Mehr Transparenz im Markt für Nachhaltigkeits-Fonds


29.12.15 09:14
FundResearch

München (www.fondscheck.de) - Seit Anfang Dezember soll ein neues Siegel für mehr Klarheit unter Fonds sorgen, die bei ihrer Anlagestrategie die Begriffe Ethik oder Nachhaltigkeit für sich in Anspruch nehmen, so die Experten von "FundResearch".

Anlegern, die sich nicht ständig die Frage stellen möchten, ob sie mit ihren Investments auch Drogen und Glücksspiel finanzieren würden, biete die Fondsbranche seit einigen Jahren so genannte Nachhaltigkeits-Fonds an, manchmal auch unter den Marketing-Begriffen "Öko" oder "Ethik".

Bislang habe eine einheitliche Definition dafür gefehlt, wie diese Begriffe in der Anlagepraxis mit Leben zu füllen seien. Was kein Wunder sei. Das Thema sei kompliziert. Geld nach ethischen Grundsätzen zu investieren, könne jeweils politisch, durch den Glauben oder sogar durch Gesetze motiviert sein. Während beispielsweise einige Kirchen als institutionelle Anleger mehr auf Aspekte wie Umwelt und Gentechnik (Bewahrung der Schöpfung) achten würden, würden für Pensionskassen, die über ihre Anlagepolitik Rechenschaft ablegen müssten, beispielsweise soziale Standards und zukunftsfähige Innovationen eine wichtigere Rolle spielen.

So überrasche es nicht, dass es schon länger eine ganze Reihe von Organisationen, und Dienstleistern gebe, die Unternehmen danach kategorisieren würden, welche Nachhaltigkeits-, Ethik- oder Sozialstandards diese erfüllen würden - und was das für die Fonds bedeute, die Aktien der betreffenden Unternehmen in ihren Portfolios verwalten würden.

Das österreichische Unternehmen Software-Systems beispielsweise biete unter dem Siegel "FER Finance & Ethics Research Services" einen ganzheitlichen proprietären Wertpapier-Analyse-Ansatz an. Neben den klassischen betriebs- und volkswirtschaftlichen Kennzahlen würden auch umfangreiche Analysen der ethischen Aspekte sowie der sozialen und ökologischen Risiken vorgenommen. Fonds würden danach untersucht, zu welchem Prozentsatz sie Standardvorgaben der wichtigsten Ethik-, Sozial- und Umweltkriterien erfüllen würden. Der so genannte EDA-Wert, der dabei herauskomme, könne maximal 100 Punkte erreichen. Je höher der EDA, desto mehr entspreche der jeweilige Fonds diesen Wertmaßstäben. Am Ende fließe das EDA in das "FER Fonds Rating" ein - eine Sechs-Punkte-Benotung, die auch die Performance, Risiko und Outperformance von Fonds bewerte.

So weit wolle das Forum für Nachhaltige Geldanlage (FNG) nicht gehen. Hier stehe ausschließlich die Nachhaltigkeit im Vordergrund. Anfang Dezember habe das FNG das so genannte FNG-Siegel präsentiert, das nur solche Fonds erhalten würden, die gewisse Mindestanforderungen erfüllen würden: Sie dürften weder im Waffen- noch Kernkraftgeschäft tätig sein und müssten die vier Bereiche des Uno-Global-Compact berücksichtigen: Sie müssten Menschen- und Arbeitsrechte einhalten, sich dem Umweltschutz verpflichten sowie Korruption bekämpfen. Das Forum habe gleich zum Auftakt der Initiative in Berlin 34 Fonds mit einem neu entwickelten Zertifikat ausgezeichnet. Zu den ausgezeichneten Fonds würden unter anderem der NN (L) European Sustainable Equity, der NN (L) Global Sustainable Equity (ISIN LU0119216553 / WKN 797410) und der Pictet-European Sustainable Equities gehören.

"In einem wachsenden und unübersichtlichen Markt ist ein Qualitätsstandard die konsequente und notwendige Weiterentwicklung. Das FNG-Siegel füllt also eine Lücke, die bislang im deutschsprachigen Raum bestanden hatte, und leistet einen zentralen Beitrag, die Such- und Informationskosten für Anleger zu senken", erkläre FNG-Vorstandsmitglied und Fondsexperte Olaf Köster, der an der Entwicklung des Siegels beteiligt gewesen sei.

Hintergrund für die Entwicklung des Qualitäts-Labels sei nicht zuletzt der Siegeszug des Begriffes Nachhaltigkeit in der Fondsbranche. In den vergangenen acht Jahren habe sich der Markt für gesellschaftlich verantwortliche Kapitalanlagen (SRI) mehr als versechsfacht. Inzwischen würden 18,8 Billionen Euro in den diversen SRI-Strategien stecken. Das "Forum Nachhaltige Geldanlagen", das den Nachhaltigkeitsbegriff deutlich strenger fasse, komme auf ein Gesamtvolumen von knapp 200 Milliarden Euro für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Allein in diesem Jahr seien im deutschsprachigen Raum nach Informationen des Sustainable Business Institute (SBI) mehr als 30 Nachhaltigkeitsfonds neu aufgelegt worden. Gerade bei Publikumsfonds für mehr Transparenz zu sorgen, sei in diesem Wachstumsmarkt dringend geboten gewesen. "Bei Biolebensmitteln sind die einschlägigen Siegel und allen voran das europaweite Bio-Siegel längst Standard. Bei nachhaltigen Fonds fehlte bisher eine Orientierungshilfe", so Köster.

Die FNG-Liste biete nun eine solche Orientierungshilfe, könne aber natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. So fehle darin beispielsweise ein Fonds, der zumindest einen Anspruch auf die Verleihung eines FNG-Ehren-Siegels hätte: nämlich der älteste Fonds überhaupt: Der Pioneer Fund sei 1928 als Investmentprodukt speziell für die streng religiösen Gemeinschaften der Quäker und Methodisten aufgelegt worden und verzichte seit seiner Auflage im Februar 1928 auf Investitionen in Glücksspiel sowie die Alkohol- und Tabakindustrie. Genau genommen, mache das den Fonds zum ersten Ethikfonds der Welt - auch ohne das Etikett Nachhaltigkeit. Vermutlich habe sich dieser Begriff vor 87 Jahren noch nicht so gut vermarkten lassen. (Ausgabe vom 28.12.2015) (29.12.2015/fc/a/f)





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