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Aktienanlage erfordert dynamisches Denken


27.02.15 11:33
GECAM

Wangen (www.fondscheck.de) - Das deutsche Aktieninstitut veröffentlichte jüngst eine Studie zu den Aktionärszahlen in Deutschland für das Jahr 2014, so die Experten von GECAM.

Das Ergebnis sei für die deutsche Aktienkultur verheerend. Seit dem Rekordstand von 2001, hätten sich 4,4 Millionen Menschen von Aktien und Aktienfonds getrennt. Im letzten Jahr hätten sich etwa eine halbe Million Menschen von Dividendenpapieren getrennt. Da die Aktienquote am Geldvermögen bei gerade mal sieben Prozent liege, würden viele Anleger auf notwendige Vermögenszuwächse verzichten.

Hätten die Deutschen seit 2001 nur jeden vierten Euro, der neu in Tages-, Termingeld oder Spareinlagen geflossen sei, in Aktien angespart, wäre das Geldvermögen heute grob geschätzt um 106 Milliarden Euro (!) höher. Pro Haushalt entspräche dies einem Vermögenseffekt von immerhin 2.600 Euro.

Aufgrund der guten Aktienmarktentwicklung der letzten Jahre frage man sich nun, wieso sich immer mehr Anleger von der Aktie verabschieden würden. Einer der Gründe könnte sein, dass Aktienanlagen, die seit Mitte der 90er Jahre bis zur Finanzkrise 2008 getätigt worden seien, die Anleger viel Nerven gekostet hätten. Nun, da der deutsche Leitindex seine Hochs aus den Jahren 2000 und 2007 vor zwei Jahren wieder erreicht habe, hätten einfach viele die Gelegenheit genutzt, sich von ihrer - die meiste Zeit im Verlust liegenden - Aktienanlage mit Gewinn zu verabschieden, denn der Index sei ja nun vermeintlich wieder "oben" angelangt.

Statisches Denken heiße in diesem Zusammenhang: Man gehe davon aus, dass Aktienmärkte steigen und fallen, sich aber unter dem Strich seitwärts bewegen würden. Das würde bedeuten: Würden alte Hochs erreicht, müsse man sich trennen. Denn interessant würde es erst wieder, wenn starke Korrekturen eingetreten seien. Genau dieses statische Denken würden die Experten der großen Mehrheit der deutschen Anlegerschaft attestieren. Die Experten würden das an Aussagen festmachen wie u.a.: "Kann denn der DAX immer weiter steigen? Wie weit kann das noch gehen, wir sind doch schon wieder oben? Aktien sind jetzt teuer!".

Selbst Börsen-Moderatoren würden das Marktgeschehen in dieser Art zusammenfassen, indem sie sich keinen Reim auf steigende Kurse machen würden, wo doch die Gefahren in der Welt anscheinend so groß wären. Man könne sich steigende Aktienkurse höchstens noch mit der Notenbankpolitik des Gelddruckens erklären. Im Umkehrschluss hieße das aber, bei nicht mehr expansiver, oder sogar restriktiver Geldpolitik - wie man das von der US-Notenbank befürchte - würden die Börsen fallen. Glücklicherweise seien die Zusammenhänge nicht so trivial.

Der deutsche Leitindex DAX habe seit seiner Einführung 1988 bis jetzt rund 9,22 Prozent (!) Rendite jährlich erzielt. Hoppla, frage sich jetzt der statisch denkende Anleger, wie könne denn das sein, wenn sich Aktien immer nur auf und ab bewegen würden?

Völlig fremd sei solchen Leuten, dass es sich bei Aktiengesellschaften um Unternehmen handele, die jeden Tag mit ihrem Geschäftsmodell im Wettbewerb stünden. Wo Menschen und Technik Wertschöpfung betreiben würden, die zu Umsatz und Gewinnen führe, die wiederum in Forschung, Entwicklung, Ausbildung und Eroberung neuer Märkte investiert würden, würden sich dauerhaft wachsende Unternehmen bilden. In einem Aktienindex seien meist die besten und größten Unternehmen vertreten. Diese würden permanent überlegen, wie sie ihre Umsätze und Gewinne weiter steigern könnten, um zu wachsen und somit im Wettbewerb zu bestehen und den Unternehmenserhalt zu garantieren.

Sollte das Geschäftsmodell eines Unternehmens nicht mehr funktionieren, fliege es aus dem Index und werde durch eine nachfolgende, aussichtsreichere Aktiengesellschaft ersetzt. Unter dem Strich bedeute diese Systematik nichts anderes, als dass ein großer, international aufgestellter Aktienindex letzten Endes eigentlich immer weiter steigen müsse, weil dort Werte geschöpft und langfristig immer weiter steigende Gewinne produziert würden. Natürlich unter Schwankungen, denn kurzfristig sei die Börse den meist irrationalen Hoffnungen und Ängsten, sprich den Launen der Marktteilnehmer, ausgeliefert.

