ETF-Handel: Ölförderer legen zu


07.12.16 08:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Wieder einmal lagen die Prognostiker daneben: Anders als befürchtete wurde das Ergebnis des Referendums in Italien an den Märkten gelassen hingenommen, so die Deutsche Börse AG.

"Das "Nein" war schon eingepreist", meine Florian Lenhard von der UniCredit. Vorab habe der DAX verloren, am Montag sei es kräftig nach oben gegangen, am Dienstagmittag liege der DAX bei 10.730 Punkten. "Italien wird weiter im Reformstau stecken, das bedeutet wiederum, dass die EZB an ihren Anleihekäufen noch lange festhalten wird", bemerke Frank Mohr von der Commerzbank.

Zu tun hätten die Händler derzeit viel: "Wir hatten vergangene Woche hohe Umsätze, und zwar auf beiden Seiten", erkläre Lenhard. Mohr spreche von einer "sehr guten Woche" mit insgesamt 34.000 Transaktionen. "Anders als in der Vorwoche war das Käufer/Verkäufer-Verhältnis fast ausgewogen."

Im Handel mit europäischen Aktien habe es keine klare Richtung gegeben: Kunden der Commerzbank hätten DAX- (ISIN LU0378438732 / WKN ETF001, ISIN DE0005933931 / WKN 593393, ISIN IE00B53QG562 / WKN A0YEDX, ISIN DE000ETFL011 / WKN ETFL01) und EURO STOXX-Tracker (ISIN DE0005933956 / WKN 593395, ISIN FR0007054358 / WKN 798328) gekauft und verkauft. Auch Lenhard melde für DAX-ETFs Zu- und Abflüsse, für EURO STOXX-ETFs aber einen leichten Verkaufsüberhang.

Positionierungen hätten bei der UniCredit in FTSE MIB-ETFs überwogen, die die Entwicklung der Mailänder Börse widerspiegeln würden. "Die niedrigeren Kurse wurden wohl als Einstiegsgelegenheit gesehen", meine der Händler. Der iShares FTSE MIB komme seit Montag vergangener Woche auf ein Plus von 6,5 Prozent.

Mohr habe unterdessen Positionierungen in MSCI World-ETFs beobachtet, ebenso wie im iShares Edge MSCI World Value Factor, ein Faktor-ETF mit Schwerpunkt Value-Aktien. Die zur Gruppe der Smart Beta-Indexfonds gehörenden Faktor-ETFs würden nach einem oder zwei Faktoren gewichtet, die höhere Renditen oder niedrigeres Risiko versprechen würden. Beispiele seien neben Value auch Minimum Volatility, also schwankungsarme Titel, Size, das heiße Aktien kleinerer und mittelgroßer Unternehmen, und Quality, also Aktien von Unternehmen besonderer Qualität. Nach einer guten Entwicklung von Minimum Volatility-ETFs in der ersten Jahreshälfte würden sich seit Jahresmitte Value-ETFs besonders gut entwickeln.

S&P 500-Indexfonds (ISIN IE00B6YX5C33 / WKN A1JULM, ISIN IE00B5BMR087 / WKN A0YEDG) hätten bei der UniCredit noch auf den Einkaufslisten gestanden, bei der Commerzbank hätten aber schon die Gewinnmitnahmen (ISIN LU0488316133 / WKN ETF012, ISIN IE00B5KQNG97 / WKN A1C19C, ISIN FR0010892224 / WKN A1C0B5) überwogen. Analysten würden derzeit darüber streiten, ob es am US-Markt wegen der von Trump angekündigten Konjunkturpakete und Steuersenkungen weiter nach oben gehen könnte, oder es sich um eine "Trump-Blase" handle, die bald platzen werde.

Zuletzt habe sich die "Trump-Rally" in den USA fortgesetzt, wenn auch mit nachlassendem Tempo. Der Dow Jones sei zu Wochenbeginn auf ein neues Rekordhoch von 19.274,85 Punkten geklettert, der breiter gefasste S&P 500 habe gestern bei 2.204,71 Zählern geschlossen - nur knapp unter dem jüngsten Rekordhoch.

Der nach der Einigung der OPEC auf Förderkürzungen deutlich gestiegene Ölpreis sorge für Interesse an ETFs, die die Energiebranche abbilden würden. Die Commerzbank berichte von Käufen in entsprechenden Produkten. Der Amundi MSCI World Energy, der die Entwicklung der großen Ölkonzerne abbilde, komme mit Dreimonatssicht auf ein Plus von 11,3 Prozent, in einem Jahr seien es sogar 22,1 Prozent. In den stets umsatzstarken Banken-ETFs hätten sich Mohr zufolge Zu- und Verkäufe die Waage gehalten. Käufe hätten in Industrie-ETFs dominiert. Bei der UniCredit hätten sich Anleger von Versicherungs-Indexfonds getrennt.

Im Anleihebereich gelte das Interesse zunehmend inflationsgebundenen Papieren, wie Dag Rodewald von der UBS berichte. "Das hängt mit der Wahl von Trump und steigenden Inflationserwartungen zusammen." Gesetzt werde etwa auf den UBS Barclays TIPS 1-10. Im Gegenzug würden US-Unternehmensanleihen abgestoßen, zum Beispiel mit dem UBS Barclays US Liquid Corporates hedged to Euro und dem UBS Barclays US Liquid Corporates 1-5 Year hedged to Euro (ISIN LU1048315243 / WKN A110QS).

Mohr beobachte anhaltend hohe Käufe von Geldmarkt-ETFs sowie kurzlaufenden Anleihen als Alternative zu Bankguthaben, auf die zum Teil Strafzinsen gezahlt werden müssten. Als Bespiel nenne er den Deka Deutsche Börse Eurogov Germany 1-3.

Lenhard melde Käufe in US-Staatsanleihen mit Laufzeiten von ein bis drei Jahren und - wie die UBS - Verkäufe von US-Unternehmensanleihen. Auf den Verkaufslisten der Kunden von UniCredit hätten zudem spanische Staatsanleihen gestanden, etwa mit dem iShares Spain Government Bond. Der habe mit dem Wiederanstieg der Renditeaufschläge für Europas Peripherieländer in den vergangenen Monaten deutlich verloren. (Ausgabe vom 06.12.2016) (07.12.2016/fc/a/e)