Drei kleine Mischfonds, die einen näheren Blick wert sind


24.04.17 15:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Abseits der milliardenschweren Bestseller finden sich zahlreiche kleine gemischte Portfolios, die es zu entdecken lohnt, so die Experten von "FONDS professionell".

FONDS professionell ONLINE stelle drei davon vor.

Bert Flossbach verwalte inzwischen mehr als 15 Milliarden Euro in seiner Multiple-Opportunities-Strategie. Asbjørn Trolle Hansen wache im Nordea Stable Return über fast 19 Milliarden Euro, Altmeister Edouard Carmignac komme mit seinem Carmignac Patrimoine sogar auf mehr als 25 Milliarden Euro. Von solchen Zahlen könnten die Manager der meisten vermögensverwaltenden Mischfonds nur träumen.

Doch die fehlende Größe könne auch ein Vorteil sein: Die Portfoliomanager müssten kein schweres Dickschiff navigieren, sondern könnten schnell und wendig auf mögliche Chancen und Gefahren reagieren. Außerdem dürften sie sich in lukrative Nischen vorwagen, die den bekannten Wettbewerbern wegen ihrer Größe vorenthalten bleiben würden.

In der Vielzahl der kleinen Mischfonds gebe es zahlreiche interessante Produkte, die darauf warten würden, von der breiten Masse erst noch entdeckt zu werden. FONDS professionell ONLINE stelle drei solche Portfolios kurz vor. Gemein sei ihnen, dass sie weltweit flexibel investieren dürften, also beispielsweise nicht an eine starre Aktienquote gebunden seien. Außerdem würden alle drei Fonds noch deutlich unter 100 Millionen Euro verwalten. Die dritte Gemeinsamkeit: Ihre Manager hätten bewiesen, dass sie erfolgreich Portfolios verwalten könnten - die einen länger, die anderen kürzer.

Kleiner Wendekreis, kurzer Bremsweg, flexible Wahl der Fahrbahn: Fehlende Größe könne auch Vorteile haben - nicht nur im Verkehr, sondern auch im Portfoliomanagement. Drei vielversprechende Mischfonds im Überblick:

Der Wachstum Global sei schon im November 2008 auf den Markt gekommen. Seither habe der Fonds des Hamburger Vermögensverwalters Proaktiva in jedem einzelnen Kalenderjahr den durchschnittlichen Wettbewerber seiner Morningstar-Kategorie flexibler, global investierender Euro-Mischfonds hinter sich gelassen. Im vergangenen Jahr habe er zu den besten sieben Prozent der Vergleichsgruppe gezählt, und auch im ersten Quartal dieses Jahres habe er zum besten Viertel gehört. Mit Blick auf diese Performance sei es schon erstaunlich, dass der Fonds erst ganz allmählich auf dem Radar von Finanzberatern und Fondsselektoren auftauche.

Ein Grund für den jüngsten Absatzerfolg, der das Volumen auf 66 Millionen Euro habe steigen lassen, dürfte die im Juli 2015 lancierte Anteilsklasse T (ISIN DE000A12BPS8 / WKN A12BPS) sein, die ohne Performancegebühr auskomme und, anders als die erste Anteilsklasse, eine Bestandsprovision vorsehe. Fondsmanager Torben Peters setze auf ein granulares Portfolio: Im Wachstum Global lägen rund 100 Titel - deutlich mehr als in den meisten anderen Vermögensverwalterfonds, die oft explizite Wetten eingehen würden. "Jede Position darf höchstens 1,5 Prozent ausmachen", betone Peters. "Überschreitet ein Titel wegen Kurszuwächsen diese Schwelle, verkaufen wir konsequent." Positiver Nebeneffekt dieser hanseatischen Zurückhaltung: Regelmäßige Gewinnmitnahmen.

