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Aktienmärkte leicht erholt


11.02.08 12:59
GECAM

Wangen (aktiencheck.de AG) - Die "zittrigen Hände" haben den Markt verlassen - die Hartgesottenen sind geblieben oder kaufen sogar nach; der erste Schock des stärksten Börsenrutsches weltweit nach dem 11. September 2001 ist vorüber, die Aktienmärkte bleiben volatil, haben sich nach den deutlichen Zinssenkungen in den USA (um minus 1,25 Prozentpunkte innerhalb von neun Tagen auf aktuell 3,0 Prozent) aber leicht erholt, so die Experten von GECAM.

Die Krise sei noch nicht vorüber, würden die Auguren warnen, es hänge wohl viel davon ab, wie die Bankbilanzen insgesamt ausfallen würden - einen ersten Lichtblick habe die Deutsche Bank gegeben.

Die Experten sähen hinter den Wolken auch wieder die Sonne, was folgende Gründe habe: Außer der Société Générale und den Hedge-Fonds, die durch ihre Verkaufswelle maßgeblich für den krassen Absturz im Januar gesorgt hätten, verkaufe im Moment offensichtlich niemand mehr in großem Stil. Noch nie hätten Manager der 160 Unternehmen in den deutschen Indices (DAX, MDAX, TecDAX, SDAX) so viele eigene Aktien gekauft wie in den vergangenen Wochen. Das Insider-Barometer habe 133 Käufe registriert.

Die US-Regierung und die US-Notenbank täten im Moment alles, um eine Rezession in den USA nach der Subprime-Krise zu verhindern. Zwar werde das 148-Milliarden-USD-Konsumprogramm nicht alle Wunden heilen. Gemeinsam mit weiteren Leitzinssenkungen - der Markt rechne demnächst mit einem Niveau von 2,25 Prozent - würden die USA aber wohl an der "Politik des billigen Geldes" festhalten. Erst recht im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen wolle niemand für den Niedergang der Wirtschaft verantwortlich sein.

Vieles von dem Geld, das die Hedge-Fonds während der Verkaufsorgie eingenommen hätten, lande zwar bei den Banken, denen sie noch etwas schuldig gewesen seien, d.h. es werde dem Markt entzogen. Allerdings sei die Liquidität dennoch auf geschätzten drei Billionen USD. Für eine lange Baisse seien die realwirtschaftlichen Daten zu gut. Außerdem seien die Märkte keinesfalls überhitzt, was die KGVs zeigen würden.

Die Experten von GECAM rechnen damit, dass die technischen Verkäufe - hervorgerufen durch auslaufende Kredite an große Investoren - in ein bis zwei Monaten abgeschlossen sein werden. Haupt-Fokus liege derzeit auf Growth-Titeln, weil diese auch im Visier der Staatsfonds seien. Zudem sei eine Beimischung von Emerging Markets sinnvoll, allerdings nicht aus den BRIC-Staaten, weil hier das KGV meist nicht mehr im Lot sei.

Der USD-Kurs habe durch die jüngsten Zinsschritte der US-Notenbank wider Erwarten keine großen Bewegungen vollzogen. Das Niveau bleibe hoch, sei für die Europäer aber offensichtlich beherrschbar. Es sei davon auszugehen, dass die EZB ihre starre Haltung gegen eine Zinssenkung nicht ewig aufrechterhalten könne. Der EZB-Schattenrat habe bereits für einen Zinsschritt plädiert, weil er die Wachstumsraten in der Eurozone auf 1,5 Prozent in diesem Jahr heruntergeschraubt habe. Das Niveau von 4,0 Prozent bei den Leitzinsen dürfte also auf absehbare Zeit nicht zu halten sein. Eine Senkung könnte für Entspannung beim Euro/USD-Kurs sorgen.

Noch entscheidender als das Euro/USD-Verhältnis scheine aktuell jedoch das Euro/JPY-Verhältnis bzw. USD/JPY-Verhältnis. Knackpunkt sei, dass der JPY aktuell wieder zur Stärke neige - was die so genannten Carry-Trader (Kreditspekulanten im JPY) zu weiteren JPY-Kredit-Tilgungen und damit zu Zwangsverkäufen auf der Anlageseite zwingen könnte. Dieses Spiel habe sich in den letzten zwei Jahren regelmäßig wiederholt und die Aktienmärkte bisher zwar nur temporär aber nicht unerheblich belastet.

Die Hausse bei den Rohstoffen sei offenbar noch nicht zu Ende. Zwar sei der Ölpreis leicht zurückgegangen, aber er verbleibe mit 90 USD je Barrel doch auf hohem Niveau. Und eine Weltrezession gehe grundsätzlich nicht mit hohen Rohstoffpreisen einher. Alles in allem sei es damit ein gutes Zeichen, dass der Ölpreis nicht ins Bodenlose falle. In Zeiten volatiler Aktienmärkte würden sich die Anleger in Vermögenswerte retten, die man anfassen könne. Es sei also davon auszugehen, dass Edelmetalle wie Gold, Lebensmittel wie Soja oder Mais und eben auch Rohstoffe wie Öl ihre Preisrally fortsetzen würden. Hauptprofiteure seien hier Rohstoffunternehmen und Rohstoffländer, zu denen gerade viele Emerging Market-Staaten zählen würden, daneben auch Länder wie Australien oder Kanada.

Bei einem langfristigen Anlagehorizont habe es sich in den letzten Jahrzehnten bestens bewährt, kurzfristige Marktbereinigungen auszusitzen. In manchen Märkten sei jetzt sogar die Zeit gekommen, um behutsam Schritt für Schritt sein Kapital zu investieren. Vor allem unter dem Gesichtspunkt der Abgeltungssteuer und in Zeiten vergleichsweise hoher Inflationsraten dürften Aktien bzw. Aktienfonds/-dachfonds zu den langfristig wertstabileren Anlageklassen zählen. (11.02.2008/fc/a/m)