Erweiterte Funktionen

Verschmelzung: Lyxor übernimmt Comstage-Einheit der Commerzbank


17.12.19 15:00
fondscheck.de

Bad Marienberg (www.fondscheck.de) - Der Zusammenschluss zwischen Comstage - eine Indexfonds-Einheit der Commerzbank - und der französischen Großbank Société Générale hat in dem deutschen Unternehmen für Aufruhr gesorgt. Jetzt werden erste Pläne laut, die über die kommende Integration und weitere Arbeit Aufschluss geben sollen.

Die französische Gesellschaft Lyxor wird das Comstage-Departement in ihre Abläufe integrieren und alle notwendigen Prozesse übernehmen. Um die Abläufe weiterhin stabil zu halten, haben sich die Verantwortlichen dazu entschieden, eine Doppelspitze zu installieren, um das deutsche Know-how und die Expertise der Franzosen zu kombinieren. Von deutscher Seite aus wird Thomas Timmermann die Geschäfte leiten und Guillaume de Martel steuert von der französischen Seite alle wichtigen Einsätze. Grund für die Zusammenlegung beider ETFs war der vorangegangene Verkauf von Equity Markets & Commodities, ein Teil der Commerzbank zu der Comstage gehört, an die Société Générale.



Aufstocken der Angebote und bestehender Kundenservice


Für Lyxor, dem drittgrößten europäischen Anbieter von börsennotierten Indexfonds (ETF), ist der Zukauf ein echter Gewinn. Die Fusion beider Anbieter stärkt das französische Lyxor und gewinnt somit in sehr kurzer Zeit ein enormes Backup an Möglichkeiten, die den Handel an der Börse für Anleger untermauern sollen. Vornehmlich im Bereich der Aktien-, Rohstoffe- und Welt wird sich die neugegründete Gesellschaft positionieren. Die bisherigen ETFs beider Einzelanbieter bilden dahingehend eine erfreuliche Basis, die nun voneinander profitieren.

Auch personell wird die neue Einheit aufgestockt. Mitarbeiter von beiden Seiten werden gemeinsam im Frankfurter Büro von Lyxor einziehen und von dort aus, die täglichen Geschäfte leiten. Die ehemaligen Geschäftsräume im Handelssaal des Frankfurter Unternehmens werden indes aufgegeben. Die komplette Zusammenführung beider Einheiten soll im Sommer des kommenden Jahres vollzogen sein. Somit agieren alle Produkte spätestens dann unter neuen Namen.



Anleger müssen zudem keine Angst verspüren, dass laufende Fonds kurzfristig geschlossen werden. Alle bestehenden Verträge und Anlagen laufen weiter und werden individuell betreut. Ob ETFs parallel jedoch existieren werden, ist ungeklärt, doch auch hier werden keine finanziellen Verluste zu fürchten sein. Der Service, den Lyxor und Comstage ihren Kunden zuvor geboten haben, bleibt auch weiterhin nach gewohntem Standard bestehen.

Hintergründe des abgeschlossenen Deals


Das französische Unternehmen Lyxor hat sich die gesamte Zusammenlegung insgesamt 8,6 Milliarden Euro kosten lassen. Im Juli 2018 wurde der Deal abgeschlossen und befindet sich nun in der letzten Phase der Umstrukturierung.

Neben dem Wechsel nach Frankfurt wird auch das hauseigene Research-Team eine neue Leitungsposition erhalten. Vincent Denoiseux, der sich als Vermögensverwalter in Frankreich empfohlen hat, wird das Aufsetzen des neuen Portfolios übernehmen. Er war zuvor europaweit tätig und kann Arbeitgeber wie Lehman Brothers Asset Management oder BNP Paribas Investment Partners in seiner Vita vorweisen. Jetzt erwarten ihn neue Aufgaben im Research-Team.

Positives Expertenfeedback stärkt


Brancheninsider und Börsenexperten sehen den abgeschlossenen Deal als großen Erfolg für die Commerzbank wie auch für die Société Générale. Während Letztere ihre Stellung in Deutschland somit ausbaut und ein enormes Wachstum generiert, kann das deutsche Geldhaus einen immensen Kostenblock in kurzer Zeit einsparen. Dabei wird über eine Kostenersparnis von ungefähr 200 Millionen Euro spekuliert.

In den vergangenen Jahren geriet die Commerzbank aufgrund zahlreicher Skandale und dem Verlust von Kundenvertrauen in Schieflage. Die komplexe Struktur und die stetigen Neuausrichtungen führten zu einem undurchsichtigen Konstrukt, was auch hinter den Kulissen für Verwirrung sorgte. Durch den Verkauf der Comstage-Einheit ist ein Anfang für mehr Klarheit geschaffen.

Für den Endkunden wirkt sich die neue Richtung ebenfalls positiv aus. Die freigewordenen Ressourcen sollen angeblich wieder in die Privat- und Firmenkundenbetreuung fließen. Damit möchte sich die Bank zurück auf ihre primären Ziele besinnen und das ursprüngliche Geschäftsmodell optimieren. Durch Schließungen von Filialen und Mitarbeiterabbau entfernte sich die Commerzbank im Laufe der vergangenen Jahre von dieser Prämisse. (17.12.2019/fc/n/e)