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Devisenmärkte: Abkehr vom CHF


17.01.13 09:54
UniCredit Research

München (www.aktiencheck.de) - EZB-Ratsmitglied Nowotny sagte gestern, der EUR-Wechselkurs sei kein Anlass zu übertriebener Sorge, so die Analysten von UniCredit Research.

Damit habe er zumindest einen Teil der durch Juncker ausgelösten Aufregung gedämpft. Im Tagesverlauf habe sich EUR/USD weiter stabilisieren können, woran das solide globale Stimmungsbild und einige verbesserte US-Daten ihren Anteil gehabt hätten. Die Analysten würden für heute mit Kursen um das aktuelle Niveau rechnen.

Auch beim EUR/JPY habe letztlich eine Stabilisierung stattgefunden, woran USD/JPY seinen Anteil gehabt habe (bessere US-Konjunkturdaten, anhaltend starke US-Unternehmensgewinne). Über kurz oder lang dürfte EUR/JPY wieder an Kurse knapp unterhalb 120 heranreichen.

Nach anfänglichem Zögen hätten sich die Devisenmärkte endlich entschlossen, neben dem JPY auch wieder den CHF mit ins Boot der Finanzierungswährungen zu holen. Lange habe es gedauert und selbst die monatelangen Versicherungen der SNB, das Mindestkursziel von 1,20 in EUR/CHF halten zu wollen, hätten bei den Märkten zunächst kein Umdenken bewirkt. Zu stark seien die Zweifel an einem dauerhaften Rückgang der Euro-Risikoprämie gewesen.

Die bestehende Skepsis hinsichtlich einer Überwindung der EWU-Schuldenkrise sollte wenigsten noch in einem Festhalten an CHF-Longpositionen zum Ausdruck kommen. Aber schon im Dezember sei das Anrennen gegen das SNB-Mindestkursziel weniger aggressiv gewesen als in den Monaten zuvor und nahezu unveränderte Währungsreserven hätten einen weiteren Hinweis gegeben, dass SNB-Interventionen kaum noch gefordert gewesen seien. Zudem habe es eine deutliche Aufwärtstendenz beim 25 Delta Risk-Reversal an den Optionsmärkten gegeben.

Der fortschreitende Risikonormalisierungsprozess an den Finanzmärkten mit einer Renaissance des Carry-Trades und der mehr konstruktiven Sichtweise Draghis vergangene Woche hätten dann den Ausschlag für die freie Fahrt zur oberen Seite in EUR/CHF gegeben. Da wie bereits angedeutet, die Märkte zu lange zu verhalten agiert hätten, sei in den vergangenen Tagen ein erheblicher Nachholbedarf erfolgt, der das Währungspaar unter einem ebenso deutlichen Volatilitätsanstieg in ein stark überkauftes Terrain geführt habe. Insofern würden die Analysten das gestrige Abflauen der Aufwärtsdynamik als logische Folge betrachten.

Erst mit einem Durchbrechen der 1,25er Marke dürfte der nächste ad hoc-Schub ausgelöst werden. Solange dies nicht der Fall sei, erwarte man eine Konsolidierungsphase auf aktuellen oder sogar etwas schwächeren Niveaus. Da die Analysten grundsätzlich von einer Fortsetzung des Risikonormalisierungsprozesses ausgehen und dadurch auch Carry-Trades noch stärker an Gewicht gewinnen würden, würden sie für die nächsten Quartale weiteres Aufwärtspotenzial in EUR/CHF sehen.

EUR/CHF-Kurse zwischen 1,25 und 1,30 auf Sicht von ein bis zwei Jahren seien durchaus realistisch. Möglicherweise wäre zur oberen Seite sogar noch mehr drin. Allerdings seien sich die Analysten darüber im Klaren, dass jede Phase nachlassender Risikobereitschaft oder gar Risikoaversion zu allererst wieder den CHF (noch vor dem JPY) profitieren lassen würde. (17.01.2013/ac/a/m)