BKC Treuhand Portfolio: Jahresausblick 2020 - Warnung vor dem "One-Trick-Pony"


16.12.19 14:00
Bank für Kirche und Caritas

Paderborn (www.fondscheck.de) - Bernhard Matthes, CFA, Bereichsleiter Asset Management bei der Bank für Kirche und Caritas (BKC), Manager des BKC Treuhand Portfolios, gibt einen Ausblick auf das, was nach seiner Ansicht 2020 an den Kapitalmärkten und für Anleger zu erwarten ist.

1. Welche Herausforderungen bringe das Jahr 2020 für das Portfoliomanagement? Welche Chancen?

Die Experten würden dem Grundsatz "Fakten statt Meinungen" folgen und sich im Investmentprozess ungern abhängig vom Eintreten bestimmter Prognosen oder Szenarien machen. Die Experten würden jedoch davon ausgehen, dass sich die ultralockere Notenbanken-Politik auch im kommenden Jahr erhalten bleiben werde.

Die EZB-Politik der letzten Jahre habe den Märkten trotz fortschreitender "Japanisierung" der Eurozone noch "sieben fette Jahre" beschert. Diese Erträge seien aber aus der Zukunft geborgt. Künftig werde man sich daher auf eher magere Jahre einstellen müssen.

Da Zinssenkungen und QE-Programme an Grenzen stoßen würden, würden schwerere, bislang unerprobte geldpolitische Geschütze aufgefahren werden müssen. Beunruhigend seien in diesem Kontext die aktuellen Überlegungen von Christine Lagarde, die Geldpolitik noch weiter über das Mandate hinaus zu missbrauchen, etwa um "Klimaschutz" oder "Ungleichheit" zu adressieren.

2. Mit welchen Strategien könnten Anleger trotz Null- bzw. Negativzinsen und einer repressiven Geldpolitik der EZB Erträge erwirtschaften?

Der widernatürliche Zustand negativer Zinsen könne nur unter dem planwirtschaftlichen Eingriff einer Planungsbehörde eintreten. Negativzinsen stünden nicht nur Logik und Vernunft, sondern auch Eigentumsrechten entgegen und würden mit ihren Folgewirkungen das Funktionieren und die Akzeptanz der freien Marktwirtschaft gefährden.

Die Experten würden mit disziplinierten, regelbasierten Prozessen versuchen, ihre Anleger vor Negativzinsen abzuschirmen. Ihre Investmentphilosophie entspringe grundsätzlich sehr stark dem Value-Gedanken. Prinzipien des Value-Investings würden sie in allen Anlageklassen anwenden. Beispielsweise würden sie im Rentenportfolio keine negativen Realrenditen erwerben und hätten hohe Mindestanforderungen in der Aktienselektion.

Im Bereich gemischter Anlagestrategien würden die Experten vor dem warnen, was sie die "One Trick Pony" Mischfonds nennen würden: Jene Fonds, bei denen das Rentenportfolio eine Endfälligkeitsrendite von nahezu Null, meist bei einer Duration von unter zwei Jahren, aufweise und die auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen seien, dass die Aktienseite laufe. Sobald die Aktienseite nicht laufe, stehe das ganze Geschäftsmodell infrage.

Intelligentere und robustere Ansätze seien Multi-Asset-Portfolien - angelegt als Multi-Risikoprämien-Portfolien - die über aus "nur Aktien/Renten" gewachsene Monokulturen hinausgehen würden. Marktunabhängige Risikoprämien seien aus Diversifizierungsgründen wichtig und würden aktuell Bedeutung gewinnen, da die traditionellen Risikoarten - Zinsrisiko und Aktienrisiko - teuer und schlecht kompensiert seien. Mischfonds, die z.B. auch auf Absolute Return Strategien, Cat Bonds, Edelmetalle oder andere alternative Bausteine setzen würden, würden in den kommenden Jahren bessere Voraussetzungen haben, um angemessene Risikoprämien ernten zu können.

