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Brex in!
09.03.16 10:50
Financière de l´Echiquier
Paris (www.fondscheck.de) - Wir schreiben den 23. Juni 2016. Die Briten haben sich gerade für den Austritt aus der Europäischen Union ausgesprochen, so Didier Le Menestrel, Chairman von La Financière de lEchiquier.
Nach wochenlangen leidenschaftlichen Debatten sei der berühmte "Brexit" Realität geworden. Man sei weit von dem angekündigten Jubel entfernt: In den Londoner Straßen gehe es gewohnt geschäftig zu, aber auch nicht mehr. Es gebe Siege, die einen bitteren Beigeschmack hätten. Beiderseits des Ärmelkanals schaue keiner über seinen Tellerrand hinaus. Zehntausende kluge französische Köpfe - Finanzflüchtlinge - würden damit beginnen, sich eine neue steuerlich oder beruflich annehmbare Bleibe zu suchen. Der Pariser Immobilienmarkt zittere.
In Luxemburg dagegen würden die Champagnerkorken knallen. Und zwar nicht nur, weil der 23. Juni Nationalfeiertag sei. Nein, gefeiert werde vor allem das fortwährende Wirtschaftswunder eines kleinen Landes mit etwas mehr als 300.000 Einwohnern, das plötzlich durch die Aussicht auf britische Manager gestärkt werde, die gezwungen seien, ihr gesamtes Know-how in der Vermögensverwaltung über das Großherzogtum zu verkaufen.
Dieser kleine Science-Fiction-Exkurs habe bereits begonnen, die Fantasie der Leitartikler anzuregen. In den nächsten Wochen werde man zweifellos mehr davon hören, je näher der Countdown rücke.
Die Marktakteure dagegen würden keine großen Worte sprechen, seien aber stets zum Handeln bereit und würden schon heute nicht zögern, auf den unsicheren Ausgang des Referendums zu verweisen, um damit ihr schwankendes Verhalten teilweise zu rechtfertigen. Dies sei ein weiteres Element, das die Misstöne an den Finanzmärkten verstärke.
In diesem letzten Punkt möchten die Experten darauf hinweisen, dass die aktuelle Volatilität nicht außergewöhnlich sei. Die Marktteilnehmer seien versessen auf diese ständige Instabilität und zahlreiche Produkte würden leben und sich allein vom Preis der Vermögenswerte nähren. In einem weltweiten wirtschaftlichen Umfeld, in dem das Wachstum dauerhaft unter drei Prozent liegen werde und in dem den Wirtschaftslokomotiven der letzten Jahre - China, erdölfördernde Länder und Schwellenländer - die Luft ausgehe, würden Zweifel und Ängste im Handumdrehen an die Stelle von Optimismus und Anlegerlaune treten.
Eine solche Marktkonstellation, bei der die Akteure nicht mehr wissen würden, für welche Anlageklasse sie sich entscheiden sollten, sei nicht selten in der Wirtschafts- und Börsengeschichte. Die Inflation der 1970er Jahre, die Finanzexzesse in den 1980er Jahren oder die geldpolitischen Strategien des folgenden Jahrzehnts hätten bei Investoren - je nachdem, wie die von allen Seiten verbreiteten alarmierenden Nachrichten gelautet hätten - für mehr als eine unruhige Nacht gesorgt.
Die dauerhafte Realität habe jedoch anders ausgesehen: Der beständige Rückgang der Zinssätze, die weltweit steigende Zahl an Konsumenten, der freie Güter- und Personenverkehr seien der Anlass für äußerst angsteinflößende Szenarien gewesen.
Letztendlich habe das Geschehen an den Märkten nur wenig Bedeutung und die hier umherschwirrenden Meldungen seien oftmals irreführend. Es seien nicht die möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen eines Austritts aus der Europäischen Union, die beunruhigend seien, sondern vielmehr die Symbolkraft, die ein solcher möglicher Brexit habe. Ein wirkungsvoller Wirtschaftsliberalismus brauche Frieden, Stabilität und einen unbehinderten Verkehr von Menschen und Gütern. Der weltweit zunehmende Nationalismus und der Versuch, sich auf sich selbst zu besinnen, dürften sich nicht auf das überzeugende Vorbild eines Volkes berufen, das in der Vergangenheit für seinen Pragmatismus und seine Fähigkeit anerkannt gewesen sei, schwierige Entscheidungen zu treffen.
Gestehen wir unseren britischen Freunden diese in Europa einmalige Besonnenheit zu, die für sie geltenden Regeln infrage zu stellen, so Didier Le Menestrel. Die Tatsache, dass durch dieses Referendum die Mängel an der derzeitigen Organisation der Europäischen Union in den Mittelpunkt gerückt würden (Definition der Grenzen, Haushalt, Regulierung), bringe allen etwas, sofern Einigkeit in Bezug auf folgende wesentlichen Punkte bestehe: "Der Beitrag, den ein organisiertes und lebendiges Europa für die Zivilisation leisten kann, ist unerlässlich für die Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen."