Christian Exner habe einen streng regelbasierten Investmentprozess nach Value-Kriterien entwickelt, um systematisch unterbewertete Unternehmen aufzudecken. "Dieser quantitative Ansatz erlaubt es, sehr schnell ganze Märkte zu analysieren", sage Exner. Er diene allerdings nur dazu, Investmentideen zu generieren. "Die eigentliche Arbeit fängt dann erst an: Ich möchte im Detail verstehen, wie ein Geschäftsmodell funktioniert und welchen Cashflow das Unternehmen nachhaltig, also nicht nur in den guten Zeiten, erwirtschaftet." Zum Einsatz sei das Modell zunächst bei Paladin Asset Management, der Gesellschaft gekommen, die früher als Family Office das Vermögen der Familie Maschmeyer betreut habe.

Seit Beginn 2016 setze Exner den Anlageprozess bei der Luxemburger Verwaltungsgesellschaft Flaskamp Invest um - ebenfalls mit Erfolg: Im vergangenen Jahr habe der Kapital All Opportunities mit einem Plus von 15,5 Prozent fast die gesamte Mischfondskonkurrenz hinter sich gelassen. Sei eine Aktie Exners Modell zufolge um 30 Prozent unterbewertet, diene das als Kaufsignal, bei 30 Prozent Überbewertung veräußere er seine Position. "Die Kasse ist im Wesentlichen die Restgröße aus fehlenden Investmentopportunitäten. Der Fonds steigt also nicht aus dem Markt aus, weil die Unsicherheit an der Börse zunimmt, sondern weil die Aktien zu teuer geworden sind." Zusätzlich sollten kleine Put-Positionen dabei helfen, das 20-Millionen-Euro-Portfolio gegen unerwartete Ereignisse abzusichern.

Warum um alles in der Welt würden zwei 30-jährige Finanzprofis freiwillig ihren Job bei Flossbach von Storch aufgeben - der derzeit begehrtesten Adresse der Branche - um sich mit einer Investmentboutique namens Aguja Capital selbstständig zu machen? "Letztlich war es der Wunsch, unabhängig und selbstständig zu arbeiten und unsere Investmentideen eigenverantwortlich eins zu eins umsetzen zu können", sage Fabian Leuchtner.

"Investieren ist unser Hobby, unsere Leidenschaft. Das war uns wichtiger als ein festes Gehalt", ergänze Dimitri Widmann. Er habe als Analyst direkt in Bert Flossbachs Team gearbeitet. Seine Aufgabe: Aktienideen für den FvS Multiple Opportunities ausgraben und Unternehmen mehrerer Branchen beobachten. Leuchtner wiederum habe zuletzt gemeinsam mit Frank Lipowski zwei Rentenfonds, den FvS Bond Opportunities und den FvS Bond Total Return verantwortet. Mit ihrem Ende 2016 lancierten Fonds, dem Squad Aguja Opportunities, würden sich auf Spezialsituationen entlang der gesamten Kapitalstruktur eines Unternehmens - von der Anleihe über Wandelanleihen und Hybridkapital bis hin zur Aktie konzentrieren.

"Die Kapitalmärkte sind insgesamt sehr effizient. Aber in Situationen, die wenig beachtet werden und sehr analyseintensiv sind, lässt sich ein Wissensvorsprung erarbeiten", sage Leuchtner. "Genau das tun wir, um dann im richtigen Moment zugreifen zu können." Auch wenn es für ein Urteil über den Fonds noch zu früh sei: Der Start sei sehr vielversprechend verlaufen. Das würden auch viele Investoren so sehen, die den beiden Gründern schon 17 Millionen Euro anvertraut hätten. (24.04.2017/fc/a/f)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
116,343 € 116,343 € -   € 0,00% 17.04./11:45
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE000A0NJGU7 A0NJGU 119,87 € 101,36 €
Werte im Artikel
177,39 plus
+1,03%
79,99 plus
+0,18%
808,20 plus
+0,09%
116,34 plus
0,00%
17,43 minus
-0,30%