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Deutsche Anleger in leicht gedämpfter Stimmung


12.04.07 14:49
J.P. Morgan Asset Management

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die Marktkorrekturen der letzten Wochen haben der Stimmung der deutschen Privatanleger nur einen leichten Dämpfer versetzt, so die Experten von J.P. Morgan Asset Management.

So sei der Anteil der Börsenoptimisten - das seien die Befragten, die es für "wahrscheinlich" oder sogar "sehr wahrscheinlich" halten würden, dass sich der deutsche Aktienmarkt in den nächsten 6 Monaten positiv entwickeln werde - im März um 4,1 Prozentpunkte auf 63,4 Prozent abgesunken. "Zwar kam die Bereinigung aus Marktsicht nicht allzu überraschend und wurde zum Teil sogar begrüßt, um die überkauften Märkte etwas abzukühlen. Aber für die Anleger ist so eine Talfahrt der weltweiten Börsen natürlich erst einmal erschreckend", erläutere Jean Guido Servais, Marketing Director Deutschland, Österreich und Schweiz bei J.P. Morgan Asset Management.

Allerdings sei die aktuell ermittelte Verunsicherung der Anleger noch moderat. "Nach den Marktkorrekturen im letzten Sommer war das Vertrauen der Privatinvestoren monatelang erschüttert. Bis zum Dezember blieb der Anteil der Optimisten konsequent unter der 60 Prozent-Marke", unterstreiche Servais. Im März habe sich der Anteil der Börsenpessimisten um 3,6 Prozentpunkte auf 10,8 Prozent erhöht. "Auch dieser Wert liegt unter den Vergleichsergebnissen des Vorjahres", so Servais.

Als Folge des Stimmungsrückgangs, verbunden mit der steigenden Zahl von Pessimisten, sei auch der J.P. Morgan Asset Management Investor Confidence-Gesamtindex gesunken. Dieser Mittelwert aus den einzelnen Antworten sei um 1,3 Prozentpunkte auf 5,9 zurückgegangen. Dabei hätten sich die Investoren aus den neuen Bundesländern von der Unruhe an den Märkten gänzlich unbeeindruckt gezeigt. Hier sei der Anteil der Börsenoptimisten um fast 10 Punkte von 63,4 auf 73 Prozent gestiegen. Und auch der Anteil der Pessimisten sei hier trotz Baisse leicht zurückgegangen.

Somit sei die Anlegerstimmung im Westen Deutschlands für den Einbruch des Indexes verantwortlich. Hier habe der Anteil der Optimisten um 7 Prozentpunkte abgenommen und liege nun bei 61,6 Prozent, während der Anteil der Pessimisten um 4,7 Punkte auf 11,3 Prozent angestiegen sei. Mit dieser gegenläufigen Entwicklung in den alten und neuen Bundesländern setze sich auch in diesem Monat ein Trend fort, der inzwischen schon seit einem Jahr zu beobachten sei.

Am stärksten hätten die weiblichen Befragten auf die Kurskorrekturen reagiert. Der Anteil der Börsenoptimistinnen habe über 6 Prozentpunkte eingebüßt, während der Anteil der Pessimistinnen um mehr als 5 Punkte gestiegen sei. Die Veränderung bei den Männern weise zwar die gleiche Tendenz auf, vollziehe sich aber in einem viel geringeren Ausmaß. Der Anteil der positiv gestimmten Anleger sei lediglich um 1,2 Prozentpunkte zurückgegangen, während die Schwarzseher um 1,8 Punkte zugelegt hätten.

Mit der J.P. Morgan Asset Management Investor Confidence-Studie ermittle die Fondsgesellschaft die aktuellen Markteinschätzungen und Investitionsabsichten der Privatanleger. Die von der GfK durchgeführte repräsentative Befragung erfolge monatlich in Deutschland sowie vierteljährlich in Österreich, Schweden und der Schweiz. Der Anteil der Investmentbesitzer in Deutschland sei gemäß der Studie im März 2007 leicht um 0,4 Prozentpunkte gesunken und liege bei 21,5 Prozent.

Im Vergleich zu den Nachbarn in Österreich oder der Schweiz sei die deutsche Investmentkultur damit noch ausbaufähig: Dort würden bereits 23,9 (Österreich), beziehungsweise 34 Prozent (Schweiz) der Bevölkerung Investments wie Aktien, Investmentfonds, Anleihen oder Optionsscheine halten. Während in der Schweiz die beliebteste Anlageform Aktien seien - hier hätten bereits 22,8 Prozent Direktanlagen getätigt - würden sich dies in Deutschland gerade einmal 9,7 Prozent der befragten Investoren zutrauen, in Österreich sogar nur 9,5 Prozent.

