China und Indien rasantes Wachstum


19.04.07 12:46
J.P. Morgan Asset Management

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Seit den Marktkorrekturen, die Ende Februar in China begannen, sind Spekulationen über ein Ende des Asienbooms an der Tagesordnung, so die J.P. Morgan Asset Management-Fondsmanager Howard Wang und Edward Pulling.

Die Experten von J.P. Morgan Asset Management würden die Region jedoch nach wie vor für attraktiv halten: "Nach dem Rückgang um rund 15 Prozent haben die Kurse im "Reich der Mitte" nun wieder das Niveau von vor den Korrekturen erreicht", unterstreiche Howard Wang, Leiter des Greater China 1 (ISIN LU0117841782 / WKN 577341)-Teams von JF Asset Management, dem asiatischen Zweig von J.P. Morgan Asset Management. "Die aktuelle Berichtsaison zeigt, dass viele chinesische Unternehmen ihre Gewinnerwartungen sogar nach oben korrigiert haben - dies lässt die Bewertungen noch attraktiver aussehen und stützt unsere mittelfristig positive Meinung."

Wang zerstreue die Bedenken über die Nachhaltigkeit des Wachstums: "Die Investitionstätigkeit der Akteure erfolgt auf dauerhafter Basis, zudem verbessert sich die Qualität des Wachstums stetig", erläutere er seine positive Einstellung zu China. Besonders günstig sehe er die Veränderung der Wachstumsmotoren: Die Expansion sei nicht mehr rein investitionsgetrieben, sondern werde zunehmend auch vom Konsum getragen. "Durch ein robustes Wachstum des lokalen Konsums erhalten die Märkte mehr Stabilität", betone er. "Besonders Unternehmen, die sich auf den heimischen Markt konzentrieren, konnten in der aktuellen Berichtssaison punkten." Da inzwischen auch die Inlandsprovinzen aufholen würden, sei das Wachstum nun auch national und werde nicht nur von einigen wenigen Boomregionen wie Peking oder Shanghai getragen.

Als herausragende Stärke Chinas sehe Wang Kosteneffizienz und Infrastruktur: "Der Wettbewerbsvorteil Chinas liegt vor allem in den niedrigen Arbeitskosten und in der guten Infrastruktur. Das sind die Gründe, warum China die "Werkbank der Welt" ist und bleiben sollte - die Güter lassen sich nicht nur günstig herstellen, sondern sie können auch leicht in alle Welt verschifft werden", erkläre Wang.

Günstig werde sich für China auch eine sukzessive Stärkung der Währung Renminbi auswirken: Durch die größere Flexibilität gegenüber dem US-Dollar sei für 2007 eine weitere Aufwertung zu erwarten. Das Szenario einer rezessiven US-Wirtschaft, die den chinesischen Markt mit in die Tiefe reiße, halte Wang für unwahrscheinlich. "Die Produkte, die China in die USA importiert, dürften von einer eventuellen Schwäche einiger Bereiche der US-Wirtschaft kaum betroffen sein", erläutere Wang.

Eine Gefahr von Seiten der USA für den chinesischen Markt sehe er eher in möglichen Handelskonflikten durch regulatorische Beschränkungen, wie beispielsweise in der Form des jüngst eingeführten Einfuhrzolles für chinesische Papierprodukte. Weitere Risiken sehe er in regulatorischen Fehltritten der chinesischen Regierung, in einer Überhitzung des Wachstums und einer möglichen Risikoaversion der Anleger, die zu einem Liquiditätsengpass in China führen könnte. Trotz der Risiken, die China als Schwellenland mit sich bringe, sei Wang sowohl kurz- als auch langfristig von einer positiven Entwicklung überzeugt und erwarte ein jährliches Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich.

Der Marktexperte sehe die aktuelle Situation als guten Eintrittszeitpunkt an, da China nach wie vor großes Gewinnpotenzial berge. Allerdings gelte es, besonderes Augenmerk auf den Anlageprozess zu richten, da der Markt durch seine Ineffizienz und Intransparenz aktives Portfoliomanagement überdurchschnittlich belohne. Dieses Potenzial realisiere Wang für seine Investoren durch eine sorgfältige Auswahl und Analyse von Einzeltiteln.

Dabei kämen Wang und seinem Team vor allem die lokale Präsenz im chinesischen Markt sowie das langjährige Know-how von J.P. Morgan Asset Management zugute. Der Erfolg gebe ihm recht: Gemäß der Daten des Finanzinformationsdienstes Bloomberg sei der JPM JF China Fund2 (ISIN/ WKN nicht bekannt) 2006 der erfolgreichste Fonds von allen 1.595 weltweit registrierten Fonds gewesen, die ein Vermögen von mehr als 1 Mrd. US-Dollar aufweisen würden.

