ETF-Handel: Wachsende Skepsis


05.02.13 15:47
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Mit dem Kursrutsch an den Börsen hat sich das Blatt auch im ETF-Geschäft gewendet: DAX-, EURO STOXX 50- oder MSCI-USA-Tracker - alles stand plötzlich wieder auf den Verkaufslisten, so die Deutsche Börse AG.

Frank Mohr von der Commerzbank spreche von Gewinnmitnahmen. Von einem Ausverkauf könne allerdings nicht die Rede sein: "Das Volumen gestern war nicht so hoch wie vergangene Woche", bemerke Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank. "Und in den Dip hinein wagten sich schon wieder ein paar Mutige vor und kauften." Sorgen um Spanien und Italien hätten die Aktienkurse gestern auf Talfahrt geschickt; Auslöser seien Korruptionsvorwürfe gegen die Partei von Spaniens Ministerpräsident Rajoy und offenbar steigende Wahlchancen für den italienischen Ex-Präsidenten Berlusconi gewesen.

In der vergangenen Woche habe indes noch eitler Sonnenschein geherrscht: "Die US-Indices Dow Jones und S&P 500 kletterten sogar auf Fünf-Jahres-Hochs", erkläre Florian Perini von Flow Traders. Aktien-ETFs seien gekauft worden - und zwar querbeet. Dabei seien die Umsätze hoch gewesen. "Wir hatten 14.000 Trades, das ist eine ordentliche Zahl", meine Mohr. Auffällig sei, dass die einzelnen Aufträge kleiner würden. "ETFs halten offenbar zunehmend Einzug ins Privatkundengeschäft." Auch Kleefeld melde gute Volumina bei anhaltend hoher Risikofreude: "Es galt weiter der risk-on-Modus, bis gestern." Werde der gestrige Montag eingerechnet, sei das Bild bereits gemischt: "In den vergangenen fünf Handelstagen gab es keine klare Richtung in den einzelnen Produktgruppen", erkläre Perini.

Laut Commerzbank hätten Anleger vergangene Woche bei DAX-, EURO STOXX 50-, MSCI USA-, MSCI World- und MSCI Japan-Trackern (ISIN LU0378438732 / WKN ETF001; ISIN LU0378434079 / WKN ETF050; ISIN DE000A1H53M7 / WKN A1H53M; ISIN DE000A0HGZR1 / WKN A0HGZR; ISIN DE000A0DPMW9 / WKN A0DPMW) noch beherzt zugegriffen. "Ein regionaler Schwerpunkt war nicht zu erkennen, alles wurde gekauft." Die Deutsche Bank habe besonderes Interesse an EURO STOXX-, MSCI World-, Emerging Markets- und Japan-Trackern ausgemacht. "Verkauft wurde eher Defensives, etwa der skandinavische Aktienmarkt", erkläre Kleefeld. Eva Weiß von der DekaBank zufolge hätten sich Investoren vor allem auf DAX- und EURO STOXX-Produkte konzentriert.

In den in den Wochen davor noch extrem beliebten Banken-ETFs (ISIN DE0006289309 / WKN 628930) sei das Geschäft ausgeglichen gewesen, wie Mohr außerdem melde. Weitere Zuflüsse seien hingegen in Finanzdienstleister-Indexfonds zu beobachten gewesen. In Grundstoff-ETFs hätten ebenfalls Positionierungen dominiert, während Immobilienfonds (ISIN LU0378436793 / WKN ETF074) meist abgestoßen worden seien. Laut Kleefeld hätten sich Anleger auch im Sektorenbereich von Defensivem getrennt: "Health Care-ETFs wurden verkauft." Der Indexfonds, der die Entwicklung von Unternehmen aus der Gesundheitsbranche nachzeichne, habe in den letzten Monaten vom Kurs her zwar gut zugelegt, bleibe aber hinter breit aufgestellten ETFs deutlich zurück.

Weiterhin würden sich Anleger - trotz Hausse an den Börsen - stark für Anleihen-ETFs interessieren. Dabei setzte sich der Trend der Vorwochen fort: weg mit den als sicher geltenden Bundesanleihen. "In Bundesanleihen-ETFs (ISIN DE0006289465 / WKN 628946) wurden alle Laufzeiten abgegeben ", berichte Mohr. Stattdessen sei auf risikoträchtigere Staats- beziehungsweise Unternehmensanleihen gesetzt worden. Ins Portfolio gelegt hätten sich Anleger etwa ETFs auf europäische Staatsanleihen und auch High Yield-Papiere. Die DekaBank habe ebenfalls Abflüsse aus Bundesanleihen beobachtet: "Das Geld floss aber in Aktien-ETFs", erkläre Weiß.

Die Deutsche Bank berichte noch von Abgaben im iShares JPMorgan US-Dollar Emerging Markets Bond Fund (ISIN DE000A0RFFT0 / WKN A0RFFT). Der Schwellenländer-Staatsanleihen-ETF, der ohnehin seit vergangenem Sommer nur eine Seitwärtsbewegung hingelegt habe, habe in den vergangenen Monaten stark an Wert verloren, auf die vergangenen drei Monate gerechnet summiere sich das Minus auf 7,3 Prozent. (05.02.2013/fc/a/e)