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China - das neue schwarze Loch der Finanzwelt?
24.04.15 09:46
Danske Invest
Kopenhagen (www.fondscheck.de) - China wurde lange Zeit als wichtiger Wachstumsmotor für die anderen Schwellenländer betrachtet, jedoch hat sich das Wirtschaftswachstum auf rund 5 Prozent abgekühlt. Bo Bejstrup Christensen, Chief Analyst bei Danske Invest, erkärt, warum man China dennoch nicht außer Acht lassen sollte:
Vor nicht allzu langer Zeit habe die jährliche Wachstumsrate Chinas über 10 Prozent betragen, der Autoabsatz habe geboomt, Markenartikelhersteller hätten sich etabliert und der Appetit auf Konsumgüter habe unersättlich geschienen. Mit anderen Worten, die restliche Welt habe immens von Chinas schnellem Wachstum profitiert.
Nun habe sich allerdings das Blatt gewendet und China verzeichne eine schleppende Zunahme des Exportsektors, ein sehr schwaches Wachstum der industriellen Produktion sowie enttäuschenden Privatkonsum. Zudem würden Immobilienverkäufe, Immobilienpreise und Bauaufträge stetig sinken. Entsprechend habe die chinesische Wirtschaft im ersten Quartal 2015 die schwächste Wachstumsrate seit der Finanzkrise im Jahr 2008 aufgewiesen.
Dazu hätten verschieden Faktoren beigetragen: So sei zum Beispiel die chinesische Regierung darauf fokussiert gewesen, eine Immobilienmarktblase zu verhindern. Die Kreditbedingungen für Hauskäufer seien verschärft und das Kreditwachstum eingedämmt worden. Dies zeige, dass der Abschwung auf dem Immobilienmarkt auch selbst verschuldet sei. Zudem habe die neue politische Führung ein Antikorruptionsprogramm eingeführt. Das habe unter anderem die Nachfrage nach Luxusgütern negativ beeinflusst.
Die Zinsrate sei in China noch immer relativ hoch. Die Staatswährung habe zudem vom erstarkenden Dollar profitiert. Dies zeige, dass die chinesische Wirtschaft einer Folge negativer Schocks ausgesetzt gewesen sei. Dabei sei das Kreditwachstum auf 10-Jahressicht im ersten Quartal 2015 so gering gewesen wie seit zehn Jahren nicht mehr - nach einer langen Zeit mit jährlichen Raten von über 20 Prozent.
Das Wachstum sei mit 5 Prozent gegenwärtig so niedrig, dass es unter Chinas langfristigem potenziellen Niveau von, geschätzt, 6 Prozent liege. Die Schwäche des Immobilienmarktes sei ein Hauptproblem, weshalb davon auszugehen sei, dass die Regierung sich darauf konzentrieren werde, finanzielle Stabilität zu gewährleisten. Deshalb sei eine weitere Lockerung der Wirtschaftsregulierungen zu erwarten, wobei eine Zinslockerung denkbar sei. Am relevantesten sei aber, dass der Zugang zu Hauskrediten schon erleichtert worden sei und daher von einem moderaten Kreditwachstum auszugehen sei.
Diese Entwicklung mache China jedoch nicht zum schwarzen Loch der Finanzwelt: Da die chinesische Währung vermutlich nicht im gleichen Tempo aufwerten werde, könne mit einem wieder zunehmenden Wirtschaftswachstum gerechnet werden. Allerdings sei anzunehmen, dass die Staatsbehörden weiterhin die Korruption bekämpfen würden und ein Überhitzen des Immobilienmarktes vermeiden wollten.
Entsprechend würden die Experten davon ausgehen, dass das chinesische Wachstum sich bei 6 bis 6,5 Prozent einpendeln werde. Jedoch werde das Wachstum nicht das Ausmaß früherer Jahre annehmen; die Konsumgüterpreise würden vergangene Höhen nicht erreichen. Hersteller von Luxusgütern müssten sich auf eine veränderte Nachfrage aus China einstellen.
Durch das aktuelle europäische und US-amerikanische Wachstum seien die Experten recht optimistisch gestimmt, dass China und die anderen Schwellenländer stimuliert würden. Zunehmendes Wachstum in China würde nach Ansicht der Experten dazu führen, dass Schwellenländer-Aktien im Vergleich zu den letzten sechs Monaten bessere Renditen einfahren würden.
Eine solche Erholung dürfte allerdings nur kurzfristiger Natur sein, da viele Schwellenländer langfristig noch immer verschiedenen Herausforderungen ausgesetzt seien. In einigen Teilen Asiens sei das Schuldenwachstum noch immer sehr hoch und mehrere lateinamerikanische Länder hätten mit ihrem Staatshaushalt und Leistungsbilanzdefiziten zu kämpfen.
Daher würden einige Länder in Asien vom Wachstum der USA profitieren. Dieses Wachstum werde die US-Zentralbank aber auch dazu veranlassen, den Leitzins am Ende des Jahres anzuheben. Steigende US-Zinsen könnten wiederum den Ländern Probleme bereiten, die auf Fremdkapital angewiesen seien. Zuletzt müsse berücksichtigt werden, dass ein auf 8 Prozent gesteigertes Wirtschaftswachstum Chinas die Regierung mit Problemen konfrontiere, wie einer signifikanten Verteuerung der Immobilienpreise oder eines neuen Baubooms.
