Investmentsteuerreform und Immobilienfonds: Kein Grund zur Panik - Fondsnews


19.05.17 13:58
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Zuweilen ist zu hören, dass Anlegern, die Anteile an offenen Immobilienfonds halten, durch das Investmentsteuerreformgesetz massive Nachteile entstehen. Das ist nicht der Fall, so die Experten von "FONDS professionell".

Kleinanlegern könnten die neuen Regelungen aber Minuspunkte bescheren.

Wenn es um das Investmentsteuerreformgesetz (InvStRefG) gehe, seien immer wieder mal beunruhigende Thesen zu hören. Wie diese beispielsweise: Anleger, die Fondsanteile vor dem 1. Januar 2009 gekauft hätten, sollten sie unbedingt abstoßen, bevor das neue Gesetz in Kraft trete, sei eine Geschichte. Kleinsparer, die in offenen Immobilienfonds (OIF) investiert seien, müssten künftig mit massiven Steuernachteilen rechnen, sei eine andere. Ganz so dramatisch sei die Sache jedoch nicht, wie FONDS professionell ONLINE recherchiert habe.

Richtig sei, dass Inhaber von OIF-Anteilen diese nach der aktuellen Gesetzeslage steuerfrei veräußern könnten, wenn sie sie zehn Jahre gehalten hätten. Dieser Vorteil entfalle, wenn die Reform am 1. Januar 2018 in Kraft trete.

Dafür räume der Gesetzgeber OIF-Investoren jedoch einen Freibetrag von 100.000 Euro ein. Dieser könne aber schnell ausgereizt sein, denn der typische Immobilienfondsanleger spare in der Regel über viele Jahre hinweg, sei zuweilen zu lesen. Wer etwa 1990 rund 30.000 Euro in den offenen Immobilienfonds hausInvest gesteckt und die Ausschüttungen wiederangelegt habe, komme heute auf ein Vermögen von mehr als 110.000 Euro, habe das "Handelsblatt" kürzlich vorgerechnet.

Dabei dürfe jedoch nicht vergessen werden, dass das neue Gesetz hohe steuerliche Teilfreistellungen vorsehe. Bei offenen Immobilienfonds würden sich diese auf 60 Prozent belaufen, wenn der Investitionsschwerpunkt in Deutschland liege, und auf 80 Prozent, wenn er sich im Ausland befinde. Bei einem Veräußerungsgewinn von 110.000 Euro wären nach der Teilfreistellung also 44.000 Euro steuerpflichtig, wenn der Fonds überwiegend in der Bundesrepublik anlege, respektive 22.000 Euro, sofern er hauptsächlich im Ausland investiere. Da beide Summen an den Freibetrag jedoch nicht heranreichen würden, fiele für den Anleger keine Steuer an. Die Teilfreistellungen würden auch für laufende Erträge gelten.

Um zu verstehen, was es mit den neuen Teilfreistellungen auf sich habe, lohne es sich, zunächst einen Blick auf die noch geltenden Steuerregelungen zu werfen. Bislang würden Erträge aus Mieteinnahmen sowie aus dem Verkauf deutscher Immobilien auf Fondsebene nicht besteuert. Auf Mieterträge und Gewinne aus dem Verkauf ausländischer Immobilien hingegen zahle der Fonds die Quellensteuer im jeweiligen Land. Der Anleger könne sich diese über seine Steuererklärung zurückholen.

In Zukunft versteuere ein Fonds Mieteinnahmen und Gewinne aus dem Verkauf deutscher Immobilien mit 15 Prozent. Die Quellensteuer, die auf Portfolioebene für im Ausland erzielte Erträge anfalle, könnten sich Anleger nicht mehr über die "Anlage KAP" erstatten lassen. Da dem Anleger damit unterm Strich weniger bleibe, habe der Gesetzgeber als Ausgleich die Teilfreistellungen vorgesehen.

Sie würden für alle in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Fonds gelten, unabhängig davon, ob diese hierzulande oder im Ausland aufgelegt worden seien. Bei Fonds, die überwiegend jenseits der bundesdeutschen Grenzen investieren würden, sei die Freistellung höher, da die Quellensteuer in vielen Ländern 15 Prozent übersteige. Daher stünden Anleger, die Anteile an OIF mit Investitionsschwerpunkt im Ausland halten würden, steuerlich auch nicht per se besser da als solche, die in Fonds investiert seien, die überwiegend auf deutsche Immobilien setzen würden.

Einen echten Minuspunkt gebe es dennoch: Kleinanlegern, die ihren Sparerpauschbetrag noch nicht ausgeschöpft hätten, oder aufgrund ihres niedrigen Einkommens nicht zur Steuer veranlagt würden, bringe das Investmentsteuerreformgesetz tatsächlich Nachteile. Denn sie könnten die Einbußen, die ihnen die neuen Regelungen bescheren würden, nicht über die steuerlichen Teilfreistellungen ausgleichen. (19.05.2017/fc/n/s)





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