Rohstoff-ETCs: Spottbilliges Öl, superteures Gold


24.04.20 16:19
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Am Rohstoffmarkt dreht sich derzeit alles um Öl, so die Deutsche Börse AG.

Nach dem ohnehin kräftigen Preisrückgang in den ersten Monaten des Jahres sei es zuletzt noch einmal rasant nach unten gegangen. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI sei Anfang dieser Woche sogar ins Negative gerutscht, im Tief auf bis zu minus 40 US-Dollar. Käufer hätten die Abnahme also noch bezahlt bekommen.

"Grund für den negativen Preis war die schwierig werdende Öllagerung", erkläre Nitesh Shah von WisdomTree. Denn in der USA sei - wie überall auf der Welt - die Nachfrage nach Öl infolge der Corona-Krise eingebrochen. Die Lagerkapazitäten seien ausgeschöpft, vor der Westküste lägen viele vollgeladene Tanker. Dazu sei der Wechsel vom Terminkontrakt für die Auslieferung im Mai auf den Kontrakt für die Auslieferung im Juni gekommen. Mittlerweile habe sich der Preis etwas erholt und liege am Donnerstagmittag bei 15,26 US-Dollar. "Man könnte denken, dass man mit dem Übergang zum Juni-Kontrakt fast 60 US-Dollar pro Barrel aus dem Nichts hätte verdienen können", bemerke Shah. Das sei aber kaum möglich gewesen, "es sei denn, Sie haben genügend physischen Lagerraum, um das gelieferte Öl einen Monat lang zu lagern".

Auch der Brent-Preis sei kräftig gefallen auf im Tief 15,98 US-Dollar - den niedrigsten Stand seit 1999. Aktuell seien es wieder 25,56 US-Dollar.

Sehr viel gehandelt würden an der Börse Frankfurt Öl-ETCs wie der WisdomTree WTI Crude, der WisdomTree Brent Crude Oil 1mth, der WisdomTree Brent Crude Oil und der BNPP WTI Oil. Auf fallende Ölpreise würden Anleger mit dem WisdomTree WTI Crude Oil 1x Daily Short, auf einen Preisanstieg gehebelt mit dem WisdomTree WTI Crude Oil 2x Daily Leveraged setzen.

Etwas in den Hintergrund geraten sei Gold, dabei habe der Preis in Euro vor kurzem ein neues Allzeithoch von 1.618 Euro erreicht. In US-Dollar werde die Feinunze aktuell zu 1.724 US-Dollar gehandelt, dass Allzeithoch von fast 1.902 US-Dollar aus dem Jahr 2011 sei noch ein Stück weit entfernt.

Gold-ETCs seien gefragt wie nie: Laut World Gold Council, dem Verband der Goldbergbauindustrie, hätten goldbesicherte ETCs in den ersten drei Monaten 2020 das größte Quartalswachstum in der Geschichte erlebt. Insgesamt hätten die börsengehandelten Fonds einen Kapitalzufluss von 23 Milliarden US-Dollar verzeichnet, melde der Verband. Auch der Bestand von Xetra-Gold steige auf immer neue Allzeithochs und liege bei aktuell 213 Tonnen.

Xetra-Gold bleibe auch Umsatzspitzenreiter an der Börse Frankfurt. Anleger würden außerdem auf den WisdomTree Physical Gold, den Xtrackers Physical Gold (ISIN DE000A1E0HR8 / WKN A1E0HR), den Xtrackers Physical Gold EUR Hedged und den INVESCO Physical Gold (ISIN IE00B579F325 / WKN A1AA5X) setzen.

Angesichts Corona-Krise und der immer lockereren Geldpolitik würden viele Banken derzeit ihre Goldpreisschätzungen hochsetzen. Die Commerzbank prognostiziere jetzt 1.800 statt 1.650 US-Dollar zum Jahresende, JP Morgan 1.800 bis 1.850 Dollar zur Jahresmitte. Bank of America gehe sogar davon aus, dass der Preis für das Edelmetall in den kommenden 18 Monaten auf über 3.000 US-Dollar steigen könnte.

Der Silberpreis hinke klar hinterher. Das auch viel in der Industrie eingesetzte Edelmetall leide unter der einbrechenden Wirtschaft. Vor einigen Wochen sei der Preis auf 11,72 US-Dollar gefallen, jetzt seien es wieder 15,36 US-Dollar, Anfang des Jahres seien es aber noch über 18 US-Dollar gewesen. Anleger des WisdomTree Physical Silver würden seit Jahresanfang daher auf Verlusten sitzen. Ähnlich sehe es aus für Platin und den entsprechenden ETC (ISIN DE000A0N62D7 / WKN A0N62D).

Erste Lockerungen des Shutdown in vielen Ländern und zarte Hoffnungen auf eine Wiederbelebung der Wirtschaft hätten die zuvor stark gesunkenen Preise für Industriemetalle wieder etwas steigen lassen. Der WisdomTree Industrial Metals und der WisdomTree Copper würden dennoch seit Jahresanfang auf ein Minus von 16,6 Prozent kommen, der WisdomTree Nickel auf minus 14 Prozent. (24.04.2020/fc/a/e)