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ETF-Handel: Anhaltende Nervosität, extrem hohe Umsätze
01.03.22 17:06
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.fondscheck.de) - Der Krieg in der Ukraine belastet die Aktienmärkte weltweit weiter, so die Deutsche Börse AG.
Seit Beginn der Invasion habe der DAX zeitweise rund 700 Punkte verloren. Mit Beginn der Sanktionen seien die Kurse weiter gefallen, hätten sich aber vom Tief bei knapp 14.000 immerhin etwas erholt. Aktuell stehe der DAX am Dienstag bei 14.150 rund 2 Prozent tiefer.
Investor*innen würden nun fürchten, dass der Handel mit Russland in vielen Bereichen zum Erliegen kommen könnte, nachdem russische Finanzinstitute aus dem internationalen SWIFT-System ausgeschlossen worden seien, habe Cornelia Steinheuer-Zorz von der Commerzbank am Morgen kommentiert. Darüber hinaus könnten weiter steigende Rohstoffpreise die bereits hohe Inflation anheizen.
"Dass sich die Aktienmärkte trotz des Krieges im Moment so stabil halten, dürfte auch daran liegen, dass sich nach der geldpolitisch längst eingeläuteten Wende die Kassen der Fiskalpolitik gerade wieder weit öffnen, um sicherheitspolitisch und außenpolitisch mit höheren Verteidigungsausgaben zu reagieren", beurteile Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst von CMC Markets, die Entwicklung.
"Der Februar war ein zweigeteilter Monat", würden Henry Allen und Jim Reid von der Deutschen Bank das Geschehen zusammen angesichts von Kursverlusten von 7 Prozent in DAX und EURO STOXX 50, 3,8 Prozent im S&P 500 und gut 4 Prozent im NASDAQ Composite fassen. Sei die erste Hälfte geprägt gewesen von der zunehmenden Ansicht, dass die US-Notenbank FED eine aggressivere Straffung der Geldpolitik einleiten würde, so habe in der zweiten Hälfte ein erheblicher Rückgang der Risikobereitschaft dominiert, ausgelöst durch erst die Warnungen vor und schließlich die Realität der russischen Invasion in der Ukraine. Aktien hätten deshalb im Februar in der Performance am schwächsten abgeschnitten.
"Der Handel hat zu jeder Zeit funktioniert - das ist ein gutes Zeichen auch für ETFs", berichte Frank Mohr von der Société Générale. Die Umsätze seien seit Beginn der Invasion extrem hoch. "Es gibt aber keinerlei Panik, wenngleich die Verkäufe überwiegen."
Auch Torben Bendt von Lang & Schwarz berichte von sehr hohen Umsätzen und großer Nervosität. "Die Stimmung ist gedrückt, wir sehen viele Verkäufe."
Mohr berichte von überwiegenden Verkäufen von Aktieni-ETFs nahezu aller Regionen. "Abflüsse sehen wir vor allem bei europäischen und globalen Index-Trackern", berichte er. So würden der iShares Core FTSE 100, der UBS ETF (LU) MSCI EMU und der iShares Core MSCI World die Verkaufslisten anführen. Hier spiele nach Angaben von Mohr wohl die Nähe Europas zum Krisengebiet eine wichtige Rolle, denn US-Tracker seien hingegen weniger im Fokus.
Bendt habe den anhaltenden Trend zu gehebelten Short-Produkten bestätigt. "Sie werden zur Absicherung gekauft." Besonders hohe Umsätze verzeichne Bendt in einem zweifach gehebelten DAX-Short-Tracker, dem Xtrackers ShortDAX x2 Daily Swap.
Regional werde Russland stark gehandelt. "Wir haben hier mehr Käufe als Verkäufe, auch heute", berichte Bendt mit Blick in die Orderbücher. Erneute dominiere hier der iShares MSCI Russia ADR/GDR, gefolgt von Käufen beim Lyxor MSCI Russia.
In den Orderbüchern von Mohr seien ebenfalls Russland-ETFs gefragt, und das schon zu Beginn der Invasion. Das Volumen deute allerdings auf private Anleger*innen statt auf institutionelle Akteure. Mit dem Kurseinbruch der zu Grunde enthaltenen Werte würden sich nun die Spreads weiten; die Produkte seien aber nach wie vor handelbar.
