BKC Aktienfonds: Jahresausblick - Aktien 2020 - Chancen und Risiken


23.12.19 16:00
Bank für Kirche und Caritas

Paderborn (www.fondscheck.de) - André Schettler, CFA, BKC Asset Management, als Senior Portfoliomanager verantwortlich für den BKC Aktienfonds (ISIN DE000A1111H6 / WKN A1111H, I EUR DIS; ISIN DE000A2H5XW0 / WKN A2H5XW, S EUR DIS), gibt einen Überblick auf Chancen und Risiken, die nach seiner Ansicht 2020 die Aktienmärkte bewegen könnten.

Risiko 1: Ende der Divergenz von Aktienmarkt & Realwirtschaft

Die globale Industriesektor stecke in der Krise. Die Einkaufsmanagerindices vieler entwickelter Länder und Regionen (USA, Eurozone, Japan) lägen teils deutlich unter der kritischen Marke von 50 Punkten, was auf einen Abschwung des Sektors hindeute. Während 2017 noch vom globalen, synchronen Wirtschaftsaufschwung die Rede gewesen sei, habe spätestens der Beginn der Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und dem Rest der Welt, allen voran China, den Beginn einer Trendwende zum Negativen markiert.

Eine Entwicklung, die sich 2019 noch verschärft und mittlerweile auch den bis dahin vom Konsum getriebenen Dienstleistungssektor erreicht habe. Auch für die Exportnation Deutschland sehe es gemessen am ifo-Geschäftsklimaindex düster aus. Nicht nur, dass die aktuelle wirtschaftliche Lage mit einem Wert von 97,9 Punkten von den Unternehmen in der Tendenz eher negativ eingeschätzt werde (Werte unter 100). Der Wert für die Erwartungen in den kommenden Monaten (92,1) lasse auf eine weitere deutliche Verschlechterung der Situation schließen.

Während anhand einer Reihe von vor- und gleichlaufenden Indikatoren seit geraumer Zeit eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage ablesbar sei, würden die Aktienmärkte von einem Hoch zum Nächsten steigen. Im Wesentlichen sei dies nur mit der anhaltenden Unterstützung seitens der Geldpolitik zu erklären und der Erwartung, dass die Notenbanken im Falle eines drohenden Einbruchs / parat stehen würden, um die Aktienmärkte zu stützen. Sollten Anleger allerdings den Glauben an die Zentralbanken verlieren und sich den wirtschaftlichen Realitäten stellen, könnte sich das Potenzial einer größeren Marktkorrektur als enorm erweisen.

Risiko 2: Rückkehr der Volatilität

2019 sei nicht nur ein sehr erfolgreiches Jahr für die meisten Aktienanleger gewesen, es sei auch ein verhältnismäßig ruhiges Jahr gewesen. Die mehr als 24% Kursgewinn im S&P500, zum Beispiel, seien nur durch zwei eher kurze Phasen von Kursrückgängen unterbrochen worden.

Bezogen auf den sogenannten Minsky-Effekt ließe sich argumentieren: "Stabilität führt zu Instabilität." Das vermeintlich gesunkene/reduzierte Risiko und hohe zurückliegende Renditen würden dazu führen, dass Anleger sich der Anlageklasse Aktien widmen würden, die in Zeiten eines rentierlichen Zinsniveaus hierzu keinen Anlass gesehen hätten und die auch nicht die notwendige Risikotragfähigkeit mitbringen würden. Es bestehe die Gefahr einer gewissen Selbstzufriedenheit oder Selbstüberschätzung unter den Anlegern.

Die derzeit vorherrschende Euphorie könnte im kommenden Jahr durch Gewinnmitnahmen und stärker als erwartet ausfallende Verluste schnell zu einer Beschleunigung des Abwärtstrends führen und dadurch einen Dominoeffekt auslösen.

Risiko 3: Bewertungen würden wieder relevant

Gehe man davon aus, dass das jeweils vorherrschende Bewertungsniveau des Aktienmarkts einen hohen Zusammenhang mit den erzielbaren Aktienrenditen der kommenden Jahre aufweise, müsse man konstatieren (sei es unverkennbar), dass das heutige Bewertungsumfeld keinen guten Einstiegszeitpunkt darstelle.

