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2016: Ein Börsenjahr, das nach Augenmaß verlangt


12.01.16 11:29
HANSAINVEST

Hamburg (www.fondscheck.de) - Es ist kein Geheimnis, dass wie bereits 2015 auch 2016 die Notenbanken maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Kapitalmärkte nehmen werden, so die Portfoliomanager der Hamburger Kapitalverwaltungsgesellschaft HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH.

Die größten Chancen auf der Aktienseite sehe Philipp van Hove in Europa: "Für ein Investment dort sprechen Wettbewerbsvorteile durch die aktuelle EUR/USD-Konstellation, die vergleichsweise attraktiven Firmenbewertungen und eine sich erholende Konjunktur. Flankiert wird dies alles von der stark expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die bis ins Jahr 2017 hinein fortgeführt werden soll. Damit verbunden sind niedrige Anleihezinsen, die Anleger förmlich an den Aktienmarkt treiben." Auch der japanische Aktienmarkt könnte in 2016 eine positive Dynamik entwickeln, so der Aktienstratege: "Dort unterstützt ebenfalls eine expansive Geldpolitik die Börse."

"Rohstoffpreise hatten zuletzt einen schweren Stand. Deren Erholung könnte Schwellenländer-Aktien eine Bodenbildung bescheren, aber auch einer etablierten Börse, wie der britischen, Rückenwind verleihen", ergänze van Hove. "Mutige Anleger sollten deshalb diese Märkte genau beobachten und über eine selektive Beimischung nachdenken."

Betrachte man einzelne Unternehmen, so lohne ein Blick auf besonders ertragsstabile Unternehmen, die Marktführer in ihrem Segment seien. Diese müssten nicht zwingend aus den Sektoren Gesundheit oder Nahrungsmittel stammen, die zuletzt Gewinnmitnahmen verzeichnet hätten. "Unser Research hat 15 herausragende Gesellschaften identifiziert, die ihre Gewinne in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich steigern konnten", so van Hove. Zu diesen Favoriten hätten beispielsweise der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser und Essilor, ein führender Hersteller von Brillengläsern, gezählt.

Auch auf der Rentenseite werde 2016 die internationale Geldpolitik die Märkte weiter stark beeinflussen. Laut Christian Bender, Bondexperte der HANSAINVEST, rechtfertige der fortgeschrittene Aufschwung in Nordamerika die lange angekündigte Leitzinsanhebung. Im Zuge dessen könnten die Renditen für zehnjährige US-Treasuries in Richtung drei Prozent klettern. Und auch Euro-Papiere dürften von den USA ein Stück weit mit nach oben gezogen werden. Die EZB sollte mit ihrer expansiven Geldpolitik allerdings größere Renditeaufschläge verhindern.

Blicke man auf die Währungen, dürfte der Zinsvorsprung von US-Papieren daher auch 2016 für einen starken US-Dollar sorgen. "Als Zielmarke für das EUR/USD-Verhältnis sehen wir 1,05 Euro, wobei ein zwischenzeitliches Überschießen in Richtung Parität nicht auszuschließen ist", so Bender.

Im Euroraum böten dabei Zinstitel staatlicher Emittenten aus Südeuropa, wie z.B. Spanien, weiterhin attraktive Risikoaufschläge. "Wegen des höheren Renditeniveaus favorisieren wir außerdem in US-Dollar begebene Papiere. Hingegen erkennen wir in den Schwellenländern aktuell nur wenige klare Kaufgelegenheiten", ergänze Bender. Mexiko und mit Abstrichen auch China würden dazu gehören. Skandinavische und australische Rententitel könnten im späteren Jahresverlauf wieder in den Fokus der Anleger rücken.

Benders Fazit für 2016: "Insgesamt erwarten wir noch größere Marktschwankungen als in diesem Jahr, zumal die geopolitischen Unsicherheiten zugenommen haben." Anleger sollten im kommenden Jahr deshalb weiterhin bonitätsstarke Staats- und Unternehmensanleihen in den Kernwährungen hoch gewichten. Bei Volatilitätsschüben könne es sich lohnen, zu Unrecht abgestrafte Zinstitel und Währungen beizumischen. Solche Einstiegsgelegenheiten hätten sich vor kurzem bei VW-Kurzläufern ergeben. Ähnliches werde sich auch 2016 zeigen.

Ähnliche Muster wie im Vorjahr erwarte auch Nico Baumbach, Edelmetall-Experte der Hamburger Kapitalverwaltungsgesellschaft: "Edelmetalle litten 2015 vor allem unter dem mangelnden Interesse institutioneller Investoren. Der Goldpreis gab nach, weil eine Zinswende in den USA allseits erwartet wurde und der US-Dollar deutlich anzog. In Euro gerechnet hat sich Gold allerdings kaum verändert, vergleicht man den aktuellen mit dem Anfang 2015 erreichten Preis. Aus Anlegersicht eine gute Gelegenheit, um Gold relativ günstig zu erwerben." Einen Anteil von fünf bis zehn Prozent des liquiden Anlegervermögens in dem Edelmetall zu halten, sollte deshalb auch im kommenden Jahr die richtige Beimischung für das Portfolio sein.

Als eine Art Versicherung könne Gold für Stabilität im Depot sorgen und Portfolioschwankungen dämpfen. Sollten Anleger die zahlreichen - auch geopolitischen - Risiken wieder stärker wahrnehmen und andere, bereits sehr gut gelaufene Assetklassen in eine Schwächeperiode übergehen, dürfte dieser Diversifikationseffekt voll zum Tragen kommen. Positive Impulse auf die Wertentwicklung des Krisenmetalls könnten auch entstehen, wenn die Inflation anziehen sollte und sich bei Endkunden aus Schwellenländern wie Indien die Nachfrage wieder belebe.

Die auch industriell Verwendung findenden Edelmetalle Platin und Palladium hätten überdurchschnittlich unter Druck geraten. Bei Platin, das für Diesel-Katalysatoren benötigt werde, habe der VW-Skandal die Abwärtsbewegung verstärkt. Hinzu sei eine wieder höhere Förderung in Südafrika gekommen. Der Preis für Platin sei dabei deutlich unter die Goldnotiz gefallen. "Der ohnehin ungewöhnliche Abschlag fällt aktuell so hoch aus wie seit vielen Jahren nicht mehr. Investoren sollten diese Anomalie als Gelegenheit betrachten", meine Baumbach. Bei Platin, aber auch bei Palladium und Silber, übersteige der Bedarf den Rohstoffnachschub schon heute. Da beim aktuellen Preisniveau weitere Minenschließungen bevorstehen dürften, die globale Automobilnachfrage sich aber auf Rekordniveau bewege, würden sich mit Blick auf das neue Jahr Angebotsengpässe abzeichnen. (12.01.2016/fc/a/m)