Fondshandel: Ansturm auf Aktienfonds bleibt aus


02.07.14 16:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Der Ansturm auf Aktienfonds ist auch bei Erreichen der 10.000 Punkte-Marke im DAX ausgeblieben. Im Gegenteil: Viele Fondsanleger steigen aus. Heftig spekuliert wird weiter mit Immobilienfonds, so die Deutsche Börse AG.

Die Stimmung sei zwar gut, die Kauflaune aber eingeschränkt. "Negative Faktoren wie zum Beispiel die Ukraine-Krise sind im Juni wieder in den Hintergrund getreten", erkläre Anja Deisenroth-Boström von der Baader Bank. Allerdings gebe es auch weiter viele Verkäufe - zuletzt vor allem in Fonds mit vielen US-Werten. Betroffen seien etwa der DWS Top Dividende und der Carmignac Investissement. "Das liegt am starken US-Dollar." Ende Mai seien noch fast 1,40 US-Dollar für 1 Euro gezahlt worden, im Juni seien es im Tief nur noch 1,3521 US-Dollar gewesen.

Trotz Kursrally: Von Fonds mit deutschen Aktien möchten Anleger nicht viel wissen. Auf den Verkaufslisten stünden bei der Baader Bank der DWS Deutschland und der Allianz Nebenwerte Deutschland, zugegriffen werde hingegen beim Concentra von Allianz Global Investors (ISIN DE0008475005 / WKN 847500).

Dass Aktienfonds mit deutschen Dividendentiteln eher abgestoßen würden, würden im Übrigen auch Zahlen des Analyseunternehmens Morningstar bestätigen: Die würden zeigen, dass in den vergangenen drei Jahren deutsche Standardwertefonds kontinuierlich Mittelabflüsse hätten hinnehmen müssen, zwischen Juni 2011 und Ende Mai dieses Jahres im Wert von 6,66 Milliarden Euro. Eine eindeutige Erklärung dafür habe Morningstar nicht, nur ein kleiner Teil sei zum Beispiel in ETFs geflossen, nämlich 160 Millionen Euro. Die Folgen seien aber klar: "Derweil gut 70 Prozent der Deutschen auf das Sparbuch setzen und langfristig Geld verlieren, profitieren ausländische Investoren von der Prosperität der börsennotierten deutschen Unternehmen."

Heftige Kursbewegungen habe es derweil in russischen und türkischen Aktien gegeben, wie Frank Wöllnitz von ICF Kursmakler berichte: Der russische Aktienmarkt habe sich wieder deutlich erholt, der türkische sei hingegen wieder unter Druck geraten. Fonds wie der DWS Russia hätten profitiert, der DWS Türkei habe wieder Wertverluste verzeichnet. "Viel Umsatz sehen wir da allerdings nicht", ergänze der Händler.

Innerhalb der Mischfonds gebe es seit einigen Monaten einen neuen Favoriten: Den Max Otte Vermögensbildungsfonds. Der setze überwiegend auf Aktien, aber auch auf Anleihen und Rohstoff-ETCs. "Der wird nur gekauft", erkläre Deisenroth-Boström. Seit Jahresanfang komme der Fonds auf ein Plus von 6,56 Prozent. Ebenfalls gerne genommen werde der Arero Weltfonds, der seit Jahresanfang sogar 6,95 Prozent erreiche.

Wöllnitz melde für den M&G Optimal Income und den Kapital Plus nur Käufe, ebenfalls in den beiden Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen (ISIN DE000A0M8HD2 / WKN A0M8HD, ISIN DE000A1JSWP1 / WKN A1JSWP), die, anders als der Name vermuten lasse, ebenfalls Mischfonds seien. Ausgeglichen sei das Bild unterdessen im Carmignac Patrimoine und im Flossbach von Storch Multiple Opportunities.

Beliebt bleiben würden Immobilienfonds. "Da ist Bewegung drin. Wir haben für den Juni ein Umsatzplus von 20 Prozent in dieser Fondsgattung", melde Wöllnitz. Auffällig sei, dass unter den geschlossenen Immobilienfonds gerade die gekauft würden, deren endgültige Liquidierung noch lange hin sei, vor allem der CS Euroreal. "Im AXA Immoselect, der im September liquidiert wird, ist weniger los." Offenbar hätten Anleger noch auf Wertsteigerungen gehofft. Der Kurs des CS Euroreal sei seit September vergangenen Jahres jedenfalls um fast 30 Prozent gestiegen. Stark nachgefragt werde daneben aber auch der UniImmo Deutschland (ISIN DE0009805507 / WKN 980550), der nicht aufgelöst werde.

Auf wenig Interesse würden unverändert asiatische Aktien stoßen. "Die Wachstumsraten Chinas sind ja auch rückläufig", bemerke Deisenroth-Boström. Die Abgaben überwögen, etwa beim DWS Top Asien, beim FF - China Focus von Fidelity und beim Templeton Asian Growth. Breit streuende Schwellenländerfonds würden aber wieder reger gehandelt, zum Beispiel der Aberdeen Global Emerging Markets Smaller Companies und der Aberdeen Global Emerging Markets Equity. "Da sehen wir gute Umsätze in beide Richtungen."

Weiterhin ausgesprochen umsatzarm präsentiere sich der Handel mit Minenfonds. Dabei sei der Goldpreis wieder gestiegen, und zwar von 1.240 US-Dollar Anfang Juni auf zwischenzeitlich fast 1.332 US-Dollar je Feinunze, am heutigen Mittwoch liege die Notierung bei 1.327 US-Dollar. "Der Preis scheint Boden gefunden zu haben", meine Deisenroth-Boström. Offenbar hätten jetzt wieder mehr Anleger an einen Anstieg geglaubt und sich positioniert. "Es werden aber beide Seiten gespielt." Etwa werde der BGF World Gold mal gekauft, mal verkauft, ebenso der breiter aufgestellte BlackRock Global World Mining.

Trotz Magerzinsen auf Geldmarktkonten würden Investoren der Baader Bank zufolge durchaus zu Geldmarktfonds greifen - allerdings nicht in Euro. Gekauft werde der auf Norwegische Kronen lautende Norwegian Kroner Reserve (ISIN LU0078812822 / WKN 987173). "Es werden Alternativen zu den niedrigen Zinsen hierzulande gesucht", meine die Händlerin. Abgestoßen werde hingegen der auf Euro lautende DWS Rendite Optima Four Seasons (ISIN LU0225880524 / WKN A0F426). (02.07.2014/fc/a/f)





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