ETF-Handel: Nach Draghi von Null auf Hundert


31.07.12 15:59
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Dank Mario Draghi geht alles wieder hoch, lautet die einhellige Beschreibung der Market Maker für den ETF-Handel der vergangenen Woche, so die Deutsche Börse AG.

"Anfang der Woche war es noch sehr ruhig, das aggressive Bekenntnis des EZB-Präsidenten zum Euro hat dann aber ein Feuerwerk ausgelöst", berichte etwa Jörg Sengfelder von der DekaBank. Frank Mohr von der Commerzbank bestätige: "Mario Draghi hat den ETF-Handel ordentlich belebt." Der Präsident der Europäischen Zentralbank habe am vergangenen Donnerstag angekündigt, "alles Erforderliche" zu tun, um den Euro zu retten und damit für Spekulationen über bevorstehende Aktionen der Zentralbank gesorgt.

"Nach Draghi ging es von Null auf Hundert", beobachte auch Sidi Kleefeld, Market Maker der Deutschen Bank. Nun hätten sich die Blicke der Investoren vor allem auf die EZB-Ratssitzung am kommenden Donnerstag gerichtet, in deren Rahmen erneut die Leitzinsen gesenkt oder Hinweise auf ein neues Anleihekaufprogramm der Notenbank gegeben werden könnten.

"Es wurde in den vergangenen Handelstagen aber schon viel vorweggenommen und wir werden sehen, ob die EZB wirklich liefert. Wenn nicht, könnte sich das Ganze auch schnell wieder ins Gegenteil kehren", warne Kleefeld. Bernardus Roelofs von Flow Traders äußere sich ebenfalls vorsichtig: "Viele Leute bezweifeln, ob die Gewinne nachhaltig sind." Zudem hätten in den vergangenen Tagen bei einigen Produkten (u.a. ISIN DE0005933931 / WKN 593393; ISIN IE00B5B5TG76 / WKN A0YESX, ISIN LU0292101796 / WKN DBX1SG) bereits Gewinnmitnahmen eingesetzt, füge Roelofs hinzu.

Das Volumen sei laut Mohr im Vergleich zur Vorwoche deutlich gestiegen. "Mit 8.000 Trades lagen wir in der Vorwoche am unteren Rand des Durchschnittsniveaus. In der abgelaufenen Woche waren es 10.700 Trades und damit etwas mehr als das Mittel", wisse der Händler. Kleefeld spreche ebenfalls von guten Umsätzen auf durchschnittlichem Niveau.

Gesucht seien in erster Linie Tracker der großen europäischen Aktienindices gewesen (ISIN LU0274211480 / WKN DBX1DA; ISIN DE0005933931 / WKN 593393; ISIN DE0005933956 / WKN 593395; ISIN DE000ETFL011 / WKN ETFL01; ISIN DE000ETFL029 / WKN ETFL02). "Aber auch breiter gestreute Indices wie der MSCI World (ISIN LU0274208692 / WKN DBX1MW; ISIN DE000A0HGZR1 / WKN A0HGZR) und Indices einzelner Schwellenländer (ISIN LU0292107645 / WKN DBX1EM; ISIN IE00B53SZB19 / WKN A0YEDL) waren gesucht", füge Kleefeld hinzu. Gekauft worden seien laut Sengfelder zudem Dividendenprodukte wie etwa der ETFlab DAXplus® Maximum Dividend. Tracker der Short-Indices seien, wie Mohr berichte, hingegen verkauft worden (ISIN LU0392496856 / WKN ETF052; ISIN LU0292106753 / WKN DBX1SS).

Abgaben würden die Market Maker auch bei Renten-ETFs verzeichnen. "Die vermeintlich sicheren Anlagehäfen, die in den vergangenen Wochen immer wieder gesucht waren, kamen unter die Räder. Etwa der Eonia (ISIN LU0290358497 / WKN DBX0AN) oder der FED Funds (ISIN LU0321465469 / WKN DBX0A0)", berichte Kleefeld. Eingestiegen seien die Investoren jedoch in den italienischen Rentenmarkt und in Bond-Indices der breiten Eurozone (ISIN LU0290357333 / WKN DBX0AH; ISIN LU0290355717 / WKN DBX0AC). Sengfelder spreche zudem von überwiegenden Verkäufen bei deutschen Renten-Indexfonds (ISIN DE0006289481 / WKN 628948).

Laut Roelofs seien allerdings ETFs mit Unternehmensanleihen in der vergangenen Woche sehr stark nachgefragt worden - vor allem aus der Eurozone aber bitte ohne Banken. Zu den gesuchten Produkten hätten nach Auskunft des Händlers etwa der iShares Barclays Capital EURO Corporate Bond ex-Financials ( ISIN DE000A0YEEX4 / WKN A0YEEX) oder der Amundi ETF Euro Corporates (SIN FR0010754119/ WKN A0RNWE) gehört.

"Die Umsätze in Banken-ETFs haben gut ein Fünftel des gesamten Sektoren-Umsatzes ausgemacht. Damit waren die Banken der weitaus wichtigste Sektor der vergangenen Woche", berichte Mohr. Allerdings seien Käufe und Verkäufe dabei relativ ausgeglichen gewesen. Sengfelder verzeichne hingegen überwiegend Käufe von ETFs mit Bankaktien, unter anderem im iShares EURO STOXX Banks (DE) (ISIN DE0006289309 / WKN 628930).

Mohr beobachte vor allem in den defensiven Branchen Telekommunikation und Gesundheitswesen starke Zuflüsse. Auch Rohstoffunternehmen seien derzeit sehr beliebt. (31.07.2012/fc/a/e)






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