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Baumwolle vor großer Korrektur?
22.05.09 09:35
Rohstoff-Trader
Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Die Baumwolle-Notierungen verzeichneten in der zweiten Jahreshälfte 2008 - wie viele andere Rohstoffe auch - herbe Kursverluste, so die Experten vom "Rohstoff-Trader".
Nach einer technischen Erholung zum Jahreswechsel seien die Notierungen ab Februar erneut unter erkennbaren Abgabedruck geraten. Seit Anfang März jedoch befinde sich der Markt im Aufwind und habe ausgehend von seinen Tiefs zwischenzeitlich mehr als 30 Prozent zulegen können. Gehe die "Rally" weiter oder komme es in Bälde zu einer großen Korrektur?
Flankiert worden sei die Verteuerung von der Erkenntnis, dass die Angebotssituation nicht mehr ganz so erdrückend sei wie in den Jahren zuvor. Wie das US-Landwirtschaftsministerium kürzlich habe verlauten lassen, sollten die Endbestände in der Saison 2009/10 auf 5,6 Millionen Ballen zurückgehen. Hieraus errechne sich ein Ending Stock to Use Ratio von 39 Prozent. Kein Zweifel: Dieser Wert sei immer noch recht komfortabel, liege auf der anderen Seite jedoch signifikant unter den Höchstniveaus 2007 und 2008 von 53 bzw. 55 Prozent.
Auf globaler Ebene würden die Experten einen Rückgang der Vorräte von 62 auf 58 Millionen Ballen sehen, was 51 Prozent des jährlichen Verbrauchs entspreche. Mangel an Baumwolle werde daher bis auf weiteres ganz sicher nicht bestehen. Allerdings könne festgehalten werden, dass sich die Angebotssituation doch sichtbar entspannt habe.
Zudem scheine das "letzte Wort" in Sachen Ending Stocks noch nicht gesprochen zu sein. Für die Saison 2009/10 würden die amerikanischen Experten eine Inlands-Produktion von 13,25 Millionen Ballen erwarten. Gegenüber dem Output in der noch bis zum 31. Mai laufenden 2008/09er Saison von voraussichtlich 12,8 Millionen Ballen bedeute das einen Zuwachs, obwohl die Anbaufläche nicht wesentlich gestiegen sei. Bedenkt man ferner, dass zum 18. Mai erst 42 Prozent der neuen Saat ausgebracht worden sei (der fünfjährige Durchschnitt zu diesem Zeitpunkt bewege sich bei 53 Prozent), sei eine nochmalige Reduzierung der Lagerbestände nicht auszuschließen. Je nachdem ob und in welchem Umfang eine solche erfolge, könnte das den Preisen einen weiteren Aufwärtsschub verleihen.
Das Hauptproblem amerikanischer Baumwolle in den zurückliegenden Jahren sei der stetig sinkende Verbrauch in den Vereinigten Staaten gewesen. Die dortige Textilindustrie schaffe es schlicht und ergreifend nicht mehr, sich gegen die asiatische Billiglohn-Konkurrenz zu behaupten. Umso verwunderlicher sei es, dass der Verbrauch im März annualisiert von 3,09 auf 3,14 Millionen Ballen gestiegen sei. Sicherlich wäre es verfrüht von einer generellen Trendwende zu sprechen. Aber einen Boden könnte die Inlandsnachfrage in den Vereinigten Staaten möglicherweise ausgebildet haben.
Hinsichtlich der Exporte herrsche beim US-Landwirtschaftsministerium ebenfalls alles andere als Optimismus vor. Für das gesamte Wirtschaftjahr prognostiziere man ein Minus von stattlichen acht Prozent. Bislang jedoch seien die Ausfuhren um ein Prozent gestiegen. Von daher sei es also durchaus möglich, dass die Nachfrageseite zur Stunde etwas unterschätzt werde. Insgesamt stelle sich die fundamentale Situation bei Baumwolle somit nicht mehr so bärisch wie in den Vorjahren sondern sogar moderat bullish dar.
Nichtsdestotrotz sollten Anleger bei Long-Engagements ein beträchtliches Maß an Vorsicht walten lassen. Immerhin spreche die Saisonalität klar für demnächst erfolgende Rücksetzer. Sein Jahreshoch bilde Baumwolle regelmäßig Mitte Mai aus. Im Anschluss gehe es bis Mitte August abwärts. Tendenziell sei der saisonale Preisverlauf bei Baumwolle stark ausgeprägt, so dass dieses Analyse-Instrument nicht unterschätzt werden dürfe. Bezeichnenderweise sei es zuletzt auch schon zu entsprechenden Kursrückgängen gekommen.
Technisch präsentiere sich Baumwolle derzeit nach den angesprochenen Rücksetzern etwas angeschlagen, wenngleich der Abwärtstrend seit Sommer letzten Jahres "Geschichte" sei und sogar der neue Aufwärtstrend seit Anfang März 2009 noch knapp intakt sei. Letzteres dürfte sich aber schon bald ändern. Sowohl der MACD als auch die Stochastik würden gegenwärtig ein Verkaufssignal generieren und auch der RSI sei im Fallen begriffen und nur noch marginal im bullishen Bereich über 50 angesiedelt.
