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Aktienmarkt: Die Treiber machen Pause
08.05.15 11:47
GECAM
Wangen (www.fondscheck.de) - Bekanntermaßen haben die Aktienmärkte zu Jahresbeginn eine fast noch nie dagewesene Rally hingelegt, so die Experten von GECAM.
Doch könnten die Experten wirklich von Aktienmärkten sprechen? Betrachte man den größten Markt - nämlich die USA - so seien Aktien in diesem Jahr ein Nullsummenspiel. Dynamisch hätten sich also vorwiegend die von den Experten seit geraumer Zeit genannten Favoriten Europa/Deutschland, Japan und China gezeigt. Bei näherer Betrachtung halte sich jedoch auch hier der Enthusiasmus in Grenzen.
Tatsächlich habe der DAX vom Tief im Oktober zum Hoch im April unglaublich scheinende 4.000 Punkte oder fast 50 Prozent zugelegt - seit Jahresanfang in der Spitze 26 Prozent. Nach der aktuell erfolgten Korrektur schmelze diese Super-Rally jedoch auf 15 Prozent zurück. Im Übrigen entspreche das auch dem Zugewinn über fast zwölf Monate. Von Juni 2014 gerechnet habe das deutsche Leitbarometer sogar nur 13 Prozent zugelegt und das in knapp einem Jahr. Sei das wirklich bemerkenswert?
Also nichts Außergewöhnliches, im Gegenteil. Für die Experten sei eher die Ausverkaufsstimmung im Oktober und Dezember 2014 sowie im Januar 2015 sehr skurril, surreal und somit bemerkenswert gewesen. Dass darauf eine zugegebenermaßen dynamische Rally erfolgt sei, sei fast zwangsläufig gewesen. Denn die Treiber des Aktienmarktes hätten dies angezeigt:
Hauptverantwortlich für die Jahresanfangsrally seien der schwache Euro, der halbierte Ölpreis und die Null-/Negativzinsen gewesen. Alle Parameter hätten ihre Abwärtsbewegung seit Juni letzten Jahres dynamisiert, ohne dass die genannten Aktienmärkte nennenswert darauf reagiert hätten. Erst ab dem Tief im Oktober und vor allem im ersten Quartal 2015 hätten Deutschland, Europa, Japan, China & Co. reagiert. Es seien also vor allem rohstoffimportierende Länder mit expansiver Geldpolitik, daraus folgend schwacher Währung und niedrigen Zinsen sowie starker Exportwirtschaft gewesen.
Seit Mitte April würden die "Treiber" nun Pause machen bzw. sogar die Gegenrichtung einschlagen. Der Ölpreis sei von 45 auf 68 Dollar (Brent) gestiegen, der Euro/Dollar-Kurs habe von 1,05 auf 1,13 zum Dollar zugelegt und jüngst seien sogar die Renditen für Staatsanleihen weltweit angestiegen. Mit am stärksten in Deutschland, wo die 10-jährigen Renditen von 0,05 auf 0,80 Prozent zugelegt hätten - und das in elf Tagen! Man spreche sogar von einem kleinen Renten-Crash.
Sei es das jetzt mit der Aktienanlage gewesen? Nein, die Kraft der drei Herzen wirke weiter. Der Ölpreis habe nach Erachten der Experten eine strategische Niveau-Verschiebung vollzogen. Das bedeute, der jahrelang gültige Gleichgewichtspreis über 100 US-Dollar verschiebe sich dauerhaft nach unten - wahrscheinlich irgendwo zwischen 50 und 80 US-Dollar. Die Gründe seien einfach, aber bedeutend. Mit der US-Fracking-Industrie sei ein neuer großer Swing-Produzent entstanden, der bei steigenden Preisen große Mengen Öl produzieren und vor allem schnell und vergleichsweise kostengünstig reagieren könne.
Darüber hinaus verliere das OPEC-Kartell als Angebots-Steuerungs-Instrument immer stärker an Bedeutung, da diverse Länder ihre Angebotselastizität verloren hätten und auf Teufel komm raus Staatseinnahmen aus Öl generieren müssten, egal wo der Preis liege. Zum dritten sorge die Annährung des Westens an den Iran für Fantasie in der Zukunft, wenn das Handelsembargo fiele und ein bedeutender Ölproduzent an die Weltmärkte zurückkehrte. Und nicht zuletzt würden erneuerbare Energien immer mehr an Bedeutung erlangen, was die Abhängigkeit von Öl zumindest verringere. Aus Sicht der Experten sei die jüngste Erholung vor allem spekulationsgetrieben gewesen und sollte auslaufen.
