ETF-Handel: Zinsspekulationen belasten


10.06.15 09:32
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Eins ist klar: So gut weg wie noch vor wenigen Wochen gehen Aktien-ETFs mittlerweile nicht mehr, so die Deutsche Börse AG.

Im Handel mache sich die schlechtere Stimmung an den Börsen bemerkbar. Nun sei der DAX sogar unter die 11.000 Punkte-Marke gerutscht, am Dienstagmittag notiere er bei nur noch 10.880 Zählern, seit dem Allzeithoch vom April bei 12.390,80 habe der Index somit 1.500 Punkte verloren.

"Eine Trendwende ist das aber nicht", kommentiere Frank Mohr von der Commerzbank. Investoren hätten sich überwiegend gelassen gezeigt. "Panikverkäufe sehen wir nicht." Für die vergangene Woche melde er einen kleinen Verkaufsüberhang bei Aktien-ETFs.

"Nach dem 'Wechselbad der Gefühle' in der Vorwoche herrscht nun weitgehend Verkaufslaune am Aktienmarkt", erkläre unterdessen Marcel Sattler von der ICF Bank. Auch Gregor Hamme von der Unicredit Group sehe überwiegend Abgaben. "Da werden Gewinne mitgenommen." Hamme zufolge sei das Handelsaufkommen etwas zurückgegangen. Gregory Guerrand von der BNP Paribas spreche von einer "ruhigen" Handelswoche. Mohr melde hingegen 34.000 Trades auf Wochensicht. "Das ist angesichts des Feiertags schon sehr gut."

Laut Hamme würden sich Anleger vor allem von europäischen Aktien, also EURO STOXX 50- und DAX-Indexfonds verabschieden. "Es wurden viele Stopp Loss-Limits ausgelöst." Generell seien Kunden nervöser geworden. US-Aktien seien weniger betroffen. "Massiv sind die Abgaben aber nicht." Die heftigen Bewegungen würden Kurzfrist-Trader auf den Plan rufen: Sattler melde Käufe in Short-Produkten wie dem ETFS DAX Daily 2x Short bei gleichzeitigen Abgaben in klassischen DAX-Trackern.

Die BNP Paribas berichte für die Vorwoche noch von kleinen Zuflüssen in europäischen Aktien, etwa mit dem STOXX Europe 600 THEAM Easy.

Bei der Commerzbank hätten sich Zu- und Abflüsse von DAX- und EURO STOXX-Trackern die Waage gehalten, mit einem leichten Käuferüberhang bei DAX-ETFs und einem Verkäuferüberhang bei EURO STOXX 50-ETFs. S&P 500-ETFs hätten meist auf den Abgabelisten gestanden. "Der Spruch 'Sell in May' hat sich wieder einmal bestätigt", bemerke Mohr. Er gehe davon aus, dass es nach der Sommerpause wieder aufwärts gehen werde.

Umsatzstark würden sich in dieser Woche ETFs präsentieren, die an türkische Aktien gekoppelt seien. Der Grund: Bei den Parlamentswahlen in der Türkei am Sonntag habe die islamisch-konservative AKP von Präsident Erdogan die absolute Mehrheit verloren und müsse nun einen Koalitionspartner finden. Es herrsche Unsicherheit im Land, die Börsen hätten mit Verlusten reagiert. Ob die Kurse wieder steigen oder noch weiter sinken würden, darüber würden die Meinungen auseinandergehen: "Bei uns wird ge- und verkauft", erkläre Mohr mit Blick auf den Lyxor Turkey. Hammes Kollege Stefano Valenti sehe lediglich einige Käufer.

Guerrand zufolge würden sich Investoren in asiatischen Aktien positionieren. "Es ist aber die Region als Ganzes, auf die gesetzt wird. Chinesische und südkoreanische Aktien werden eher verkauft", konkretisiere der Händler.

Bei der Unicredit werde auch in Schwellenländer-Indexfonds Kasse gemacht, wie Hammes Kollege Stefano Valenti beobachte. "Das betrifft alle Regionen und hängt mit den steigenden Zinsen zusammen." Betroffen seien auch die zuletzt sehr gesuchten indischen Aktien.

Im Handel mit Branchen-ETFs gebe es wieder einmal einen klaren Favoriten: Die Banken, und hier vor allem der iShares Euro Stoxx Banks, der auch auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage den ungewöhnlich hohen sechsten Platz belege. Unicredit, Commerzbank und BNP Paribas würden Käufe melden.

Bei Commerzbank und BNP Paribas hätten Anleger außerdem zu Technologie-ETFs gegriffen und sich von Immobilien-Indexfonds getrennt. Guerrand nenne den zuvor stark gesuchten FTSE EPRA Eurozone THEAM Easy (ISIN LU0192223062 / WKN A0ERY9) als Beispiel.

Aufgrund des signifikanten Zinsanstiegs in den vergangenen Wochen sei zudem viel los in Anleihen-ETFs. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liege aktuell bei 0,86 Prozent, in der Vorwoche seien es zwischenzeitlich sogar 0,99 Prozent gewesen - ein großer Sprung gegenüber dem Rekordtief von 0,05 Prozent vom April.

Zuletzt hätten starke Daten vom US-amerikanischen Arbeitsmarkt Spekulationen auf eine frühe US-Zinswende geschürt. Laut Ciriaco Carrozino von der Unicredit würden Anleger aus ETFs mit Staats- und Unternehmensanleihen aussteigen. Gesetzt werde auf Produkte wie den Lyxor Daily Double Short Bund, mit dem Anleger von einem fallenden Euro-Bund-Future gleich doppelt profitieren würden.

Bei der Commerzbank hätten Anleihen-ETFs 23 Prozent am Gesamtumsatz ausgemacht - vergleichsweise viel. "Das liegt vor allem an Käufen im Deka Deutsche Börse Eurogov Germany 5-10 und im Deka Deutsche Börse Eurogov Germany 10+ (ISIN DE000ETFL219 / WKN ETFL21)", erkläre Mohr. Beide Indexfonds hätten zuletzt an Wert verloren; so manchem gehe die Korrektur offenbar zu weit. (Ausgabe vom 09.06.2015) (10.06.2015/fc/a/e)





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