3. Welche Rolle könnten in diesem Marktumfeld Investitionen außerhalb der Eurozone spielen?

Tatsächlich würden die Experten heute in einigen Schwellenländern im Vergleich zur Eurozone vielfach "freiere" Märkte finden, in denen Notenbanken Zins und Währung nicht manipulieren würden, sondern die Preisbildung Angebot und Nachfrage folge und Notenbanken teils sogar unabhängiger erscheinen. Jede Jurisdiktion, in der Privateigentum und Rechtsstaatlichkeit strukturell stark honoriert würden, sei für die kommenden Jahre bei sonst gleichwertiger investmenttheoretischer Eignung vorzuziehen.

Fremdwährungen seien ein sinnvoller und notwendiger Portfoliobestandteil, wenn die inländische Währung unter Abwertungsdruck gebracht werde. Seit Jahresbeginn hätten Investoren beispielsweise in Anleihen, die in Russischem Rubel, Peruanischen Sol, oder Mexikanischem Peso denominiert seien, nicht nur einen höheren laufen Zinsertrag vereinnahmen, sondern zugleich auch von der Aufwertung der Währung profitieren können.

4. Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union werde nun wahrscheinlich 31.01.2010 stattfinden. Welchen Einfluss könne der Brexit im neuen Jahr auf die Märkte haben?

Als Value-Investor sei für die Experten unübersehbar, dass im Vereinigten Königreich nahezu alle Anlageklassen vielfach noch akzeptable oder gar günstige Bewertungen aufweisen würden. Im Zuge der Brexit-Unsicherheiten seien UK-Assets gemieden und unterinvestiert gewesen. Solche Opportunitäten seien für Investoren, die die Bereitschaft zum konträren, antizyklischen Handeln mitbringen würden, wertvoll. Zudem handle das Pfund trotz des jüngsten fulminanten Anstiegs noch immer auf einem attraktiven Bewertungsniveau.

Nach Ansicht der Experten könnte das Vereinigte Königreich mit künftig deutlich weniger Regulierung und geringerer Besteuerung Standortvorteile aufweisen, die viele Brexit-Nachteile aufwiegen und eine ganz eigene Investitionsdynamik entfalten würden. Kapital fließe langfristig immer dorthin, wo es willkommen sei und gut behandelt werde. Daher würden die Experten den Austritt mittel- bis langfristig für das Vereinigte Königreich als exzellente Chance sehen. Die Rally in UK-Assets könne daher auch in das Jahr 2020 weiter laufen.

5. Welches Asset dürfe 2020 nicht im Portfolio fehlen?

Eine konstruktiven Goldquote innerhalb der Gesamtvermögensallokation diene als Selbstverteidigungsinstrument gegen staatliche Willkür und gegen finanzielle Repression. Der von den Notenbanken ausgelöste Rausch des billigen Geldes bringe den Außenwert des Euro unter Druck und verwässere den inneren Wert die Währung über willkürliche Geldmengenausweitung.

Die Experten würden Gold nicht als Rohstoff, sondern als Währung und Bargeldsubstitut verstehen, welches Negativzinsen vermeide. Es diene darüber hinaus als Portfolioversicherung gegen Krisen, Inflation und systemische Instabilität, die es aus über 2.000 Jahren hinweg akkumuliertem Vertrauenskapital ziehe.

Die Edelmetallquote im Mischfonds BKC Treuhand Portfolio liege aktuell mit ca. 9% fast auf dem gleichen Niveau wie Aktien, die die Experten bei taktisch 10% derzeit untergewichten würden.

6. Der Trend zu nachhaltigem Investment und der ESG-Konformität von Anlageprodukten werde auch im kommenden Jahr eines der wichtigen Themen sein. Wie könnten ESG-Kriterien als positives Instrument im Risk Management genutzt werden?

Nachhaltige Geldanlange sei im Mainstream angekommen - die Experten würden davon ausgehen, dass die Nachfrage auch 2020 steigen werde. Für sie sei eine ethisch-nachhaltige Geldanlage zunächst Ausdruck einer christlichen Wertorientierung. Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien im Investitionsprozess ermittle aber auch potenzielle Risikofelder und schirme das Portfolio vor ungünstigen Risiken ab. Eine ESG-Integration ermögliche als zusätzliches Instrument des Risikomanagements eine sinnvolle Risikoprävention. (16.12.2019/fc/a/f)






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