Der Euro erhole sich etwas von seinem Absturz gegenüber dem Dollar von 1,40 auf 1,05 und das solle plötzlich die deutsche Exportindustrie belasten? Die Experten würden davon ausgehen, dass die positiven Effekte einer schwachen Währung auf die Exportindustrie überhaupt noch nicht zu wirken begonnen hätten. Währungssicherungsgeschäfte würden über sechs Monate, meistens jedoch über ein Jahr abgeschlossen, aber auch 2-jährige Absicherungen des Auslandsgeschäftes seien keine Seltenheit (Lufthansa). Viele neue Devisentermingeschäfte würden also erst jetzt oder sogar in der Zukunft neu eingegangen.
Was die Experten aktuell beobachten würden, sei ein recht schneller Anstieg der Gewinnmarge im Auslandsgeschäft mit starken Währungen, die Umsätze jedoch würden bei weitem nicht so stark anziehen. Sei ja auch logisch: Um Preise neu zu kalkulieren und Strategien umzusetzen, die auf Gewinnung von Marktanteilen abzielen würden, würden ein oder zwei Quartale einfach nicht ausreichen. Dies erfordere mehr Zeit und werde strategisch wirken.
Bei Unternehmen, deren Vorleistungsgüter nicht direkt aus Rohstoffen bestünden, sondern aus komplexeren Komponenten, oder die nicht direkt in Dollar einkaufen würden, würden die Effekte aus der Währung und aus günstigen Rohstoffpreisen ohnehin zeitverzögert ankommen. Man sollte sich also nicht wundern, wenn in der aktuellen Berichtssaison noch keine Wunderdinge verkündet würden.
Die den Dollar stärkenden Kräfte seien auf jeden Fall nicht am Ende. Vor allem die schwächelnden US-Konjunkturdaten im ersten Quartal hätten ihre Gründe. Wieder ein extrem harter Winter sowie Hafenarbeiter-Streiks an der Westküste seien singuläre Gründe für weniger Exporte und höhere Lagerhaltung und würden in den kommenden Wochen einen Rückprall-Effekt auslösen. Dann kehre auch die in den Hintergrund getretene Erwartung an steigende Leitzinsen in den USA zurück und die Euro-Erholung neige sich dem Ende zu.
Beim dritten Treiber sei momentan richtig "Dampf im Kessel". Man lese vom stärksten Sell-off der Geschichte, vom Renten-Crash oder von der Verzehnfachung der Rendite (0,05 auf 0,80 Prozent). Gemach könne man da nur sagen, einen Schritt zurück machen und mal betrachten, wie die Entwicklung der Bundesrenditen in den letzten eineinhalb Jahren gewesen sei. Das sei nämlich der wahre "Rendite-Crash" von fast zwei Prozent auf null gewesen. Wenn diese Bewegung um ein Drittel zurückkorrigiere, sei das nur gesund. Und wie die Experten das vom Aktienmarkt kennen würden - Kursrückgänge würden recht schnell und für viele überraschend vonstatten gehen. Aber auch hier gelte: Scharfe Korrekturen seien meist trendbestätigend.
Unsere Notenbank ist erst am Anfang ihres Kaufprogrammes und somit ist die Erwartung vieler großer Anleger aufgegangen, was zu Gewinnmitnahmen einlädt, so die Experten von GECAM. Das bedeute jedoch keine Abkehr vom grundsätzlichen Niedrigzinsumfeld. Dieses sei existentiell für die chronisch überschuldeten Euro-Länder, für eine schwache Währung, und die verzweifelte Stimulation der Konjunktur in reformunfähigen oder unwilligen Ländern. Es sei zu begrüßen, wenn auch am Rentenmarkt wieder ein Mehr an "Markt" Einzug halten würde, der von Angebot und Nachfrage bestimmt werde, somit unter Preisschwankungen leide und nicht von Aufsichtsbehörden und EZB administriert und reguliert werde.
Eine Korrektur in aktueller Form gehöre einfach dazu, ändere aber nichts am Anlagedruck. Insbesondere für institutioneller Anleger, für die sichere Anlagen zum Nulltarif in mittleren Laufzeiten bereits attraktiv seien, um das viele überschüssige Geld zu parken. Aktuell müsse man bei 4-jährigen Bundesanleihen schon nichts mehr draufzahlen - sei doch klasse, oder?