Es sei fast egal, welche Bewertungskennzahl man zu Rate ziehe: Das Kurs/Umsatz-Verhältnis, Kurs/Cashflow-Verhältnis, das Shiller P/E, den Buffet Indikator, das Verhältnis Aktienindex zu Gold - alle Indikatoren würden nahe ihrem bis dahin erzielten Allzeithoch oder mittlerweile sogar darüber bewegen.

Tatsächlich würden die Entwicklungen der letzten Monate und Jahre stark jenen der zur Jahrtausendwende ähneln, welche später zum Platzen der Dot.com-Blase geführt hätten und zum Beispiel den US-Aktienmarkt um fast 50% hätten korrigieren lassen. Kaum eine makroökonomische Kennzahl oder ein konjunktureller Frühindikator habe diese Entwicklung auch nur erahnen lassen.

Wie heute seien in den USA das Verbrauchervertrauen hoch und die Stimmung unter den Konsumenten gut gewesen, die Arbeitslosenzahl niedrig, der Stellenaufbau solide. Anders als heute sei sogar die Industrieproduktion deutlich gewachsen. Es sei also nicht die Börse, die der Wirtschaft folge. Vielmehr sei es die Börse, die die Entwicklung der Konjunktur maßgeblich beeinflussen könne. Wachse auf dem Parkett die Verunsicherung, wirke sich dies auf die Kauflaune der Konsumenten und die Investitionsfreude der Unternehmen aus. Die Auslöser dafür könnten mannigfaltig und müssten nicht zwangsläufig konjunkturellen Ursprungs sein.

Im Gegensatz zum Jahr 2000 seien die aktuell festzustellenden Überbewertungen allerdings nicht nur auf ein besonderes Segment innerhalb des Aktienmarkts (Technologie & Telekommunikation) begrenzt, sondern würden sich fast in jeden Sektor erstrecken und seien auch in anderen Anlageklassen, wie Immobilien und Anleihen, klar ablesbar. Dazu geselle sich eine Rekordverschuldung bei Unternehmen und Staaten, die das Ausmaß einer möglichen Korrektur nur noch erhöhen würden.

Chance 1: Die Rückkehr der "Mean-Reversion"

Längst nicht alle Unternehmen und Aktien hätten von der seit über zehn Jahren und bis heute andauernden Hausse gleichermaßen profitiert. Mittlerweile seien die Bewertungsunterschiede zwischen vielen Regionen (z.B. USA vs. Europa), Sektoren (z.B. Technologie vs. Industrie) aber auch Anlagestilen (z.B. Momentum vs. Value) enorm. Statistisch gesehen handele es sich um Unterschiede im Bereich von 1,5 bis 2 Standardabweichungen zum Durchschnitt und damit eher seltenen Ausnahmen.

Bei einer möglichen Korrektur sei anzunehmen, dass Anleger, um Gewinne zu realisieren eher dazu geneigt seien, die Unternehmen vorrangig zu veräußern, die in der Vergangenheit ein hohes Kurswachstum erzielt hätten. Ein ähnliches Verhalten habe zum Beispiel während des Platzens der Dot.com-Blase gut beobachtet werden können. Die damalige Kurskorrektur sei im Wesentlichen von nur zwei Sektoren begründet worden: Technologie und Telekommunikation. Wer dem Hype und den Verlockungen widerstanden habe und nicht in diesen damals hoch bewerteten Sektoren investiert gewesen sei, habe große Chancen gehabt, den Gesamtmarkt deutlich zu schlagen.

Länderseitig können wir heute ein ähnliches Phänomen beobachten, so die Analysten der Bank für Kirche und Caritas. So sei die weltweit gemessene positive Aktienperformance besonders auf ein Land zurückzuführen: die USA. Der Länderindex sei seit März 2009 fast doppelt so stark angestiegen wie der vieler anderer Länder und Regionen. Eine Dynamik die sich mit der Wahl Donald Trumps 2016 verstärkt habe. Ob die daraus resultierten Bewertungsunterschiede gerechtfertigt seien, werde sich noch zeigen.