Da aufgrund der immer noch sehr geringen Investmentaktivität kaum mehr als jeder Fünfte der rund 2.000 Befragten im J.P. Morgan Asset Management Investor Confidence-Index erfasst werde, sei ein zusätzlicher Blick auf die Gesamtbevölkerung sinnvoll, um ein umfassendes Stimmungsbild zu erhalten.

Auch hier sei das Vertrauen in die Börsenentwicklung durch die Korrekturen negativ beeinflusst worden: Der Wert des Investor-Confidence-Indexes sei von +1,0 auf +0,3 Prozentpunkte gesunken. In der Historie des Indexes sei dies aber immer noch der zweithöchste Wert. Erst im Januar habe der Index erstmals einen Wert im positiven Bereich erreicht, wo er sich in diesem Monat trotz der Turbulenzen habe halten können. Der Anteil der Optimisten sei moderat von 40,2 auf 37,5 gesunken, während der Anteil der Pessimisten um 1,6 Prozent auf 24,8 Prozent gestiegen sei.

Trotz der leicht gedämpften Stimmung an den Märkten sei die Bereitschaft der Anleger, in den nächsten 12 Monaten weitere Investitionen vorzunehmen, wieder etwas gestiegen. 48,6 Prozent der befragten Investoren hätten angegeben, weiter investieren zu wollen - das entspreche einem Anstieg um 1,3 Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat. Das positive Anlageklima beruhe vor allem auf der Investitionsfreude in den neuen Bundesländern: Dort sei der Anteil derjenigen, die in den nächsten Monaten investieren möchten, im Vergleich zum Vormonat um 20 Prozentpunkte geklettert. Damit steige der Wert auf 64,1 Prozent und liege weit über dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Im gesamten Bundesgebiet lägen Fondsinvestitionen in der Anlegergunst dabei weiterhin vorn und hätten im Vergleich zum Vormonat 0,2 Prozentpunkte auf 30,6 Prozent zulegen können. Auch Direktinvestitionen in Aktien hätten im März zulegen können: Ihr Wert sei um 1,5 Punkte gestiegen. "Das zeigt, dass trotz der jüngsten Turbulenzen keine Flucht der Privatanleger in Spareinlagen als "sicheren Hafen" stattfinden wird. Eine Reaktion, die sich in solchen Situationen in vergangenen Befragungen häufig beobachten ließ", freue sich Jean-Guido Servais. So habe das Sparbuch in der Anlegergunst 1,8 Prozentpunkte eingebüßt und liege mit 14,4 Prozent nur noch knapp vor Direktinvestitionen in Aktien.

Der pan-europäische Vergleich der J.P. Morgan Asset Management Investor Confidence-Befragung zeige, dass die Marktkorrekturen in allen untersuchten Ländern ihre Spuren im Anlegervertrauen hinterlassen hätten. Allerdings seien die Schweizer mit einem Rückgang von lediglich 1,2 Prozentpunkten auf knapp 70 Prozent Börsen-Optimisten immer noch äußerst zuversichtlich. In Deutschland sei der Anteil der positiv gestimmten Anleger von 67,5 auf 63,4 Prozent gesunken, in Österreich sogar über 10 Prozentpunkte von 71,2 auf 60,5 Prozent.

Parallel sei länderübergreifend auch der Anteil der Börsen-Skeptiker bei den befragten Anlegern angestiegen. Den größten Sprung habe wiederum Österreich verzeichnet: Hier sei der Anteil der Pessimisten von 9,9 auf 16,2 Prozent gestiegen. In der Schweiz habe sich der Anteil der Schwarzseher von 10,2 auf 13,4 Prozent erhöht. Und auch in Deutschland sei nach 7,2 Prozent bei der aktuellen Befragung 10,2 Prozent pessimistisch gestimmt gewesen.

Inzwischen hätten sich die Märkte wieder beruhigt und seien sogar über das Vor-Korrekturniveau gestiegen. Jean Guido Servais' Fazit: "Insgesamt rechnen wir damit, dass das Volatilitätsniveau weiterhin ansteigen wird, denn es war in den letzten drei Jahren überdurchschnittlich gesunken. Nun sollte sich die Volatilität wieder auf einem normalen Rahmen einpendeln. Es wird spannend zu beobachten, wie die Privatanleger darauf reagieren werden." (12.04.2007/fc/a/m)