Technologie-Werte würden weiter überwiegend aus den Depots fliegen. Bei Mohr sei auch der Energie-Sektor in den Orderbüchern auf der Verkaufsseite, obwohl es für beide Seiten Argumente gäbe. Allerdings liefen Öl-Tracker allmählich heiß. Ausgeglichen hingegen sei der Handel mit Bank-ETFs. Stärker gefragt als üblich seien Unternehmen aus der Raumfahrt- und Verteidungsbranche.
Bendt registriere Käufe im Energiesektor mit Lyxor MSCI New Energy ESG Filtered (ISIN FR0010524777 / WKN LYX0CB) und iShares S&P Global Clean Energy.
Der anhaltende Anstieg der Ölpreise auf das Niveau von 2014 gebe weiter viele Handelsimpulse. Bendts Kund*innen würden vor allem den zweifach gehebelten WisdomTree WTI Crude Oil 2x Daily Leveraged kaufen.
In der Vorwoche seien Kryptowährungen auch auf der Verliererseite gewesen, nun würden die Kurse steigen. Der Bitcoin stehe wieder über 43.000 US-Dollar. Er profitiere davon, dass er dezentral sei, urteile Stanzl. Darin stecke aber auch ein Reputationsrisiko für die noch junge Branche: "Niemand will, dass die Kryptowährungen den Ruf bekommen, in einem angespannten und für die Welt bedrohlichen Szenario wie dem jetzigen als Schlupfloch gegen Sanktionen genutzt zu werden." Bendt mache allerdings - wie in den vergangenen zwei Wochen auch - einen deutlich ruhigeren Handel als gewöhnlich bei Kryptowährungen aus.
Habe in den vergangenen Tagen eine regelrechte Flucht in Anleihen eingesetzt, seien Käufe und Verkäufe nun ausgeglichen, wie Mohr berichte. Europäische hochverzinsliche Unternehmensanleihen würden mit dem iShares EUR High Yield Corporate Bond gekauft. Die Kund*innen der Société Générale engagierten sich aber auch variabel verzinste Anleihen, etwa mit dem Amundi Floating Rate Euro Corporate ESG. (01.03.2022/fc/a/e)
Seit Beginn der Invasion habe der DAX zeitweise rund 700 Punkte verloren. Mit Beginn der Sanktionen seien die Kurse weiter gefallen, hätten sich aber vom Tief bei knapp 14.000 immerhin etwas erholt. Aktuell stehe der DAX am Dienstag bei 14.150 rund 2 Prozent tiefer.
Investor*innen würden nun fürchten, dass der Handel mit Russland in vielen Bereichen zum Erliegen kommen könnte, nachdem russische Finanzinstitute aus dem internationalen SWIFT-System ausgeschlossen worden seien, habe Cornelia Steinheuer-Zorz von der Commerzbank am Morgen kommentiert. Darüber hinaus könnten weiter steigende Rohstoffpreise die bereits hohe Inflation anheizen.
"Dass sich die Aktienmärkte trotz des Krieges im Moment so stabil halten, dürfte auch daran liegen, dass sich nach der geldpolitisch längst eingeläuteten Wende die Kassen der Fiskalpolitik gerade wieder weit öffnen, um sicherheitspolitisch und außenpolitisch mit höheren Verteidigungsausgaben zu reagieren", beurteile Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst von CMC Markets, die Entwicklung.
"Der Februar war ein zweigeteilter Monat", würden Henry Allen und Jim Reid von der Deutschen Bank das Geschehen zusammen angesichts von Kursverlusten von 7 Prozent in DAX und EURO STOXX 50, 3,8 Prozent im S&P 500 und gut 4 Prozent im NASDAQ Composite fassen. Sei die erste Hälfte geprägt gewesen von der zunehmenden Ansicht, dass die US-Notenbank FED eine aggressivere Straffung der Geldpolitik einleiten würde, so habe in der zweiten Hälfte ein erheblicher Rückgang der Risikobereitschaft dominiert, ausgelöst durch erst die Warnungen vor und schließlich die Realität der russischen Invasion in der Ukraine. Aktien hätten deshalb im Februar in der Performance am schwächsten abgeschnitten.