Auch für den taiwanesischen Aktienmarkt zeige sich Howard Wang wieder zuversichtlicher: "Die Bewertungen sind sowohl in regionaler als auch in sektoraler Hinsicht attraktiv." Er sehe dabei insbesondere Wachstumsmöglichkeiten für den Technologiesektor, wobei sich die fundamentalen Rahmenbedingungen für wichtige Wirtschaftssektoren insgesamt verbessert hätten. Die Unternehmensgewinne hätten außerdem von der zunehmenden Kostendisziplin der Firmen profitiert. Darüber hinaus bestehe die Möglichkeit, dass Private Equity-Investitionen und die erhöhte M&A-Aktivität zu höheren Bewertungen führen würden.

Von der steigenden Konsumnachfrage in Festland-China profitiere laut Wang schließlich auch Hongkong. Das allgemeine ökonomische Wachstum sei gesund. "Allerdings sind die aktiven Anlagemöglichkeiten hier begrenzt, da der Markt zunehmend effizienter wird und viele positive Perspektiven bereits eingepreist sind." Deswegen konzentriere sich Wang auf Hongkong-Unternehmen, die vom Wachstum in China besonders profitieren würden oder denen eine globale Erfolgsgeschichte bevorstehe.

Mit einem Wirtschaftswachstum von 9,2 Prozent gehöre Indien zu den Wachstumsstärksten Ländern der Welt. Laut Edward Pulling, Manager des JPM JF India Fund3 (ISIN/ WKN nicht bekannt) und Leiter des Indien-Teams bei J.P. Morgan Asset Management solle das auch so bleiben. "Indien weist weltweit die besten demografischen Daten auf. Die arbeitsfähige Bevölkerung wird sich bis 2010 auf ungefähr 71 Mio. Menschen erhöhen", erkläre er. Die entsprechenden Jobs sollten sie Pulling nach am besten im Bereich der Infrastruktur finden. "Hier hat Indien den größten Nachholbedarf und damit hohes Potenzial. Derzeit werden nur 3 bis 4 Prozent des Bruttoinlandprodukts in Infrastruktur investiert - dabei ist die Hälfte der Bevölkerung noch nicht einmal an das Stromnetz angeschlossen", beschreibe er die Ausgangslage.

Doch der Ausbau der Infrastruktur sei nicht nur die größte Chance des Subkontinents sondern berge auch das größte Risiko. Sollte der Ausbau nicht voranschreiten, bestehe laut Pulling die Gefahr, dass Indiens Wirtschaft unter der Energieknappheit leiden werde. Ein weiteres Risiko sehe er in der Inflation. Hier steuere Indien bereits mit steigenden Zinsen und restriktiver Geldpolitik entgegen. Gegen den Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften würden Unternehmen und Regierung mit verschiedenen Maßnahmen vorgehen. Die Unternehmen würden beispielsweise beginnen, ihre Fachkräfte in eigenen Universitäten auszubilden und auch die Regierung stelle mehr Geld für eine flächendeckende Bildung bereit.

Trotz der infrastrukturellen Schwachpunkte hebe Pulling das Potenzial von Indien hervor: Die Spar- und Investmentquote im Land folge einem Aufwärtstrend und es bestehe großes Potenzial zur Steigerung der Exportaktivität. Der Fokus liege vor allem auf dem Export von Serviceleistungen beispielsweise im IT-Bereich, die den Unternehmen bei wettbewerbsfähigen Preisen hohe Margen einbringen würden. Unterstützt werde die indische Wirtschaft bei dieser Entwicklung vor allem durch die sinkenden Kapitalkosten.

Nach Pullings Einschätzung würden die Direktinvestitionen in Indien innerhalb der nächsten 5 Jahre auf 25 Mrd. US-Dollar steigen. Beruhend auf diesen Faktoren gehe Pulling von einem Wachstum der indischen Wirtschaft von jährlich 8 Prozent aus. Um Investoren an diesem Wachstum teilhaben zu lassen, setze er vor allem auf Growth-Werte. "Wir orientieren uns bei der Portfoliokonstruktion kaum am Vergleichsindex MSCI India, sondern wählen nur Unternehmen mit herausragendem Wachstumspotenzial für unsere Fonds aus", erkläre er. Um dies zu gewährleisten, verfolge das Team einen sorgfältigen Analyseansatz zur Auswahl der Einzeltitel.

Da solch volatile Schwellenländer-Märkte allerdings "durchaus mit Vorsicht zu genießen" seien, halte Christoph Bergweiler insbesondere für Privatinvestoren eine langfristige Anlage in Sparplänen für sinnvoll. Der Leiter Distribution Sales bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt betone: "Auf diese Weise können auch weniger erfahrene Anleger von den Chancen und Potenzialen dieser Regionen profitieren." (19.04.2007/fc/a/m)