Erweiterte Funktionen

Alternative Investmentfonds dürfen jetzt Kredite vergeben


01.02.16 09:06
FundResearch

München (www.fondscheck.de) - In einer abschließenden Lesung hat der Bundestag am Donnerstag in Berlin das OGAW-V-Umsetzungsgesetz verabschiedet, so die Experten von "FundResearch".

Damit werde die EU-Richtlinie zur Koordinierung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften für bestimmte Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW-V) umgesetzt. Der Bundesrat werde aller Voraussicht nach in Kürze zustimmen. Dann könne das Gesetz in Kraft treten.

Noch bis zuletzt sei über wichtige Details gestritten worden. So sei es zu wichtigen Anpassungen des Gesetzentwurfs gekommen. Die aus Sicht der Branche wichtigste Änderung: Alternative Investment Fonds (AIF) dürften nun offiziell Darlehen an Dritte vergeben. In der Praxis sei das längst Usus. "Die Vergabe von Darlehen ist ein wichtiges Finanzierungsinstrument. Denn diese Gesellschafterdarlehen bieten beispielsweise Objektentwicklern die Möglichkeit, bei kurzfristigen Investitionschancen schnell reagieren zu können", erkläre Eric Romba, Hauptgeschäftsführer des bsi Bundesverband Sachwerte und Investmentvermögen.

Das Problem sei bislang die fehlende rechtliche Sicherheit gewesen. Denn bei der effektiven Verwaltung seien die Beteiligten schnell an regulatorische Grenzen gestoßen, was regelmäßig zu Nachteilen und sogar Verlusten bei den dahinter stehenden Investoren geführt habe. Deutschland als Fondsstandort sei aus Sicht der Branche in diesem Segment ins Hintertreffen geraten.

Dieser Makel werde nun beseitigt. Konkret dürften geschlossene Spezial-AIF jetzt die Hälfte des zu Investitionszwecken zur Verfügung stehenden Kapitals mit Gesellschafterdarlehen finanzieren. Im Vorentwurf habe die Quote noch bei 30 Prozent gelegen.

Auch in einem weiteren Punkt hätten Branchenvertreter den Gesetzgeber überzeugen können: AIF dürften nun Kreditfonds auflegen. "In weiten Teilen Europas ist das schon länger selbstverständlich. In Deutschland war dies noch nicht per Gesetz geregelt", so Romba. Hintergrund: Kreditfonds würden kurzfristige Finanzierungen an AIF vergeben und ihnen somit ermöglichen, zeitnah Investitionschancen ergreifen zu können. Die über die Fonds vergebenen Darlehen würden in der Regel einen höheren Zins aufweisen als klassische Investitionsdarlehen von Banken und würden oft als Überbrückungsfinanzierung eingesetzt. "Die jetzt beschlossenen Regelungen und die festgelegten Quoten eröffnen mehr Spielräume, um im internationalen Wettbewerb um alternative Investments bestehen zu können", so Romba.

Auch der Bundesverband Alternative Investments (BAI) habe die Änderungen begrüßt, die der Bundestag in den parlamentarischen Beratungen vorgenommen habe. "Mit den gestern beschlossenen Änderungsanträgen werden für die Branche und institutionelle Investoren wichtige Anliegen aufgegriffen und die einschlägige BaFin-Verwaltungspraxis vom Mai 2015 praxisgerecht in das Gesetz überführt", erkläre Frank Dornseifer, Geschäftsführer des BAI. Dies gelte besonders für die Möglichkeit der Verwaltung unverbriefter Darlehensforderungen im Bestand offener Spezial-AIF.

Ein weiterer Punkt des Gesetzes, das - sofern der Bundesrat die erwartete Zustimmung gebe - am 18. März dieses Jahres in Kraft treten werde: Die Übertragungsmöglichkeiten zwischen AIF-Fonds seien vereinfacht worden. Künftig solle es möglich sein, Sondervermögen oder das Verwaltungs- und Verfügungsrecht daran von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft auf eine andere zu übertragen. Die Finanzaufsicht BaFin müsse einen solchen Schritt genehmigen und habe dafür eine Frist von acht Wochen. Auch dies sei eine Praxisanregung der Verbände gewesen.

Branchenvertreter seien erleichtert, dass Erfahrungen aus der Praxis in regulatorisches Recht habe überführt werden können. Es seien aber noch weitere Schritte zu gehen. "Die europäische Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen, möglicherweise folgen hier schon kurzfristig weitere Impulse im Rahmen des Projektes Kapitalmarktunion", so Frank Dornseifer. (Ausgabe vom 29.01.2016) (01.02.2016/fc/n/s)