ETF-Handel: Zinsängste und Konjunktursorgen belasten Aktienmärkte


12.04.22 11:02
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die Sorge vor stark steigenden Zinsen in den USA, den Folgen des Lockdowns in China und des Krieges in der Ukraine belasten die Aktienmärkte, so die Deutsche Börse AG.

Der DAX falle zeitweise unter die 14.000er Marke. Die US-Notenbank FED habe in der vergangenen Woche kräftige Zinserhöhungen signalisiert. Damit wolle sie die Inflation bekämpfen. Am heutigen Nachmittag werde aus den USA nach Konsensschätzungen von Volkswirten eine Rekordinflation von 8,3 Prozent für März gemeldet werden müssen.

"Die Zeichen für den Aktienmarkt sind sehr verhalten - der Zinsanstieg ist ein ganz wichtiges Thema, zudem drücken Konjunktursorgen auf die Stimmung", sage Frank Mohr von der Société Générale. Hinzu komme die Berichtssaison: "Der eine oder andere vorsichtige Ausblick angesichts der Unsicherheiten kann sich in jeder Branche, in jeder Industrie, zeigen." Es sei ganz schwer abschätzbar, wie sich die Unternehmen zu ihren Gewinnperspektiven äußern würden. "Unsicherheit prägt den Markt", fasse der Experte zusammen.

Hubert Heuclin von der BNP Paribas verweise auf steigende Renditen der Anleihen: Die inflationsbereinigte US-Benchmark-Rendite sei innerhalb eines Monats um mehr als 70 Basispunkte gestiegen und liege nun nur noch gut 20 Basispunkte vom positiven Bereich entfernt. "Steigende Realrenditen schmälern das positive Umfeld für Risikoanlagen", kommentiere Heuclin. Der Renditeanstieg, von der FED getrieben, sei einer der Hauptgründe dafür, dass der Aktienmarkt diese Woche ins Wanken geraten sei. "Eine Rückkehr über die Nulllinie würde das Argument entkräften, dass es keine Alternative zu Aktien gibt, und würde zumindest die Erwartung weiterer Volatilität bei Risikoanlagen verstärken."

Indessen sei die Stimmung eingebrochen. Der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen falle im April von -39,3 auf -41. Die Lage verschlechtere sich zugleich von -21,4 auf -30,8. "Die Zahlen fallen zwar etwas besser aus als erwartet, dennoch liefern sie eine negative Indikation für das kommende ifo-Geschäftsklima", kommentiere Ulrich Wortberg von der Helaba. Die Arbeit der EZB werde mit den eingetrübten Konjunkturperspektiven nicht einfacher, denn sie stehe wegen der sehr hohen Inflation unter Druck, von ihrer expansiven Geldpolitik abzurücken.

Im ETF-Handel dominiere mit Abstand die Nachfrage nach weltweit investierten Aktien-Trackern. Mohr verzeichne in den Top 10 neun Aktien-ETF, darunter der Shares Core MSCI World UCITS, der Lyxor MSCI World UCITS sowie der in Euro abgesicherte Lyxor MSCI World UCITS ETF - Monthly Hedged to EUR.

Der US-Aktienmarkt werde von Mohrs Kund*innen vor allem über den Amundi Index S&P 500 UCITS und den Shares Core S&P 500 UCITS (ISIN IE00B5BMR087 / WKN A0YEDG) in die Depots geholt. "Hier dominieren überall Käufe", kommentiere Mohr. Die unsichere Marktlage spiegele sich derzeit wenig wieder. "Anleger bleiben im Markt, investieren allerdings gestreuter."

Maurice Touma von Lang & Schwarz sehe ebenfalls eine anhaltende Dominanz der Aktien-Tracker, die global oder auf den S&P 500 ausgerichtet seien. Parell würden taktisch agierende Kund*innen auf Rücksetzer der NASDAQ spekulieren und in den WISDOMTREE NASDAQ 100 3X DAILY SHORT ETC (ISIN IE00BLRPRJ20 / WKN A3GL7D) investieren.

