ETF-Handel: "Umschwenken auf europäische Aktien"


17.05.22 17:05
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Zwar geht es am heutigen Dienstag wieder mit Schwung nach oben am Aktienmarkt, so die Deutsche Börse AG.

Insgesamt bleibe die Lage aber höchst wackelig. Das mache sich auch im ETF-Geschäft bemerkbar. Frank Mohr von der Société Générale berichte von einem mittlerweile ausgeglichenen Verhältnis von Käufen zu Verkäufen in den vergangenen Handelstagen - anders als in den Vorwochen, als noch die Käufe dominiert hätten. "Angesichts der Markbewegungen ist das allerdings nicht überraschend."

Bei der BNP Paribas seien die Flow-Listen diesmal sogar tiefrot und würden starke Abflüsse aus Aktien- und Anleihen-ETFs zeigen. "Die Kurse von Risikoanlagen fallen, und sie haben allen Grund dazu", bemerke BNP-Händler Hubert Heuclin. Der DAX stehe am Dienstagmittag bei 14.170 Punkten und habe sich vom Tief um 13.400 Anfang vergangener Woche damit klar erholt. Anfang des Jahres seien es allerdings noch über 16.000 Punkte gewesen.

Speziell weltweit engagierte ETFs mit Industrie- und Schwellenländeraktien würden von Kunden der BNP Paribas derzeit im großen Stil abgestoßen. Betroffen seien vor allem MSCI ACWI-Tracker von der UBS, wie Heuclin melde. "Wollen vermögende Schweizer Kunden ihr Geld zurück, um einen schönen Urlaub in Saint Tropez zu machen?", frage sich der Händler. Was Welt-Tracker angehe, sehe er allenfalls für MSCI World Minimum Volatility- und MSCI World Value-Produkte noch Zuflüsse.

Mohr melde vor allem hohe Umsätze bei US-Trackers, gefolgt von MSCI World-Indexfonds - in beiden Fällen mit mehr Abgaben. Auf den Verkaufslisten stünden zum Beispiel S&P 500-ETFs von iShares mit Währungsabsicherung und ohne (ISIN IE00B5BMR087 / WKN A0YEDG) ebenso wie MSCI World-ETFs von HSBC und iShares. Für den MSCI World-ETF von iShares melde auch Maurice Touma von Lang & Schwarz hohe Umsätze. "Als der Kurs unter 70 Euro fiel, sind viele eingestiegen. Das ist offenbar eine wichtige Schwelle für Privatanleger."

Laut Mohr würden ETFs, die europäische Aktien (ISIN DE0005933956 / WKN 593395) abbilden würden, zwar weniger gehandelt, aber tendenziell gekauft. "Nach den Abflüssen der vergangenen Wochen scheint das ein Umschwenken zu sein." Auch bei der BNP Paribas sei der iShares Core EURO STOXX 50 gesucht.

Außerdem würden Schwellenländeraktien gut ankommen. "Emerging Markets- und Asien-ETFs sind bei uns aktuell sehr gefragt", stelle Touma fest.

Auch Schwellenländeraktien könnten sich dem Negativtrend nicht entziehen. So komme der 3,6 Milliarden Euro schwere iShares MSCI Emerging Markets (ISIN IE00B0M63177 / WKN A0HGWC) in diesem Jahr auf ein Minus von 9 Prozent. Auch auf Fünfjahressicht falle die Ausbeute mit einem Plus von 2,9 Prozent im Jahr bescheiden aus. Zum Vergleich: Der iShares Core MSCI World komme in diesem Jahr zwar auf einen ähnlichen Verlust, auf Fünfjahressicht stehe er mit einem Plus von 10,4 Prozent im Jahr aber viel besser da.

Was Branchen-ETFs angehe, würden sich Société Générale-Kunden vor allem für Energie-, Technologie- und Immobilienwerte interessieren. Energieaktien (ISIN IE00BM67HM91 / WKN A113FF; ISIN IE00B6R51Z18 / WKN A1JKQL) würden eher gekauft, Technologie- und auch Immobilienaktien hingegen abgestoßen. Betroffen von den Verkäufen seien etwa der iShares MSCI World Information Technology, der Invesco CoinShares Global Blockchain, der L&G ROBO Global Robotics and Automation sowie der iShares European Property Yield und das Pendant für den US-Immobilienmarkt. Der US-Technologieindex Nasdaq 100 habe seit Jahresanfang mittlerweile fast 26 Prozent an Wert verloren.

Im Anleihenbereich sei Inflationsschutz weiter großes Thema. Die hohen Preissteigerungsraten würden Anleger auf inflationsgebundene Anleihen setzen lassen, etwa mit dem Lyxor EUR 2-10Y Inflation Expectations, wie Mohr berichte. Der ETF habe in diesem Jahr immerhin um 12 Prozent zulegen können. Heuclin zufolge würden solche Produkte aber mittlerweile von vielen auch schon wieder verkauft.

Außerdem würden bei Société Générale-Kund*innen Staatsanleihen aus den Portfolios fliegen, etwa solche aus der Eurozone (ISIN IE00BH04GL39 / WKN A2PA8D; ISIN IE00B3S5XW04 / WKN A1JJTP). Vom Favoriten zum Paria seien chinesische Staatanleihen geworden: Heuclin melde hohe Abflüsse aus dem iShares China CNY Bond und ähnlichen Produkten.

"Wenig um geht derzeit in Unternehmensanleihen", ergänze Mohr. BNP-Kunden würden sich aber auch von Corporates, von klassischen europäischen oder US-amerikanischen Papieren, aber auch von Fallen Angels trennen, etwa mit dem iShares Fallen Angels High Yield Corp Bond.

Der Absturz des Stable-Coin Terra entfache viel Unruhe im Handel mit Krypto-ETNs. Terra sei seit vergangenem Freitagabend quasi wertlos. Die eigentlich angelegte Parität zum US-Dollar habe nicht gehalten werden können. Auch andere Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum hätten stark an Wert verloren. "Es gab einiges an Panikverkäufen bei Bitcoin- und Ethereum-Produkten", berichte Touma. Der Kurs des umsatzstarken Bitcoin-Trackers BTCetc - ETC Group Physical Bitcoin sei auf das Niveau vom vergangenen Sommer zurückgefallen. Der 21Shares Terra sei mittlerweile vom Handel ausgesetzt. (17.05.2022/fc/a/e)






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