über einen Zeitraum von 25 Jahren.

"Investitionstrends am Aktienmarkt wiederholen sich regelmäßig," analysiere Grüner. "Anleger kaufen häufig vor allem dann, wenn Aktienmärkte längere Zeit gestiegen sind und verkaufen tendenziell in der Nähe des Tiefpunkts." Sie würden somit die eigentliche Anlageintention umkehren. Zu selten würden Investoren früh im Zyklus den Aktienmarkt für sich entdecken. Wer spät im Zyklus auf den ETF-Zug aufspringe, kaufe vor allem die Segmente des Marktes, die in der expansiven Phase besonders gut gelaufen seien. Im März 2000 - am Ende der Technologieblase - hätten die 30 größten US-Unternehmen 49 Prozent des US-Markts repräsentiert, die Hälfte davon habe aus Technologiewerten bestanden. Elf der 50 größten Unternehmen seien Neuemissionen in Form von IPOs gewesen. Wer zu diesem Zeitpunkt "den Markt" gekauft habe, habe also besonders eng investiert. In der Folge sei der Technologiesektor bis ins Jahr 2002 um 82 Prozent abgestürzt.

"Ein ähnlicher Trend entsteht heute," so Grüner. Mittlerweile hätten die drei größten Unternehmen im globalen MSCI World Index circa zehn Prozent ausgemacht. "Das ETF-Volumen beschränkt sich jedoch nicht mehr nur auf passive Abbildungen des Markts. Viel mehr liegen inzwischen Nachbildungen eigener Indices, Themen oder Sektoren im Trend." Auch aktive ETFs, die Anleger angeblich vor größeren Abstürzen oder der Inflation schützen würden, würden immer mehr Bedeutung einnehmen. Unter dem Deckmantel der passiven Investments würde zu einer höheren Kostenquote ein enges Konstrukt verkauft - häufig mit noch stärkerem Fokus auf die "heißen Bereiche" des Markts. Die Risiken hingegen würden ausgeblendet. ETFs würden somit die gleichen Investitionsfallen aus Ineffizienzen und potentiellen Überkonzentrationen auf einzelne Bereiche des Markts bergen, wie aktive Fonds. Dass so nicht die Lösung aussehen könne, werde Grüner zufolge schnell klar.

"Spät im Zyklus passiv zu investieren, fühlt sich zunächst hervorragend an", so Grüner. "Günstige Kosten, steigende Märkte - einfach fabelhaft." Doch zu diesem Zeitpunkt kaufe ein Anleger vor allem die besonders stark gestiegenen Werte. Wer spezialisierte, aktive ETFs in Erwägung ziehe, steigere durch eine tendenziell geringere Investitionsbreite seine Risiken noch weiter. Das Problem eines mangelhaften Anlegerverhaltens werde somit nachweislich nicht gelöst.

Den aktuellen Kapitalmarktausblick von Grüner Fisher Investments könne man unter www.gruener-fisher.de gebührenfrei anfordern. (31.08.2021/fc/a/e)