Es werde tatsächlich immer weniger sinnvoll, die Schwellenländer als eine Region zu betrachten. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern seien mittlerweile zu groß. Die Anlagephilosophie der Experten bleibe deshalb bestehen. Anleger sollten allerdings bei Investments in Schwellenländern vorsichtig vorgehen und Einzeltitel sorgfältig auswählen - das gelte auch für chinesische Aktien. (Ausgabe vom 23.04.2015) (24.04.2015/fc/a/m)
Vor nicht allzu langer Zeit habe die jährliche Wachstumsrate Chinas über 10 Prozent betragen, der Autoabsatz habe geboomt, Markenartikelhersteller hätten sich etabliert und der Appetit auf Konsumgüter habe unersättlich geschienen. Mit anderen Worten, die restliche Welt habe immens von Chinas schnellem Wachstum profitiert.
Nun habe sich allerdings das Blatt gewendet und China verzeichne eine schleppende Zunahme des Exportsektors, ein sehr schwaches Wachstum der industriellen Produktion sowie enttäuschenden Privatkonsum. Zudem würden Immobilienverkäufe, Immobilienpreise und Bauaufträge stetig sinken. Entsprechend habe die chinesische Wirtschaft im ersten Quartal 2015 die schwächste Wachstumsrate seit der Finanzkrise im Jahr 2008 aufgewiesen.
Dazu hätten verschieden Faktoren beigetragen: So sei zum Beispiel die chinesische Regierung darauf fokussiert gewesen, eine Immobilienmarktblase zu verhindern. Die Kreditbedingungen für Hauskäufer seien verschärft und das Kreditwachstum eingedämmt worden. Dies zeige, dass der Abschwung auf dem Immobilienmarkt auch selbst verschuldet sei. Zudem habe die neue politische Führung ein Antikorruptionsprogramm eingeführt. Das habe unter anderem die Nachfrage nach Luxusgütern negativ beeinflusst.
Die Zinsrate sei in China noch immer relativ hoch. Die Staatswährung habe zudem vom erstarkenden Dollar profitiert. Dies zeige, dass die chinesische Wirtschaft einer Folge negativer Schocks ausgesetzt gewesen sei. Dabei sei das Kreditwachstum auf 10-Jahressicht im ersten Quartal 2015 so gering gewesen wie seit zehn Jahren nicht mehr - nach einer langen Zeit mit jährlichen Raten von über 20 Prozent.
Diese Entwicklung mache China jedoch nicht zum schwarzen Loch der Finanzwelt: Da die chinesische Währung vermutlich nicht im gleichen Tempo aufwerten werde, könne mit einem wieder zunehmenden Wirtschaftswachstum gerechnet werden. Allerdings sei anzunehmen, dass die Staatsbehörden weiterhin die Korruption bekämpfen würden und ein Überhitzen des Immobilienmarktes vermeiden wollten.
Entsprechend würden die Experten davon ausgehen, dass das chinesische Wachstum sich bei 6 bis 6,5 Prozent einpendeln werde. Jedoch werde das Wachstum nicht das Ausmaß früherer Jahre annehmen; die Konsumgüterpreise würden vergangene Höhen nicht erreichen. Hersteller von Luxusgütern müssten sich auf eine veränderte Nachfrage aus China einstellen.
Durch das aktuelle europäische und US-amerikanische Wachstum seien die Experten recht optimistisch gestimmt, dass China und die anderen Schwellenländer stimuliert würden. Zunehmendes Wachstum in China würde nach Ansicht der Experten dazu führen, dass Schwellenländer-Aktien im Vergleich zu den letzten sechs Monaten bessere Renditen einfahren würden.
Eine solche Erholung dürfte allerdings nur kurzfristiger Natur sein, da viele Schwellenländer langfristig noch immer verschiedenen Herausforderungen ausgesetzt seien. In einigen Teilen Asiens sei das Schuldenwachstum noch immer sehr hoch und mehrere lateinamerikanische Länder hätten mit ihrem Staatshaushalt und Leistungsbilanzdefiziten zu kämpfen.
Daher würden einige Länder in Asien vom Wachstum der USA profitieren. Dieses Wachstum werde die US-Zentralbank aber auch dazu veranlassen, den Leitzins am Ende des Jahres anzuheben. Steigende US-Zinsen könnten wiederum den Ländern Probleme bereiten, die auf Fremdkapital angewiesen seien. Zuletzt müsse berücksichtigt werden, dass ein auf 8 Prozent gesteigertes Wirtschaftswachstum Chinas die Regierung mit Problemen konfrontiere, wie einer signifikanten Verteuerung der Immobilienpreise oder eines neuen Baubooms.
Es werde tatsächlich immer weniger sinnvoll, die Schwellenländer als eine Region zu betrachten. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern seien mittlerweile zu groß. Die Anlagephilosophie der Experten bleibe deshalb bestehen. Anleger sollten allerdings bei Investments in Schwellenländern vorsichtig vorgehen und Einzeltitel sorgfältig auswählen - das gelte auch für chinesische Aktien. (Ausgabe vom 23.04.2015) (24.04.2015/fc/a/m)


