ETFs das Pulver trocken halten


02.08.11 14:52
Deutsche Börse AG

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Der im US-Finanzstreit erzielte Kompromiss überzeugt die Anleger offenbar nicht, so die Deutsche Börse AG.

Vielmehr würden sie sich nun sorgen, dass die beschlossenen Sparmaßnahmen die ohnehin labile US-Wirtschaft weiter schwächen könnten. Außerdem sei der Verlust der AAA-Benotung nicht vom Tisch. Zu allem Übel sei der ISM-Einkaufsmanagerindex, ein wichtiger US-Frühindikator, im Juli unerwartet stark gefallen und notiere nur noch knapp über der Linie, die Wachstum signalisiere. Der DAX habe daher am Montag um fast 3 Prozent nachgegeben und sei auf den tiefsten Stand seit März gesackt, auch heute setze sich die Talfahrt fort - allerdings weniger rasant.

Daran könnten gute Unternehmenszahlen, etwa von BMW, Fresenius und der Deutschen Post, nichts ändern. Die Nervosität schlage sich auch im ETF-Handel nieder: "Der Markt hat sich gestern extrem gedreht", berichte Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank. In der vergangenen Woche hätten Anleger noch eine Schuldenausweitung erwartet und quer Beet alles gekauft, gestern habe es hingegen ganz anders ausgesehen. "Alles wurde verkauft, lediglich bei Short-ETFs gab es Zuflüsse", melde der Händler. Die Märkte seien extrem verunsichert. "Jeder ist einigermaßen froh, wenn das Portfolio unter Kontrolle bleibt." Die Umsätze sowohl der vorigen als auch dieser Woche bezeichne der Händler als "sehr gut".

Im Zweifel für den DAX, so laute weiterhin das Motto der ETF-Anleger. "Ein Drittel der Umsätze erfolgte in DAX-Produkten, dabei handelte es sich insgesamt fast nur um Käufe", erkläre Frank Mohr von der Commerzbank. Zugegriffen hätten Investoren vor allem beim iShares DAX, der sehr große Zuflüsse verzeichnet habe, aber auch bei den Produkten anderer Emittenten (ISIN LU0378438732 / WKN ETF001; ISIN LU0252633754 / WKN LYX0AC).

"Offenbar wird davon ausgegangen, dass Deutschland die Krise noch am besten überstehen wird." Auch in den Umsatzstatistiken der Börse Frankfurt für die zurückliegenden fünf Handelstage führe der iShares-DAX-ETF mit außergewöhnlich hohen Umsätzen an. Bei den EURO STOXX-Trackern habe Mohr zufolge hingegen Skepsis überwogen, diese seien überwiegend abgegeben worden. Seit gestern hätten allerdings insgesamt die Gewinnmitnahmen bestimmt. "Panik gibt es zwar keine, aber es versucht wohl der eine oder andere, das Pulver trocken zu halten."

Auch Deutsche Bank und DekaBank würden für die vergangene Woche durchweg Zukäufe melden, und zwar über alle wichtigen Indices wie DAX, EURO STOXX 50, S&P 500, MSCI World, MSCI Europe und STOXX 600 hinweg (ISIN LU0274211480 / WKN DBX1DA; ISIN LU0274211217 / WKN DBX1EU; ISIN LU0490618542 / WKN DBX0F2; ISIN LU0274208692 / WKN DBX1MW; ISIN DE000ETFL060 / WKN ETFL06; ISIN DE000ETFL029 / WKN ETFL02). Auch Indexfonds mit europäischen Small Caps und Dividendenstrategiefonds seien betroffen gewesen. All das werde seit gestern wieder abgestoßen.

Bei den Sektor-Fonds hätten sich zuletzt ETFs (ISIN DE0006289309 / WKN 628930; ISIN LU0292103651 / WKN DBX1SF) mit europäischen Banken besonders umsatzstark gezeigt, wie die Market Maker berichten würden. Auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt rangiere der entsprechende ETF von iShares auf Platz acht - ungewöhnlich hoch für einen Sektoren-Indexfonds. "In der vergangenen Woche gab es noch einen leichten Verkäuferüberhang, seit gestern Nachmittag wird aber massiv verkauft", erkläre Mark Schönbrodt von der DekaBank. Viel Freude hätten Anleger an dem ETF in diesem Jahr nicht gehabt: Nach einer kurzen Erholung Mitte Juli habe der Kurs abermals deutlich nachgegeben, auf Sicht von sechs Monaten liege er mittlerweile 27 Prozent im Minus und nähere sich einem Zwei-Jahres-Tief.

Zuspruch hätten laut Schönbrodt hingegen ETFs mit Aktien aus der Gesundheits- (ISIN LU0292103222 / WKN DBX1SH) und der Telekommunikationsbranche (ISIN LU0292104030 / WKN DBX1ST) gefunden. Die Commerzbank melde für die vergangene Woche noch einen Käuferüberhang bei Banken-ETFs, außerdem seien Immobilien- (ISIN LU0378436793 / WKN ETF074) und Automobil-Indexfonds gut weggegangen.

Von Produkten mit Versorgerwerten (ISIN LU0378437338 / WKN ETF079) hätten sich die Anleger aber eher getrennt. "Das ist angesichts der negativen Schlagzeilen über die Versorgerbranche kaum verwunderlich", kommentiere Frank Mohr und verweise auf die jüngsten Meldungen zu möglichen Stellenstreichungen. Der Energieversorger EnBW habe gestern bekannt gegeben, einen Stellenabbau zu erwägen. Der Versorger-ETF von Comstage habe auf Sicht von drei Monaten jedenfalls mittlerweile fast 10 Prozent an Wert verloren.

Die in den vergangenen Monaten zum Teil sehr beliebten Renten-ETFs seien derzeit kein großes Thema. Schönbrodt sehe Umschichtungen von ETFs mit deutschen Kurzläufern in solche mit Langläufern (ISIN DE000ETFL201 / WKN ETFL20). Daneben hätten auch Geldmarkt-Indexfonds auf den Verkaufslisten gestanden. Laut Commerzbank sei bei den Renten wenig los gewesen, auch die Deutsche Bank habe keine großen Umsätze gesehen. (02.08.2011/fc/a/e)






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