"Der Handel hat zu jeder Zeit funktioniert - das ist ein gutes Zeichen auch für ETFs", berichte Frank Mohr von der Société Générale. Die Umsätze seien seit Beginn der Invasion extrem hoch. "Es gibt aber keinerlei Panik, wenngleich die Verkäufe überwiegen."
Auch Torben Bendt von Lang & Schwarz berichte von sehr hohen Umsätzen und großer Nervosität. "Die Stimmung ist gedrückt, wir sehen viele Verkäufe."
Bendt habe den anhaltenden Trend zu gehebelten Short-Produkten bestätigt. "Sie werden zur Absicherung gekauft." Besonders hohe Umsätze verzeichne Bendt in einem zweifach gehebelten DAX-Short-Tracker, dem Xtrackers ShortDAX x2 Daily Swap.
Regional werde Russland stark gehandelt. "Wir haben hier mehr Käufe als Verkäufe, auch heute", berichte Bendt mit Blick in die Orderbücher. Erneute dominiere hier der iShares MSCI Russia ADR/GDR, gefolgt von Käufen beim Lyxor MSCI Russia.
In den Orderbüchern von Mohr seien ebenfalls Russland-ETFs gefragt, und das schon zu Beginn der Invasion. Das Volumen deute allerdings auf private Anleger*innen statt auf institutionelle Akteure. Mit dem Kurseinbruch der zu Grunde enthaltenen Werte würden sich nun die Spreads weiten; die Produkte seien aber nach wie vor handelbar.
Technologie-Werte würden weiter überwiegend aus den Depots fliegen. Bei Mohr sei auch der Energie-Sektor in den Orderbüchern auf der Verkaufsseite, obwohl es für beide Seiten Argumente gäbe. Allerdings liefen Öl-Tracker allmählich heiß. Ausgeglichen hingegen sei der Handel mit Bank-ETFs. Stärker gefragt als üblich seien Unternehmen aus der Raumfahrt- und Verteidungsbranche.
Bendt registriere Käufe im Energiesektor mit Lyxor MSCI New Energy ESG Filtered (ISIN FR0010524777 / WKN LYX0CB) und iShares S&P Global Clean Energy.
Der anhaltende Anstieg der Ölpreise auf das Niveau von 2014 gebe weiter viele Handelsimpulse. Bendts Kund*innen würden vor allem den zweifach gehebelten WisdomTree WTI Crude Oil 2x Daily Leveraged kaufen.
In der Vorwoche seien Kryptowährungen auch auf der Verliererseite gewesen, nun würden die Kurse steigen. Der Bitcoin stehe wieder über 43.000 US-Dollar. Er profitiere davon, dass er dezentral sei, urteile Stanzl. Darin stecke aber auch ein Reputationsrisiko für die noch junge Branche: "Niemand will, dass die Kryptowährungen den Ruf bekommen, in einem angespannten und für die Welt bedrohlichen Szenario wie dem jetzigen als Schlupfloch gegen Sanktionen genutzt zu werden." Bendt mache allerdings - wie in den vergangenen zwei Wochen auch - einen deutlich ruhigeren Handel als gewöhnlich bei Kryptowährungen aus.
Habe in den vergangenen Tagen eine regelrechte Flucht in Anleihen eingesetzt, seien Käufe und Verkäufe nun ausgeglichen, wie Mohr berichte. Europäische hochverzinsliche Unternehmensanleihen würden mit dem iShares EUR High Yield Corporate Bond gekauft. Die Kund*innen der Société Générale engagierten sich aber auch variabel verzinste Anleihen, etwa mit dem Amundi Floating Rate Euro Corporate ESG. (01.03.2022/fc/a/e)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 11,908 € | 11,902 € | 0,006 € | +0,05% | 16.04./21:59 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| IE0005042456 | 552752 | 12,13 € | 9,06 € | |
Werte im Artikel