Die Welt habe sich nicht verändert, außer dass einige exzessive Bewegungen etwas relativiert worden seien. Es werde weiterhin eine Welt bleiben, die eine expansive Geldpolitik betreibe und diese sogar noch ausweite (Europa, China, Japan, Australien, u. v. m.), also weiter im Niedrig-Zins-Modus verbleibe, egal ob die US-Notenbank eine Zinserhöhung zu Testzwecken vornehme oder nicht. Eine Welt in der genügend Rohstoffe vorhanden seien, die immer effizienter exploriert werden könnten und wo mehr "Markt" (Bedeutungsverlust der OPEC) vorherrsche. Vor allem aber eine Welt, die weiter wachse - quantitativ (80 Mio. Menschen mehr pro Jahr) und qualitativ (mehr Wohlstand). Knapp vier Prozent Weltwirtschaftswachstum lasse eine gelassen positive Sicht auf die Exportindustrien von Deutschland, Japan, China und deren Aktienmärkte zu. (08.05.2015/fc/a/m)
Doch könnten die Experten wirklich von Aktienmärkten sprechen? Betrachte man den größten Markt - nämlich die USA - so seien Aktien in diesem Jahr ein Nullsummenspiel. Dynamisch hätten sich also vorwiegend die von den Experten seit geraumer Zeit genannten Favoriten Europa/Deutschland, Japan und China gezeigt. Bei näherer Betrachtung halte sich jedoch auch hier der Enthusiasmus in Grenzen.
Tatsächlich habe der DAX vom Tief im Oktober zum Hoch im April unglaublich scheinende 4.000 Punkte oder fast 50 Prozent zugelegt - seit Jahresanfang in der Spitze 26 Prozent. Nach der aktuell erfolgten Korrektur schmelze diese Super-Rally jedoch auf 15 Prozent zurück. Im Übrigen entspreche das auch dem Zugewinn über fast zwölf Monate. Von Juni 2014 gerechnet habe das deutsche Leitbarometer sogar nur 13 Prozent zugelegt und das in knapp einem Jahr. Sei das wirklich bemerkenswert?
Also nichts Außergewöhnliches, im Gegenteil. Für die Experten sei eher die Ausverkaufsstimmung im Oktober und Dezember 2014 sowie im Januar 2015 sehr skurril, surreal und somit bemerkenswert gewesen. Dass darauf eine zugegebenermaßen dynamische Rally erfolgt sei, sei fast zwangsläufig gewesen. Denn die Treiber des Aktienmarktes hätten dies angezeigt:
Hauptverantwortlich für die Jahresanfangsrally seien der schwache Euro, der halbierte Ölpreis und die Null-/Negativzinsen gewesen. Alle Parameter hätten ihre Abwärtsbewegung seit Juni letzten Jahres dynamisiert, ohne dass die genannten Aktienmärkte nennenswert darauf reagiert hätten. Erst ab dem Tief im Oktober und vor allem im ersten Quartal 2015 hätten Deutschland, Europa, Japan, China & Co. reagiert. Es seien also vor allem rohstoffimportierende Länder mit expansiver Geldpolitik, daraus folgend schwacher Währung und niedrigen Zinsen sowie starker Exportwirtschaft gewesen.
Seit Mitte April würden die "Treiber" nun Pause machen bzw. sogar die Gegenrichtung einschlagen. Der Ölpreis sei von 45 auf 68 Dollar (Brent) gestiegen, der Euro/Dollar-Kurs habe von 1,05 auf 1,13 zum Dollar zugelegt und jüngst seien sogar die Renditen für Staatsanleihen weltweit angestiegen. Mit am stärksten in Deutschland, wo die 10-jährigen Renditen von 0,05 auf 0,80 Prozent zugelegt hätten - und das in elf Tagen! Man spreche sogar von einem kleinen Renten-Crash.
Sei es das jetzt mit der Aktienanlage gewesen? Nein, die Kraft der drei Herzen wirke weiter. Der Ölpreis habe nach Erachten der Experten eine strategische Niveau-Verschiebung vollzogen. Das bedeute, der jahrelang gültige Gleichgewichtspreis über 100 US-Dollar verschiebe sich dauerhaft nach unten - wahrscheinlich irgendwo zwischen 50 und 80 US-Dollar. Die Gründe seien einfach, aber bedeutend. Mit der US-Fracking-Industrie sei ein neuer großer Swing-Produzent entstanden, der bei steigenden Preisen große Mengen Öl produzieren und vor allem schnell und vergleichsweise kostengünstig reagieren könne.
Der Euro erhole sich etwas von seinem Absturz gegenüber dem Dollar von 1,40 auf 1,05 und das solle plötzlich die deutsche Exportindustrie belasten? Die Experten würden davon ausgehen, dass die positiven Effekte einer schwachen Währung auf die Exportindustrie überhaupt noch nicht zu wirken begonnen hätten. Währungssicherungsgeschäfte würden über sechs Monate, meistens jedoch über ein Jahr abgeschlossen, aber auch 2-jährige Absicherungen des Auslandsgeschäftes seien keine Seltenheit (Lufthansa). Viele neue Devisentermingeschäfte würden also erst jetzt oder sogar in der Zukunft neu eingegangen.
