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Wedelt der Schwanz mit dem Hund? Einige Überlegungen zur Belastbarkeit der ETF-Märkte


06.03.19 15:37
Franklin Templeton

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Da die Volatilität wieder in die Schlagzeilen zurückgekehrt ist, fragen sich einige Anleger, inwiefern börsengehandelte Fonds die Bewegungen der Märkte verschärfen, so die Experten von Franklin Templeton.

Jason Xavier, Head of EMEA ETF Capital Markets bei Franklin Templeton Investments, relativiere diese Bedenken und versuche, einige weitere Befürchtungen bezüglich der Widerstandsfähigkeit des Sektors zu zerstreuen.

In ihrem letzten Artikel hätten die Experten die wichtigsten Teilnehmer vorgestellt, die sowohl am Primär- als auch am Sekundärmarkt am Handel mit börsengehandelten Fonds (ETFs) beteiligt seien.

Die Experten hätten die Rolle des Market Makers von der des befugten Teilnehmers unterschieden und dargestellt, wie Primärmarkttransaktionen in Europa umgesetzt würden.

Dieser Artikel baue auf diesen Kenntnissen auf, um auf eine andere Frage einzugehen, die den Experten immer wieder gestellt werde: "Welche Auswirkungen würde der Ausfall oder Ausstieg eines dieser Teilnehmer aus dem Markt auf die Liquidität von ETFs haben?"

Die Experten würden hoffen, hiermit ein wenig Kontext zu bieten und eine Reihe unbegründeter Bedenken auszuräumen.

In Gesprächen mit Kunden würden immer wieder die folgenden beiden Themen auftauchen:

- Sorgen, dass ETFs den nächsten Abschwung verursachen würden bzw. dass ETFs Volatilität schaffen oder verschärfen würden.
Fragen über das Risiko, dass es bei Marktteilnehmern zu einem Ausfall komme oder dass sie sich bei einer angespannten Marktlage vorübergehend oder dauerhaft aus dem Markt zurückziehen würden.

Bevor die Experten ausführlich auf diese Themen eingehen würden, sollten sie sich noch einmal vor Augen führen, dass der globale ETF-Markt ca. 10% des globalen Universums offener Investmentfonds darstelle.

Auch wenn wir in den letzten Jahren ein exponentielles Wachstum der Vermögenswerte globaler ETFs beobachten konnten, handelt es sich bei dem Sektor immer noch eindeutig um ein kleines Geschwisterchen eines sehr viel größeren Investmentfondsuniversums, so die Experten von Franklin Templeton.

Die Berücksichtigung dieser relativen Position sollte dabei helfen, ein wenig Kontext für die Anschuldigung zu schaffen, dass der Einfluss von ETFs auf den breiteren Markt ein Fall sei, in dem "der Schwanz mit dem Hund wedelt".

Volatilität ergebe sich aus den Kapitalströmen der Anleger. Letzten Endes liege die Entscheidung bezüglich der Steuerung einer Anlage beim Endanleger.

Um diese Entscheidung umzusetzen, könnten unterschiedlichste Vehikel eingesetzt werden, von einem Engagement in Investmentfonds oder ETFs bis hin zu einem direkten Kauf bzw. Verkauf der zugrundeliegenden Aktien oder Anleihen. Und Anleger würden je nach Art des von ihnen gewählten Vehikels einen unterschiedlichen Grad an Transparenz erleben.

Werde die Entscheidung beispielsweise über einen Investmentfonds umgesetzt, habe dies in der Regel einen Handel zu Schlusskursen zur Folge.

Ein Anleger, der einen ETF verwende, habe volle Transparenz bezüglich der preislichen Entwicklungen während des Handelstages und erhalte damit praktisch Zugang zu einer demokratisierten Preisfindung und letztlich auch Volatilität.

Die Intra-Day-Flexibilität eines ETFs biete Endanlegern dieselbe konkret umsetzbare Transparenz, die bisher ausschließlich Marktteilnehmern für Fondsanlagen vorbehalten gewesen sei.

Nach Analyse der Experten würden ETFs also alles andere als eine Quelle erhöhter Volatilität darstellen. Im Gegenteil: sie würden die Volatilität demokratisieren und es Anlegern erlauben, zu erkennen, wie sich Risiken im Laufe eines Tages verändern würden.

Wir sollten uns kurz noch einmal die Rolle eines befugten Teilnehmers im ETF-Ökosystem vor Augen führen, so die Experten von Franklin Templeton.

Ein befugter Teilnehmer (Authorised Participant, AP) fungiere als Intermediär zwischen Käufern und Verkäufern von ETF-Anteilen. Ein AP sei befugt, am Primärmarkt zu handeln, um die Auflegung und Rücknahme von Anteilen direkt beim Emittenten/Vermögensverwalter des ETFs zu unterstützen.

Bei diesen befugten Teilnehmern handele es sich um Finanzinstitute, üblicherweise weithin bekannte Banken oder Börsenmakler, die bereits sowohl am Primär- als auch am Sekundärmarkt mit allen börsennotierten Wertpapieren für Investmentfonds und ETFs handeln und letzten Endes auch die Aktivitäten bezüglich einzelner Aktien bzw. Anleihen bestimmen würden.

Wenn wir also die Folgen eines Ausfalls oder Rückzugs eines befugten Teilnehmers auf den ETF-Markt betrachten, sollten wir auch die übrigen Rollen beachten, die diese Organisationen innerhalb des breiteren Anlageuniversums spielen, so die Experten von Franklin Templeton.

Diese Unternehmen würden ausnahmslos deshalb am Markt teilnehmen, weil ein wirtschaftlicher Vorteil bestehe, der einen Anreiz für eine Beteiligung schaffe. Befugte Teilnehmer seien genauso wenig verpflichtet, als Intermediär für den Handel mit Investmentfonds oder einzelnen Aktien zu fungieren, wie es bei ETFs der Fall sei.

Als Vorteile, die sich aus der Unterstützung von Primär- und Sekundärmarkttransaktionen ergeben könnten, würden häufig Provisionen für die Ausführung von Handelsaufträgen sowie Arbitrage-Gelegenheiten angeführt. In der Tat würden sowohl Umsetzungsprovisionen als auch Arbitragemöglichkeiten einen Anreiz für den ETF-Handel am Primärmarkt bieten. Infolgedessen enthalte das ETF-Ökosystem eine ganze Reihe befugter Teilnehmer. Die meisten ETF-Manager würden ein auf mehrere befugte Teilnehmer ausgerichtetes Modell anwenden, wodurch sie ihre Abhängigkeit von einzelnen Intermediären effektiv diversifizieren würden.

Sollten sich also ein oder mehrere Marktteilnehmer zurückziehen, blieben immer noch weitere übrig, um eine Lösung zu bieten und Marktliquidität zu gewährleisten.

Aber was, wenn systemische Probleme auftreten würden, aufgrund derer es keine Marktteilnehmer zur Unterstützung des Primärmarkthandels mit ETFs mehr gebe?

In Anbetracht der Tatsache, dass die meisten dieser Anbieter auch das Fundament des weltweiten Handels mit Aktien und Anleihen insgesamt bilden würden, würde ihre Abneigung bzw. Unfähigkeit, Handelsgeschäfte abzuschließen, weitläufigere Folgen haben - nicht nur für die 5% des Marktes, die auf ETFs entfallen würden, sondern auch für die übrigen 95%.

Hierbei handele es sich also wohl kaum um einen Fall, in dem der Schwanz mit dem Hund wedele. (Ausgabe vom 01.03.2019) (06.03.2019/fc/a/e)