ETF-Handel: Punktuell wagen sich Käufer vor


25.03.20 13:16
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die Corona-Krise sorgt weiter für extrem hohe Umsätze im ETF-Handel, so die Deutsche Börse AG.

"Wir sehen sehr viel Aktivität", erkläre Andreas Bartels von der Commerzbank. Zuletzt sei der Handel weiter stark von Verkäufen dominiert worden, punktuell wagten sich aber auch Käufer vor.

Oliver Kilian von der Unicredit Group wolle von einem klaren Trend auf Wochensicht nicht sprechen. "Die Marktrichtung ändert sich oft, auch innerhalb eines Tages - je nach Nachrichtenlage." Jedenfalls sei "wahnsinnig" viel los. "Die letzte Woche hat die ohnehin schon sehr aktiven Vorwochen wohl noch mal getoppt."

Am Dienstag gehe es ausnahmsweise einmal nach oben: Offenbar beruhige, dass die US-Notenbank am Montag den unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen und bestimmten besicherten Wertpapieren angekündigt habe. In Italien hätten sich zudem die Zuwächse bei Infektionen und Todesfällen verlangsamt. Der DAX mache einen Sprung von 5,6 Prozent nach oben und liege am Dienstagmittag bei 9.308 Punkten.

Bartels melde für die vergangenen Handelstage für Aktien-ETFs allerdings noch einen klaren Verkaufsüberhang. "Überproportional viel abgegeben wurden Emerging Markets-Tracker", stelle der Händler fest. Mit den negativen Nachrichten über die Virusverbreitung in den USA hätten sich zudem zuletzt immer mehr Anleger von US-Aktien getrennt, etwa über S&P 500-ETFs. Tendenziell eher Käufe sehe er bei MSCI World- und auch bei DAX-ETFs.

Auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstag ganz oben stünden STOXX Europe 600-, EURO STOXX 50 (ISIN DE0005933956 / WKN 593395; ISIN IE00B53L3W79 / WKN A0YEDJ), DAX- (ISIN DE0005933931 / WKN 593393, ISIN LU0274211480 / WKN DBX1DA), MSCI World- und S&P 500-ETFs.

Beliebt seien weiter Short-ETFs. Mit diesen könnten Anleger auf eine inverse Kursentwicklung setzen. "Bei Short-ETFs beobachten wir sehr viele Käufe", melde Bartels. Das hohe Handelsaufkommen zeige sich auch in der Umsatzliste der Börse Frankfurt: Besonders hoch seien die Umsätze des Xtrackers Short DAX Daily Swap (ISIN LU0292106241 / WKN DBX1DS), des Xtrackers Euro Stoxx 50 Short Daily Swap (ISIN LU0292106753 / WKN DBX1SS), des Xtrackers ShortDAX x2 Daily Swap (ISIN LU0411075020 / WKN DBX0BY) und des L&G DAX Daily 2x Short gewesen. Durch hohe Kursverluste an den Börsen komme der Xtrackers Short DAX Daily Swap seit Jahresanfang mittlerweile auf ein Plus von fast 46 Prozent.

Während sich Anleger auf Industrieländer-ETFs konzentrieren würden, bleibe eher unbemerkt, dass sich ETFs, die die Entwicklung chinesischer Aktien wiedergeben würden, vergleichsweise gut schlagen würden: Etwa habe der Xtrackers Harvest CSI300 im laufenden Jahr "nur" 11 Prozent abgegeben, der iShares DAX hingegen 34 Prozent. Der Xtrackers Harvest CSI 300 bilde A-Aktien ab, die an den Börsen Shanghai oder Shenzhen Stock Exchange gehandelt würden.

Stark gefragt seien in diesen Zeiten die sonst eher unbeliebten Geldmarkt-Indexfonds sowie ETFs, die Anleihen mit kurzen Laufzeiten abbilden würden. "Da sehen wir sehr viele Käufe", stelle Bartels fest. Auch die Umsatzliste der Börse Frankfurt zeige auffällig hohe Umsätze in diesen Produkten, etwa beim iShares eb.rexx® Government Germany 0-1yr (ISIN DE000A0Q4RZ9 / WKN A0Q4RZ) und beim Pimco Euro Short Maturity Source (ISIN IE00B5ZR2157 / WKN A1H497). Viel sei aber auch in klassischen Anleihe-ETFs wie dem iShares Core Euro Government Bond oder Pfandbrief-ETFs wie dem iShares Euro Covered Bond umgegangen.

Käufer von Geldmarkt-ETFs würden in der Regel keine hohen Renditen suchen, sondern wollten ihr Geld kurzfristig parken. Die ETFs seien damit für viele eine Alternative zu Tages- oder Festgeld. Synthetische Geldmarkt-ETFs würden in der Regel die Zinsen des europäischen Interbankenmarkts EONIA (Euro Overnight Index Average) replizieren. Physische Geldmarkt-ETFs würden sich hingegen auf Indices beziehen, die sehr kurzfristige Staatsanleihen abbilden würden, etwa Anleihen mit einer Restlaufzeit von einem Jahr und darunter. Als Preis für die hohe Sicherheit würden Renditen von Geldmarkt-ETFs eher bescheiden ausfallen. (Ausgabe vom 24.03.2020) (25.03.2020/fc/a/e)





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