Was die Experten aktuell beobachten würden, sei ein recht schneller Anstieg der Gewinnmarge im Auslandsgeschäft mit starken Währungen, die Umsätze jedoch würden bei weitem nicht so stark anziehen. Sei ja auch logisch: Um Preise neu zu kalkulieren und Strategien umzusetzen, die auf Gewinnung von Marktanteilen abzielen würden, würden ein oder zwei Quartale einfach nicht ausreichen. Dies erfordere mehr Zeit und werde strategisch wirken.
Bei Unternehmen, deren Vorleistungsgüter nicht direkt aus Rohstoffen bestünden, sondern aus komplexeren Komponenten, oder die nicht direkt in Dollar einkaufen würden, würden die Effekte aus der Währung und aus günstigen Rohstoffpreisen ohnehin zeitverzögert ankommen. Man sollte sich also nicht wundern, wenn in der aktuellen Berichtssaison noch keine Wunderdinge verkündet würden.
Die den Dollar stärkenden Kräfte seien auf jeden Fall nicht am Ende. Vor allem die schwächelnden US-Konjunkturdaten im ersten Quartal hätten ihre Gründe. Wieder ein extrem harter Winter sowie Hafenarbeiter-Streiks an der Westküste seien singuläre Gründe für weniger Exporte und höhere Lagerhaltung und würden in den kommenden Wochen einen Rückprall-Effekt auslösen. Dann kehre auch die in den Hintergrund getretene Erwartung an steigende Leitzinsen in den USA zurück und die Euro-Erholung neige sich dem Ende zu.
Beim dritten Treiber sei momentan richtig "Dampf im Kessel". Man lese vom stärksten Sell-off der Geschichte, vom Renten-Crash oder von der Verzehnfachung der Rendite (0,05 auf 0,80 Prozent). Gemach könne man da nur sagen, einen Schritt zurück machen und mal betrachten, wie die Entwicklung der Bundesrenditen in den letzten eineinhalb Jahren gewesen sei. Das sei nämlich der wahre "Rendite-Crash" von fast zwei Prozent auf null gewesen. Wenn diese Bewegung um ein Drittel zurückkorrigiere, sei das nur gesund. Und wie die Experten das vom Aktienmarkt kennen würden - Kursrückgänge würden recht schnell und für viele überraschend vonstatten gehen. Aber auch hier gelte: Scharfe Korrekturen seien meist trendbestätigend.
Unsere Notenbank ist erst am Anfang ihres Kaufprogrammes und somit ist die Erwartung vieler großer Anleger aufgegangen, was zu Gewinnmitnahmen einlädt, so die Experten von GECAM. Das bedeute jedoch keine Abkehr vom grundsätzlichen Niedrigzinsumfeld. Dieses sei existentiell für die chronisch überschuldeten Euro-Länder, für eine schwache Währung, und die verzweifelte Stimulation der Konjunktur in reformunfähigen oder unwilligen Ländern. Es sei zu begrüßen, wenn auch am Rentenmarkt wieder ein Mehr an "Markt" Einzug halten würde, der von Angebot und Nachfrage bestimmt werde, somit unter Preisschwankungen leide und nicht von Aufsichtsbehörden und EZB administriert und reguliert werde.
Eine Korrektur in aktueller Form gehöre einfach dazu, ändere aber nichts am Anlagedruck. Insbesondere für institutioneller Anleger, für die sichere Anlagen zum Nulltarif in mittleren Laufzeiten bereits attraktiv seien, um das viele überschüssige Geld zu parken. Aktuell müsse man bei 4-jährigen Bundesanleihen schon nichts mehr draufzahlen - sei doch klasse, oder?
Die Welt habe sich nicht verändert, außer dass einige exzessive Bewegungen etwas relativiert worden seien. Es werde weiterhin eine Welt bleiben, die eine expansive Geldpolitik betreibe und diese sogar noch ausweite (Europa, China, Japan, Australien, u. v. m.), also weiter im Niedrig-Zins-Modus verbleibe, egal ob die US-Notenbank eine Zinserhöhung zu Testzwecken vornehme oder nicht. Eine Welt in der genügend Rohstoffe vorhanden seien, die immer effizienter exploriert werden könnten und wo mehr "Markt" (Bedeutungsverlust der OPEC) vorherrsche. Vor allem aber eine Welt, die weiter wachse - quantitativ (80 Mio. Menschen mehr pro Jahr) und qualitativ (mehr Wohlstand). Knapp vier Prozent Weltwirtschaftswachstum lasse eine gelassen positive Sicht auf die Exportindustrien von Deutschland, Japan, China und deren Aktienmärkte zu. (08.05.2015/fc/a/m)


