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ETFs: Chancen und Risiken der passiven Anlage
15.01.25 12:30
Berenberg
Hamburg (www.fondscheck.de) - Passives Investieren setzt seinen Erfolg ungebrochen fort, so die Experten von Berenberg.
Allein im Jahr 2024 hätten passive Anlagen einen globalen Nettozufluss von ca. 1,1 Billionen US-Dollar verzeichnet. So erfreulich die Entwicklung einer stärkeren Aktienkultur und breiten Partizipation an Unternehmensgewinnen auch sei, würden immer mehr akademische Studien auf die "Schattenseiten" von Exchange Traded Funds (ETFs) und Co. verweisen. Jüngste Studien würden untermauern, dass Index-Investments die Liquidität bei Einzelaktien reduzieren, die Volatilität von Einzelaktien erhöhen, zu einer höheren Indexkonzentration führen, die Bewertungen in die Höhe treiben und den Markt insgesamt anfälliger für Schocks machen würden. Diese Befunde decken sich mit unseren eigenen Analysen der letzten Jahre, so die Experten von Berenberg.
Die Dominanz passiver Anlagen verändere die Marktstruktur grundlegend. Anleger und Unternehmen würden kurz- bis mittelfristig von der ETF-Begeisterung profitieren, aber die langfristigen Risiken wie Überbewertungen und erhöhte Fragilität sollten nicht unterschätzt werden. Würden externe Schocks ausbleiben, dürften die US-Märkte, insbesondere die in vielen Indizes/ETFs vertretenen Mega Caps, und die Bewertungen liquiditätsgetrieben weiter steigen.
Allerdings seien die Märkte seit der Finanzmarktkrise strukturell fragiler geworden. Dies sei auf eine Rückkopplungsschleife zurückzuführen, bei der sich Investoren in eine begrenzte Anzahl von Momentum-Trades (insbesondere Marktkapitalisierungs gewichtete ETFs) stürzen würden und dann beim Ausstieg (wenn Liquidität am dringendsten benötigt werde) mit einem Mangel an Handelsliquidität konfrontiert seien. Verstärkt werde dieser Effekt noch dadurch, dass börsennotierte Unternehmen die undifferenzierte Nachfrage nach Aktien durch passive Flows für sich ausnutzen und Aktien bei steigenden Märkten abstoßen würden. Allerdings gelte das Umgekehrte in dem Ausmaß nicht: Die Unternehmen würden bei fallenden Märkten Aktien weit weniger kaufen. In der Folge komme es zu einer strukturellen Verschiebung hin zu einer leptokurtischen Renditeverteilung mit so genannten "Fat Tails". Solche Verteilungen hätten höhere Eintrittswahrscheinlichkeiten von einerseits geringen positiven oder negativen Renditen und andererseits sehr hohen positiven oder negativen Renditen. Längere Phasen der Ruhe mit moderaten Renditen würden sich mit Volatilitätsschocks und extremen Renditen abwechseln.
Solange ETFs insgesamt weiterhin Zuflüsse verzeichnen würden, bleibe die Wahrscheinlichkeit von schnellen Erholungen (V-Erholungen) nach Korrekturen hoch, die von nicht-fundamentalen Zuflüssen in Aktien getrieben würden. Entsprechend dürften sich Momentum-Strategien weiterhin positiv entwickeln. Für Anleger sei es zudem sinnvoll, Aktien zu halten, die eine hohe Index-Inklusionsrate aufweisen würden, um von den nicht-fundamentalen Flows zu profitieren. Irgendwann in den nächsten Jahren werden wir jedoch demographisch bedingt einen Wendepunkt bei diesen Zuflüssen sehen, so die Experten von Berenberg. Dann dürften vor allem die Aktien, die stark in Indizes vertreten seien, unter Druck geraten. Flexible, aktive Strategien könnten von diesen Ineffizienzen profitieren. (Ausgabe vom 14.01.2025) (15.01.2025/fc/a/e)
Allein im Jahr 2024 hätten passive Anlagen einen globalen Nettozufluss von ca. 1,1 Billionen US-Dollar verzeichnet. So erfreulich die Entwicklung einer stärkeren Aktienkultur und breiten Partizipation an Unternehmensgewinnen auch sei, würden immer mehr akademische Studien auf die "Schattenseiten" von Exchange Traded Funds (ETFs) und Co. verweisen. Jüngste Studien würden untermauern, dass Index-Investments die Liquidität bei Einzelaktien reduzieren, die Volatilität von Einzelaktien erhöhen, zu einer höheren Indexkonzentration führen, die Bewertungen in die Höhe treiben und den Markt insgesamt anfälliger für Schocks machen würden. Diese Befunde decken sich mit unseren eigenen Analysen der letzten Jahre, so die Experten von Berenberg.
Allerdings seien die Märkte seit der Finanzmarktkrise strukturell fragiler geworden. Dies sei auf eine Rückkopplungsschleife zurückzuführen, bei der sich Investoren in eine begrenzte Anzahl von Momentum-Trades (insbesondere Marktkapitalisierungs gewichtete ETFs) stürzen würden und dann beim Ausstieg (wenn Liquidität am dringendsten benötigt werde) mit einem Mangel an Handelsliquidität konfrontiert seien. Verstärkt werde dieser Effekt noch dadurch, dass börsennotierte Unternehmen die undifferenzierte Nachfrage nach Aktien durch passive Flows für sich ausnutzen und Aktien bei steigenden Märkten abstoßen würden. Allerdings gelte das Umgekehrte in dem Ausmaß nicht: Die Unternehmen würden bei fallenden Märkten Aktien weit weniger kaufen. In der Folge komme es zu einer strukturellen Verschiebung hin zu einer leptokurtischen Renditeverteilung mit so genannten "Fat Tails". Solche Verteilungen hätten höhere Eintrittswahrscheinlichkeiten von einerseits geringen positiven oder negativen Renditen und andererseits sehr hohen positiven oder negativen Renditen. Längere Phasen der Ruhe mit moderaten Renditen würden sich mit Volatilitätsschocks und extremen Renditen abwechseln.
Solange ETFs insgesamt weiterhin Zuflüsse verzeichnen würden, bleibe die Wahrscheinlichkeit von schnellen Erholungen (V-Erholungen) nach Korrekturen hoch, die von nicht-fundamentalen Zuflüssen in Aktien getrieben würden. Entsprechend dürften sich Momentum-Strategien weiterhin positiv entwickeln. Für Anleger sei es zudem sinnvoll, Aktien zu halten, die eine hohe Index-Inklusionsrate aufweisen würden, um von den nicht-fundamentalen Flows zu profitieren. Irgendwann in den nächsten Jahren werden wir jedoch demographisch bedingt einen Wendepunkt bei diesen Zuflüssen sehen, so die Experten von Berenberg. Dann dürften vor allem die Aktien, die stark in Indizes vertreten seien, unter Druck geraten. Flexible, aktive Strategien könnten von diesen Ineffizienzen profitieren. (Ausgabe vom 14.01.2025) (15.01.2025/fc/a/e)