Um zu erkennen, ob Aktien teuer oder günstig seien, gebe es diverse Kennziffern. Die bekannteste sei sicher das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV). Es gebe an, wie oft ein Unternehmen den aktuellen Gewinn erzielen müsse, bis sich der Kurs (Kaufpreis) über die Gewinne zurückgezahlt habe. Manche würden auch eine jährliche Wachstumsrate des Unternehmens in Höhe des aktuellen KGVs erwarten. Auf aktuellem Niveau betrage das KGV des DAX rund 14,5. Das heiße, die Unternehmen im DAX seien mit dem 14,5 fachen des Jahresgewinns bewertet. Sei das jetzt teuer? Es entspreche ungefähr knapp dem historischen Mittel von 15,1 - also eher Durchschnitt.

In diesem Schnitt seien auch die exorbitanten Werte aus den Zeiten der Dotcom-Blase enthalten. Damals sei sogar ein KGV von über 30 als noch attraktiv für die Aktienanlage erachtet worden. Aber auch Niveaus von unter 8 aus eher depressiven Phasen seien enthalten. Die Experten würden denken, dass das aktuelle Niveau nicht teuer sei. Im unteren KGV-Bereich stünden für die Anleger die Risiken, die mit der Aktienanlage verbunden seien, im Vordergrund. Im oberen KGV-Bereich zwischen 18 und 20 würden die Marktteilnehmer hingegen vor allem die Chancen sehen. Somit stelle der Durchschnitt nichts anderes als den Übergang von einer tendenziell pessimistischen zu einer optimistischen Sicht auf Aktien dar.

Vergleiche man jedoch die Aktienbewertung mit der Bewertung für Alternativanlagen, allen voran den Zinsanlagen, so erkenne man die relative Attraktivität von Dividendentiteln. Aktuell sei zum Beispiel bei einer fünfjährigen Bundesanleihe überhaupt kein KGV mehr rechenbar, da die Rendite bereits negativ sei (-0,10 Prozent). Binde man sein Geld an eine zehnjährige Anleihe des deutschen Staates, so erziele man eine Rendite von 0,29 Prozent. Im Umkehrschluss akzeptiere man ein KGV von 344 (!). Das heiße, man müsse 344 Jahre lang zu diesem Zinssatz anlegen, damit sich das Investment zurückzahle.

Die Experten würden also sehen, Aktien seien zwar aktuell nicht mehr günstig, aber im historischen Vergleich auch nicht teuer. Zu alternativen Zinsanlagen seien sie jedoch geradezu ein Schnäppchen.

Doch es komme noch besser. In der bisherigen Betrachtung würden die Experten davon ausgehen, dass die Gewinne der Unternehmen konstant bleiben würden, die Experten also im Laufe der Zeit einfach höhere KGVs akzeptieren müssten, wenn die Märkte steigen würden. Die Gründe dafür seien vielfältig, unter anderem würden durch die expansive Geldpolitik der Notenbanken tendenziell alle Vermögenspreise ansteigen.

Was passiere aber, wenn die Unternehmensgewinne auch steigen würden? Sollten die Gewinne der DAX-Unternehmen in diesem Jahr um 20 Prozent zulegen, so könne auch der DAX um 20 Prozent steigen, ohne dass sich das KGV erhöhe. Wenn der deutsche Leitindex im gleichen Fall auf aktuellem Niveau verharrt habe (+15 Prozent seit Jahresbeginn), so habe das sogar bedeutet, dass die Aktien billiger geworden seien, obwohl die Kurse gestiegen seien. Das sei dynamisches Denken!

Die gleichen Effekte könne man in dem durchaus etwas höher bewerteten US-Aktienmarkt beobachten. Seit Frühjahr 2009 habe der marktbreite S&P 500 Index in einer sechs Jahre andauernden Rally um mehr als 200 Prozent zugelegt. Trotzdem befinde sich die rollierende Zehnjahres-Performance von US-Aktien alles andere als auf besorgniserregendem Niveau. Im Gegenteil: Mit aktuell real 5,6 Prozent jährlicher Rendite liege diese Zehnjahres-Durchschnitts-Wertentwicklung immer noch unter dem langjährigen Schnitt von 6,8 Prozent jährlich.

Oder nehmen wir den Technologie-Index NASDAQ, der aktuell fast wieder auf dem Niveau des Jahres 2000 notiert, der berühmt berüchtigten Dotcom-Blase, so die Experten von GECAM. Damals hätten Microsoft, Cisco, Intel, Dell, Oracle, Yahoo und Co. aufgrund der vorherrschenden Euphorie KGVs von 40 bis 130 verzeichnet, im Fall von Yahoo sogar 418. Heute seien die gleichen Unternehmen eher bei KGVs von 13 bis 19 moderat bewertet, obwohl die Kursniveaus wieder die alten Hochs erreicht und wahrscheinlich in Bälde überschritten haben würden.

Aktien seien im historischen Vergleich nicht teuer, aber vor allem im Vergleich zu Zinsanlagen geradezu attraktiv. Nehme man noch die vielen Gewinntreiber hinzu - Weltwirtschaft wachse, billiger Ölpreis, schwacher Euro, wieder Wachstum in der Eurozone, etc. - so würden die Aussichten für die Zukunft sehr rosig bleiben. Auch wenn kurzfristig immer wieder durch plötzlich aufkeimende Ängste irgendwelcher Art, Rücksetzer von 10 oder 15 Prozent einzukalkulieren seien. Der dynamisch denkende Anleger nutze diese jedoch für Käufe. (27.02.2015/fc/a/m)