Eine erste Indikation könnte das vierte Quartal 2018 gewesen sein. Hier hätten die weltweiten Aktienmärkte zuletzt eine stärkere Korrektur (größer als 10%) verzeichnet und tatsächlich sei es der S&P500 aus den USA gewesen, der am stärksten an Wert verloren habe (im Vergleich der Länder-/Regionen-Indices von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweiz, Australien, Japan, USA, Kanada, Europa & Emerging Markets).

Die Erfahrungen aus der Vergangenheit würden also nahelegen, dass hoch bewertete Aktien bei nervösen Börsen das größte Verlustpotenzial bieten würden. Gleichzeitig werde unter diesen Bedingungen aktives (Risiko-) Management belohnt, wenn zuvor bewusst entgegen dem Konsens Abstand von solchen Werten gehalten worden sei.

Chance 2: Ende des Handelsstreits und Lösung beim Brexit

Unsicherheit sei einer der negativsten Einflussfaktoren, wenn es um die Entwicklung des Aktienmarktes gehe. Eine Lösung im Handelsstreit zwischen den USA und China, aber auch zwischen den USA und Europa oder den USA und den lateinamerikanischen Ländern, habe sicherlich das Potenzial, die Risikofreude an den Märkten weiter zu fördern. Immerhin hätten konkrete (alternativ: substanzielle) Abkommen mit konkreten Zahlen auch direkten Einfluss auf die GuV der jeweiligen Unternehmen. Je nachdem wie hoch (oder niedrig) Zölle im Vergleich zum Status Quo ausfallen und welche Bereiche sie betreffen würden, könnten vor allem Unternehmen aus exportorientierten Nationen wie Deutschland, Japan oder China von den Entwicklungen profitieren.

Gleiches gelte sicherlich für den Brexit, wenngleich eine Lösung der zwischenzeitlich festgefahrenen Situation regional und sektoral stärker begrenzt sein werde.

Chance 3: Zusätzliche monetäre und fiskalische Unterstützung

Für viele Investoren sei dies derzeit das wichtigste, wenn nicht gar einzige Argument zur Erklärung des außergewöhnlich guten Abschneidens der Aktienanlage: Die expansive Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken und das damit einhergehende Niedrig- bzw. Negativzinsumfeld.

Wie sonst lasse es sich erklären, dass in einer Zeit der Handelskonflikte zwischen größten Wirtschaftsnationen der Welt, einer beinahe-Rezession Deutschlands, einem global rückläufigen Industriesektor, dem Brexit und geopolitischer Krisen inklusive ausgerufenem Klimanotstand, die Aktienmärkte von einem Rekordhoch zum nächsten jagen würden?

Aktien seien auf der Suche nach Rendite alternativlos, so der Konsens. Tatsächlich sei es gelungen, den Notenbanken in der Vergangenheit durch ihre diversen, teils unkonventionellen Maßnahmen größere Kursrückschläge zu verhindern. Hieraus folge schließlich die Überzeugung der Anleger, dass die Notenbanken einen Boden gegenüber größeren Kursverlusten bieten würden. Solange dieses Vertrauen aufrecht gehalten werden könne, seien weitere Kursanstiege durchaus denkbar, eine Obergrenze gebe es faktisch nicht. Geldpolitisch könnten z.B. die FED und die EZB der japanischen Notenbank folgen und neben Anleihen- auch breit angelegte Aktienankaufprogramme etablieren.

Auch fiskalisch sei in den USA und Europa noch viel Luft nach oben, wenn man Japan als Vorbild betrachte. Größere Konjunkturprogramme oder Subventionsmaßnahmen könnten helfen, Nachfrage zu generieren und die Wirtschaft und gegebenenfalls auch den Aktienmarkt am Laufen zu halten. Die von einigen Teilen der Wirtschaft und Politik geäußerte Forderung, Deutschland möge sich von seiner Politik der "schwarzen Null" lösen oder der angekündigte "Green New Deal" seitens der EU, seien klare Anzeichen, dass man einer drohenden Rezession nicht tatenlos zusehen werde.

Zu beachten sei jedoch, dass vorsätzliche Markteingriffe und das Aushebeln eines durch Angebot und Nachfrage bestimmten Wirtschaftssystem langfristig meist negative Implikationen mit sich bringen würden und Probleme in der Regel nur betäube, aber nicht löse. (23.12.2019/fc/a/f)





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