Das Vereinigte Königreich ist ein Freund, dem wir nicht gerne allzu oft begegnen, da er die Gabe hat, uns unverblümt die Wahrheit ins Gesicht zu sagen, so Didier Le Menestrel. Sicherlich ein lästiger Freund, den es Jahr für Jahr zu ertragen gelte. Aber man nenne ihn weiter "Freund" und fordere ihn auf, sich an den Tisch zu setzen, denn man wisse im Innersten, dass man ohne ihn nicht in gleicher Weise vorankäme. (09.03.2016/fc/a/m)
Nach wochenlangen leidenschaftlichen Debatten sei der berühmte "Brexit" Realität geworden. Man sei weit von dem angekündigten Jubel entfernt: In den Londoner Straßen gehe es gewohnt geschäftig zu, aber auch nicht mehr. Es gebe Siege, die einen bitteren Beigeschmack hätten. Beiderseits des Ärmelkanals schaue keiner über seinen Tellerrand hinaus. Zehntausende kluge französische Köpfe - Finanzflüchtlinge - würden damit beginnen, sich eine neue steuerlich oder beruflich annehmbare Bleibe zu suchen. Der Pariser Immobilienmarkt zittere.
In Luxemburg dagegen würden die Champagnerkorken knallen. Und zwar nicht nur, weil der 23. Juni Nationalfeiertag sei. Nein, gefeiert werde vor allem das fortwährende Wirtschaftswunder eines kleinen Landes mit etwas mehr als 300.000 Einwohnern, das plötzlich durch die Aussicht auf britische Manager gestärkt werde, die gezwungen seien, ihr gesamtes Know-how in der Vermögensverwaltung über das Großherzogtum zu verkaufen.
Dieser kleine Science-Fiction-Exkurs habe bereits begonnen, die Fantasie der Leitartikler anzuregen. In den nächsten Wochen werde man zweifellos mehr davon hören, je näher der Countdown rücke.
Die Marktakteure dagegen würden keine großen Worte sprechen, seien aber stets zum Handeln bereit und würden schon heute nicht zögern, auf den unsicheren Ausgang des Referendums zu verweisen, um damit ihr schwankendes Verhalten teilweise zu rechtfertigen. Dies sei ein weiteres Element, das die Misstöne an den Finanzmärkten verstärke.
Eine solche Marktkonstellation, bei der die Akteure nicht mehr wissen würden, für welche Anlageklasse sie sich entscheiden sollten, sei nicht selten in der Wirtschafts- und Börsengeschichte. Die Inflation der 1970er Jahre, die Finanzexzesse in den 1980er Jahren oder die geldpolitischen Strategien des folgenden Jahrzehnts hätten bei Investoren - je nachdem, wie die von allen Seiten verbreiteten alarmierenden Nachrichten gelautet hätten - für mehr als eine unruhige Nacht gesorgt.
Die dauerhafte Realität habe jedoch anders ausgesehen: Der beständige Rückgang der Zinssätze, die weltweit steigende Zahl an Konsumenten, der freie Güter- und Personenverkehr seien der Anlass für äußerst angsteinflößende Szenarien gewesen.
Letztendlich habe das Geschehen an den Märkten nur wenig Bedeutung und die hier umherschwirrenden Meldungen seien oftmals irreführend. Es seien nicht die möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen eines Austritts aus der Europäischen Union, die beunruhigend seien, sondern vielmehr die Symbolkraft, die ein solcher möglicher Brexit habe. Ein wirkungsvoller Wirtschaftsliberalismus brauche Frieden, Stabilität und einen unbehinderten Verkehr von Menschen und Gütern. Der weltweit zunehmende Nationalismus und der Versuch, sich auf sich selbst zu besinnen, dürften sich nicht auf das überzeugende Vorbild eines Volkes berufen, das in der Vergangenheit für seinen Pragmatismus und seine Fähigkeit anerkannt gewesen sei, schwierige Entscheidungen zu treffen.
Gestehen wir unseren britischen Freunden diese in Europa einmalige Besonnenheit zu, die für sie geltenden Regeln infrage zu stellen, so Didier Le Menestrel. Die Tatsache, dass durch dieses Referendum die Mängel an der derzeitigen Organisation der Europäischen Union in den Mittelpunkt gerückt würden (Definition der Grenzen, Haushalt, Regulierung), bringe allen etwas, sofern Einigkeit in Bezug auf folgende wesentlichen Punkte bestehe: "Der Beitrag, den ein organisiertes und lebendiges Europa für die Zivilisation leisten kann, ist unerlässlich für die Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen."
Das Vereinigte Königreich ist ein Freund, dem wir nicht gerne allzu oft begegnen, da er die Gabe hat, uns unverblümt die Wahrheit ins Gesicht zu sagen, so Didier Le Menestrel. Sicherlich ein lästiger Freund, den es Jahr für Jahr zu ertragen gelte. Aber man nenne ihn weiter "Freund" und fordere ihn auf, sich an den Tisch zu setzen, denn man wisse im Innersten, dass man ohne ihn nicht in gleicher Weise vorankäme. (09.03.2016/fc/a/m)