Auch Heuclin registriere die größten Zuflüsse in globale Aktien-Indices. Die Liste der meistgehandelten Titel würden der UBS ETF MSCI ACWI sowie der UBS ETF MSCI ACWI anführen. Auch in Unternehmen vielerer anderer Regionen gebe es bei der BNP Paribas Zuflüsse. Verkauft würden jedoch Tracker europäischer Aktien und der Eurozone, etwa der iShares Core EURO STOXX 50 UCITS.

Mit 25 Prozent des Gesamtvolumens dominiere bei der Société Générale der Technologiesektor. Darunter werde mit dem iShares Digital Security UCITS vor allem ein Themen ETF Digital Security gekauft. Zuflüsse verzeichne Mohr auch in Aktien aus Energie- und Gesundheitssektor.

Ungebrochen hoch sei die Nachfrage nach nachhaltigen Anlagemöglichkeiten. Diese Nachfrage umfasse breit gestreute Investments wie den iShares Global Clean Energy UCITS oder das Invesco-Pendant Invesco Global Clean Energy UCITS (ISIN IE00BLRB0242 / WKN A2QGZV), aber auch Themen wie Wasserstoff mit dem VanEck Hydrogen Economy UCITS (ISIN IE00BMDH1538 / WKN A2QMWR) oder Ernährung, zu dem der Rize Sustainable Future of Food gekauft werde. Bei Lang & Schwarz dominiere unter den nachhaltigen ETFs ebenfalls der iShares Global Clean Energy UCITS.

Große Bewegungen verzeichne Touma in Rohstoffverbreifungen. Vor allem werde der WisdomTree Natural Gas 3x Daily Leveraged verkauft. "Hier nutzen die Anleger die Höchststände seit 2008 aktuell zum Ausstieg." Es gäbe zugleich aber viele Neueinsteiger*innen. Im Zuge der Entwicklungen des Erdgaspreises gäbe es bei Lang & Schwarz auch mehr Bewegungen bei Öl-ETFs, in beide Richtungen. So stelle Touma mehr Orders beim WisdomTree WTI Crude Oil 2x Daily Leveraged fest. Die Suche nach Alternativen zu Gold schlage sich nach hoher Nachfrage nach Palladium nieder, etwa nach dem WisdomTree Physical Palladium.

Die Rentenmärkte hätten zuletzt einen Ausverkauf erlebt. Martin Hartmann von der Commerzbank führe diese Entwicklung auf die Inflationsängste zurück. Die Renditen von Staatsanleihen aller Laufzeiten seien gestiegen.

Heuclin stelle Nachfrage nach US-Unternehmensanleihen mit Käufen des iShares USD Corp Bond UCITS und des iShares USD High Yield Corp Bond fest. Verkauft würden hingegen Zinstitel der Eurozone, was sich im iShares Core EUR Corp Bond zeige. Unter den Staatspapieren würden Titel der Emerging Markets wie Kurzläufer der USA dominieren. So liste Heuclin Zuflüsse beim iShares J.P. Morgan USD EM Bond (ISIN IE00BYXYYK40 / WKN A2DN9U) und beim iShares USD Treasury Bond 1-3yr.

Mohr zeichne ein ähnliches Bild. US-Treasuries mit Laufzeit ein bis drei Jahre (ISIN IE00B14X4S71 / WKN A0J202) stünden auf der Kaufseite, europäische Staatstitel (ISIN LU1681046774 / WKN A2H58E) auf der Verkaufsseite. Das Inflationsthema sei auch und gerade bei Anleihen-ETFs präsent. So stelle Mohr fest, dass seine Kund*innen vor allem in den Lyxor EUR 2-10Y Inflation Expectations investieren würden. Eine gewisse Risikobereitschaft zeige sich bei Käufen hochrentierlicher Titel, darunter sei der SPDR Barclays Euro High Yield Bond. (12.04.2022/fc/a/e)





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