ETF-Handel: "Tauschoperationen bei US-Indexfonds"


16.10.24 11:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Zu Beginn der Quartalsberichterstattung in den USA überwiegt bei den Anlegerinnen und Anlegern im ETF-Handel der Optimismus, so die Deutsche Börse AG.

"Bei gut behaupteten Aktienmärkten hatten wir bei leicht rückläufigen Umsätzen ca. 70 Prozent mehr Käufe als Verkäufe", bilanziere Holger Heinrich von der Baader Bank. Frank Mohr von der Société Générale spreche von einer "recht guten Woche" und ebenfalls von einem Kaufüberhang. "Der fällt aber nicht mehr ganz so stark aus wie im Durchschnitt der vergangenen Monate".

Dominiert werde der Handel unverändert von dem starken Interesse an globalen und amerikanischen Aktienindizes, die bei der Société Générale 60 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen. Ein Grund dafür könnte laut Mohr die zunehmende Nachfrage nach Sparplänen sein, die oftmals zur Stärkung der Altersvorsorge eingesetzt würden. "Hier sind vor allem die breit diversifizierten Indizes gesucht", erkläre der Händler. Großes Kaufinteresse rufe der iShares Core MSCI World (ISIN IE00B4L5Y983) hervor. Heinrich berichte von Käufen des Xtrackers MSCI World ex USA (ISIN IE0006WW1TQ4) und des Amundi Prime All Country World (ISIN IE0003XJA0J9).

In den Reihen der US-Indexfonds sei es erneut zu starken Käufen des auch unter dem Namen "Spider" bekannten SPDR S&P 500 (ISIN IE00B6YX5C33) gekommen, während es bei vergleichbaren ETFs teilweise zu Abflüssen gekommen sei. "Es sieht so aus, als würde es hier gezielte Tauschoperationen geben", vermute Mohr mit Blick auf die schon vor knapp einem Jahr deutlich gesenkten Gebühren des "Spider". Seitdem habe sich die Zahl der verkauften ETFs fast verdoppelt, während viele Konkurrenzprodukte vergleichsweise moderate Zuwächse bei den verkauften Stückzahlen ausweisen würden.

In der vergangenen Woche hätten beim Vanguard S&P 500 (ISIN IE00B3XXRP09) und dem BNP Paribas Easy S&P 500 (ISIN FR0011550185) sogar die Verkäufe überwogen. "Die Kosten sind auch bei diesen Produkten sehr gering, aber gerade bei den institutionellen Anlegern zählt wahrscheinlich jeder Basispunkt an Gebühren", erkläre Mohr.

Die Trading-affine Kundschaft von Lang & Schwarz nutze aktuell vor allem die starken Schwankungen an den chinesischen Aktienmärkten. "Hier wird in beide Richtungen sehr viel gehandelt", berichte Andreas Schröer. Im Fokus stünden vor allem der iShares MSCI China A (ISIN IE00BQT3WG13) und der HSBC Hang Seng TECH (ISIN IE00BMWXKN31). Ebenfalls "sehr viel Geschäft auf beiden Seiten" registriere der Händler für den iShares Core MSCI EM IMI (ISIN IE00BKM4GZ66).

Bei den Umsätzen in Branchen-ETFs sei das Tech-Segment weiterhin klar führend. Mohr sehe bei unverändertem Kaufüberhang aber auch "einiges an Gewinnmitnahmen". Während der iShares S&P 500 Information Technology Sector (ISIN IE00B3WJKG14) und der Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data (ISIN IE00BGV5VN51) vorrangig gekauft würden, überwögen für den Amundi S&P Global Information Technology ESG (ISIN IE000E7EI9P0) die Abgaben.

Im aktuellen Umfeld wecke erhöhtes Interesse die Anleihen-ETFs. Fleißig gehandelt würden neben den seit vielen Monaten sehr beliebten "Overnight-Produkten" (ISIN LU0290358497 und ISIN SR0010510800) auch Indexfonds, die auf langlaufende Bonds abzielen. Mohr melde einige Käufe des iShares USD Treasury Bond 20+yr (ISIN IE00BD8PGZ49) und des Amundi US Treasury Bond 7-10Y (ISIN LU1407888137). "Hier scheint sich alles ein bisschen Richtung USA zu bewegen".

Bei den Kryptowährungen halte sich das Interesse aktuell weitestgehend in Grenzen. Einige Anlegerinnen und Anleger nutzen die relativ hohe Volatilität dieses Segments aber weiterhin für Investitionen. Ivo Orlemann, Händler bei der ICF Bank, berichte von Käufen des 21Shares Ripple XRP (ISIN CH0454664043). Dieser Indexfonds habe sich auf Jahressicht unter dem Strich kaum bewegt, biete bei einer Schwankungsbreite von 11 bis 19 Euro aber immer wieder Möglichkeiten für kurzfristige Trades.

Das Segment der aktiv gemanagten ETFs sei mit einem Anteil von rund zwei Prozent am gesamten europäischen ETF-Vermögen noch ein Nischenmarkt. Ivan Durdevic von J.P. Morgan Asset Management sehe hier aber großes Potenzial.

"Nachdem sich die aktiven ETFs zunächst bei professionellen Investoren etabliert haben, lässt sich nun eine stark wachsende Nachfrage auch bei Privatanlegerinnen und -anlegern erwarten". Als entscheidende Vorteile sehe er die "Kombination eines aktiven Managements mit der Flexibilität, Benutzerfreundlichkeit sowie den geringeren Kosten des ETF-Mantels". An Auswahl mangele es dabei nicht. Seit 2020 seien weltweit mehr aktive als passive ETFs aufgelegt worden, in den vergangenen fünf Jahren habe sich der Markt für aktive ETFs fast jährlich verdoppelt.

Mohr berichte aus dem Handel der Société Générale, dass die aktiven ETFs tatsächlich "deutlich mehr gehandelt" würden, an die Top-Umsätze der klassischen Indexfonds aber "noch nicht heranreichen". Relativ stark nachgefragt sei zuletzt vor allem der auf Allzeithoch notierende JPM US Research Enhanced Index Equity (ESG) gewesen. Hier solle auf lange Sicht durch einen "fundamentalen Bottom-up-Titelauswahlprozess" der S&P 500 (TR) als Benchmarkt outperformt werden (ISIN IE00BF4G7076). (Ausgabe vom 15.10.2024) (16.10.2024/fc/a/e)






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