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Crash-Schutz: EU prüft Verkaufsverbot für Fondsanteile - Fondsnews


12.03.18 13:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) hat vor kurzem eine Reihe konkreter Empfehlungen für die weitere Regulierung von Fonds unterbreitet, so die Experten von "FONDS professionell".

Im Kern gehe es um eine Verbesserung der Liquiditätssteuerung der Portfolios im Falle einer allgemeinen Marktkrise. So solle verhindert werden, dass die Rückgabe von Fondsanteilen eine Verwerfung an den Märkten beschleunige. Der ESRB habe seine Empfehlungen an die EU-Wertpapieraufsicht ESMA und die EU-Kommission geschickt, welche sich nun damit befassen würden.

Hintergrund der Empfehlungen des ESRB sei die Rolle, die die Fondsindustrie für die Stabilität der Finanzmärkte spiele. Immerhin verwalte die Branche weltweit Gesamtvermögen von rund 64 Billionen Euro. Der ESRB nehme damit einen Ball des Finanzstabilitätsrates (Financial Stability Board, FSB) auf, dem Vertreter der Finanzministerien, Notenbanken und Aufsichtsbehörden aus den G20-Ländern angehören würden. Der FSB habe vor rund einem Jahr Vorschläge gemacht, wie die von Fondsgesellschaften ausgehenden Systemrisiken für die Finanzmärkte beherrschbar gemacht werden könnten.

Zu den vom ESRB vorgeschlagenen Maßnahmen zur Liquiditätssteuerung gehöre der Einsatz von bestimmten Liquiditätsmanagementtools. Dazu würden etwa "Swing Pricing", "Gates" und "Side Pockets" zählen. Diese sollten verhindern, dass Anleger bei einem Marktcrash auf einen Schlag sämtliche Anteile zurückgeben könnten, was Fondsgesellschaften womöglich zu Notverkäufen zwinge - und einen Preisrutsch an den Märkten verschärfen würde. Die Maßnahmen sollten sich auf alle OGAW und offenen Alternative Investmentfonds (AIF) beziehen.

Für diese Portfolios sollten die Manager analysieren, welche Tools sie einsetzen könnten - wobei die Aussetzung der Anteilrücknahme in außergewöhnlichen Umständen als Mindestanforderung gelten solle. Für AIFs mit illiquiden Assets wie Windkraftanlagen sollten zusätzliche Maßnahmen gelten. Für offene Immobilienfonds, die zu den AIFs zählen würden, würden in Deutschland Rückgabebeschränkungen schon seit ein paar Jahren gelten.

Der deutsche Fondsverband BVI begrüße die Empfehlungen des ESBR: "Die Empfehlungen des ESRB zur Steuerung von Liquidität halten wir für sehr sinnvoll. Je mehr Werkzeuge, desto flexibler können Fonds mit Liquiditätsengpässen umgehen und Rückgaben an die Anleger in deren Interesse besser steuern", habe ein BVI-Sprecher auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE mitgeteilt. "In Deutschland gibt es bereits Halte- und Kündigungsfristen für offene Immobilienfonds. Die Einführung weiterer geeigneter Instrumente für offene Publikumsfonds wie 'Gates' und 'Swing pricing' wäre wünschenswert. Wichtig ist aber, dass der Asset Manager über den Einsatz dieser Werkzeuge selbst entscheiden und die Anleger entsprechend informieren kann."

Der ESRB empfehle weiter, Liquiditätsstresstests auf Fondsebene für AIF und OGAW zu entwickeln. Diese sollten auf den Vorgaben der AIFM-Richtlinie basieren. Damit solle gewährleistet werden, dass die Fonds jederzeit auch die nötigen Mittel vorhalten würden, um Anleger auszahlen zu können - nicht nur in Krisensituationen. In weniger liquiden Märkten wie bei Anleihen könnten größere Anteilscheinrückgaben die Portfolios unter Druck setzen, sodass sie Positionen zu nicht marktgerechten Preise veräußern müssten und damit eine Kettenreaktion auslösen würden. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin habe bereits Leitlinien für das Liquiditätsmanagement von Fonds aufgestellt.

Weitere Empfehlungen der ESBR seien einheitliche Reportings für OGAWs und AIFs. Für letzteren sollten zudem speziell die systemischen Risiken von AIFs unter die Lupe genommen werden. (12.03.2018/fc/n/s)