Werde der Aufwärtstrend demnächst gebrochen (wovon die Experten mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgehen würden), dürfte der Markt seine wichtige Unterstützung bei etwa 52 US-Cents testen. Halte diese nicht, würden Anschlussabgaben bis 48 US-Cents drohen. Tiefer dürfte es aufgrund des Fundamentals eher nicht gehen. Long-Engagements sollten Anleger derzeit in jedem Fall unterlassen. Spekulationen auf fallende Kurse könnten sich hingegen kurz- bis mittelfristig lohnen, auch wenn die Gewinnerwartungen angesichts der Angebots-Nachfrage-Situation nicht allzu hoch angesetzt werden sollten. (22.05.2009/ac/a/m)
Nach einer technischen Erholung zum Jahreswechsel seien die Notierungen ab Februar erneut unter erkennbaren Abgabedruck geraten. Seit Anfang März jedoch befinde sich der Markt im Aufwind und habe ausgehend von seinen Tiefs zwischenzeitlich mehr als 30 Prozent zulegen können. Gehe die "Rally" weiter oder komme es in Bälde zu einer großen Korrektur?
Flankiert worden sei die Verteuerung von der Erkenntnis, dass die Angebotssituation nicht mehr ganz so erdrückend sei wie in den Jahren zuvor. Wie das US-Landwirtschaftsministerium kürzlich habe verlauten lassen, sollten die Endbestände in der Saison 2009/10 auf 5,6 Millionen Ballen zurückgehen. Hieraus errechne sich ein Ending Stock to Use Ratio von 39 Prozent. Kein Zweifel: Dieser Wert sei immer noch recht komfortabel, liege auf der anderen Seite jedoch signifikant unter den Höchstniveaus 2007 und 2008 von 53 bzw. 55 Prozent.
Auf globaler Ebene würden die Experten einen Rückgang der Vorräte von 62 auf 58 Millionen Ballen sehen, was 51 Prozent des jährlichen Verbrauchs entspreche. Mangel an Baumwolle werde daher bis auf weiteres ganz sicher nicht bestehen. Allerdings könne festgehalten werden, dass sich die Angebotssituation doch sichtbar entspannt habe.
Das Hauptproblem amerikanischer Baumwolle in den zurückliegenden Jahren sei der stetig sinkende Verbrauch in den Vereinigten Staaten gewesen. Die dortige Textilindustrie schaffe es schlicht und ergreifend nicht mehr, sich gegen die asiatische Billiglohn-Konkurrenz zu behaupten. Umso verwunderlicher sei es, dass der Verbrauch im März annualisiert von 3,09 auf 3,14 Millionen Ballen gestiegen sei. Sicherlich wäre es verfrüht von einer generellen Trendwende zu sprechen. Aber einen Boden könnte die Inlandsnachfrage in den Vereinigten Staaten möglicherweise ausgebildet haben.
Hinsichtlich der Exporte herrsche beim US-Landwirtschaftsministerium ebenfalls alles andere als Optimismus vor. Für das gesamte Wirtschaftjahr prognostiziere man ein Minus von stattlichen acht Prozent. Bislang jedoch seien die Ausfuhren um ein Prozent gestiegen. Von daher sei es also durchaus möglich, dass die Nachfrageseite zur Stunde etwas unterschätzt werde. Insgesamt stelle sich die fundamentale Situation bei Baumwolle somit nicht mehr so bärisch wie in den Vorjahren sondern sogar moderat bullish dar.
Nichtsdestotrotz sollten Anleger bei Long-Engagements ein beträchtliches Maß an Vorsicht walten lassen. Immerhin spreche die Saisonalität klar für demnächst erfolgende Rücksetzer. Sein Jahreshoch bilde Baumwolle regelmäßig Mitte Mai aus. Im Anschluss gehe es bis Mitte August abwärts. Tendenziell sei der saisonale Preisverlauf bei Baumwolle stark ausgeprägt, so dass dieses Analyse-Instrument nicht unterschätzt werden dürfe. Bezeichnenderweise sei es zuletzt auch schon zu entsprechenden Kursrückgängen gekommen.
Technisch präsentiere sich Baumwolle derzeit nach den angesprochenen Rücksetzern etwas angeschlagen, wenngleich der Abwärtstrend seit Sommer letzten Jahres "Geschichte" sei und sogar der neue Aufwärtstrend seit Anfang März 2009 noch knapp intakt sei. Letzteres dürfte sich aber schon bald ändern. Sowohl der MACD als auch die Stochastik würden gegenwärtig ein Verkaufssignal generieren und auch der RSI sei im Fallen begriffen und nur noch marginal im bullishen Bereich über 50 angesiedelt.
Werde der Aufwärtstrend demnächst gebrochen (wovon die Experten mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgehen würden), dürfte der Markt seine wichtige Unterstützung bei etwa 52 US-Cents testen. Halte diese nicht, würden Anschlussabgaben bis 48 US-Cents drohen. Tiefer dürfte es aufgrund des Fundamentals eher nicht gehen. Long-Engagements sollten Anleger derzeit in jedem Fall unterlassen. Spekulationen auf fallende Kurse könnten sich hingegen kurz- bis mittelfristig lohnen, auch wenn die Gewinnerwartungen angesichts der Angebots-Nachfrage-Situation nicht allzu hoch angesetzt werden sollten. (22.05.2009/ac/a/m)


