Commerzbank-Manager: "ETFs sind reif für die Breite der Anleger" - ETF-News


30.01.18 13:26
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die Meldung rüttelte die Branche wach: Die Commerzbank kooperiert bei ETF-Portfolios ab sofort mit BlackRock, so die Experten von "FONDS professionell".

Damit habe sich der US-Fondsriese im Wachstumsmarkt Deutschland einen Prestige-Kunden geangelt - und außerdem den Wettbewerber Allianz Global Investors (AGI) aufgeschreckt. Die Multi-Asset-Fonds der Vermögensmanagement-Serie, die AGI seit zehn Jahren exklusiv für Commerzbank-Kunden anbiete, hätten sich bislang blendend verkauft. Sei das zu halten, jetzt, da die Billigkonkurrenz aus dem ETF-Lager lauere?

Bei den Fonds handle es sich um die Reihe "BlackRock Managed Index Portfolios" in den Varianten Defensive, href="/bsf_blackrock_mgd_idx_ptf_conservative_a2_eur_A2H9W8-fonds">Conservative, Moderate und Growth. Für die Commerzbank seien eigene Anteilsklassen mit den Namen Indexinvest Substanz, Balance, Wachstum und Chance aufgelegt worden. Die Ratingagentur Scope bewerte die BlackRock-Fonds mit der Bestnote "A" und begründe dies unter anderem mit dem guten Abschneiden seit Auflage im Juni 2015 und der "sehr hohen Flexibilität" in der Allokation, die sich an Volatilitätsbändern und nicht an festen Aktienquoten orientiere.

Torsten Daenert, Leiter Produktmanagement Wertpapier bei der Commerzbank, nehme im Interview mit "FONDS professionell ONLINE" Stellung.

Herr Daenert, die Commerzbank bietet seit kurzem aktiv gemanagte ETF-Dachfonds von BlackRock an. Für das Thema Multi-Asset stand in Ihrem Haus bislang vor allem die Vermögensmanagement-Serie, die Allianz Global Investors exklusiv für die Commerzbank entwickelt hat. Sind die BlackRock-Fonds als Konkurrenz zum etablierten AGI-Angebot zu sehen?

Torsten Daenert: Nein, denn wir sprechen damit in erster Linie eine andere Zielgruppe an. Aber lassen Sie mich etwas ausholen, denn wir bei der Commerzbank haben einen breiten Blick auf das Thema Multi-Asset. Schon bei unserer Vermögensverwaltung kommt im Grundsatz eine ganzheitliche Multi-Asset-Logik zum Einsatz. Auch hier gibt es Varianten mit ETFs wie die Index-VV und seit einem Jahr die ETF-VV. Bei klassischen Multi-Asset-Dachfonds arbeiten wir vor allem mit der Vermögensmanagement-Familie, bieten aber auch Multi-Asset-Fonds anderer Häuser wie Flossbach von Storch an. Die neuen Indexinvest-Fonds, die auf ETFs und Indexfonds setzen, runden nun unser Angebot ab. Für diese moderne Form des Investierens interessieren sich vorwiegend Anleger, die jünger und sehr gut informiert sind. Obwohl wir die Indexinvest-Serie erst seit wenigen Tagen anbieten, merken wir schon jetzt, dass wir diese Zielgruppe tatsächlich gut erreichen.

Wie das?

Daenert: Es gibt die vier Anlageprofile Substanz, Balance, Wachstum und Chance. Die meisten Anleger interessieren sich bis dato für die Ausprägungen Wachstum und Chance, die höhere Aktienquoten zulassen. Bei der Vermögensmanagement-Familie dagegen sind vor allem die Substanz- und Balance-Profile gefragt. Indexinvest spricht also Kunden an, die bereit sind, größere Volatilitäten auszuhalten.

Dennoch handelt es sich in beiden Fällen um aktiv gemanagte Dachfonds, versehen mit einem Risikomanagement - mit dem Unterschied, dass BlackRock nur in passive Zielfonds investiert, während Allianz Global Investors auch auf aktive Manager setzt.

Daenert: Das stimmt. Dennoch ist der Ansatz ein anderer. Die Vermögensmanagement-Kunden legen großen Wert auf den Erhalt ihres Kapitals, darum achten die Manager sehr genau darauf, größere Verluste zu vermeiden. Die Indexinvest-Kunden dagegen sind in der Regel bereit, größere Volatilitäten auszuhalten.

Ein weiterer Unterschied sind die Gebühren: Die laufenden Kosten der BlackRock-Portfolios liegen deutlich unter denen der AGI-Fonds. Insbesondere mit Blick auf die neue Kostentransparenz unter Mifid II ist das im Vertrieb sicherlich ein Vorteil.

Daenert: Die Indexinvest-Serie richtet sich auch an preisbewusste Kunden, die laufenden Kosten sind im Marktvergleich wirklich sehr niedrig. Auch in den Vermögensmanagement-Fonds haben wir kürzlich die laufenden Kosten gesenkt, ganz an das Niveau der ETF-Dachfonds kommen wir hier aber nicht heran. Dafür bekommen die Kunden allerdings auch ein anderes Produkt, nämlich ein aktiv gemanagtes Portfolio aktiver Zielfonds.

Weshalb haben Sie sich eigentlich für BlackRock als Manager der ETF-Dachfonds entschieden?

Daenert: BlackRock ist schon seit längerem einer unserer strategischen Partner. Das Haus ist Marktführer bei ETFs, außerdem gibt es diese Dachfonds schon seit einiger Zeit, wir können also auf eine echte Performance zurückblicken. Dieses Paket hat uns überzeugt.

Bei den Indexinvest-Fonds handelt es sich um neue Anteilsklassen der bereits 2015 lancierten Blackrock Managed Index Portfolios, oder?

Daenert: Für drei der vier Fonds trifft das zu. Das Indexinvest-Anlageprofil "Balance" wurde zusätzlich aufgelegt. So passen die vier Indexinvest-Fonds besser zu den Risikostufen aus unserer Anlageberatung.

Die Commerzbank wirbt schon seit einiger Zeit verstärkt für börsengehandelte Indexfonds - sei es mit Free-Buy-Aktionen für Selbstentscheider oder einer ETF-Beratung für Kunden mit "Premiumdepot". Tragen die Bemühungen Früchte?

Daenert: Auf jeden Fall. Im vergangenen Jahr waren wir im Wertpapiergeschäft insgesamt sehr erfolgreich, für ETFs trifft das aber ganz besonders zu. Immer mehr Anleger entdecken die Vorteile dieser Instrumente: hohe Transparenz, breite Streuung und niedrige Kosten. Früher waren Indexfonds ein Instrument für institutionelle Investoren, dann haben die Kunden der Online-Broker sie für sich entdeckt. Inzwischen ist das ETF-Thema reif für die Breite der Anleger - vor allem mit Asset-Allokation-Produkten, wie wir sie nun anbieten. Wir haben gerade eine neue Kampagne gestartet: "Deutschland weckt sein Geld!" Damit möchten wir uns noch stärker als Vermögensanlagebank positionieren. Die Indexinvest-Fonds sind dafür wichtige Bausteine.

Vielen Dank für das Gespräch. (News vom 29.01.2018) (30.01.2018/fc/n/e)