EUR/USD: Erholung verschoben


18.07.12 10:31
UniCredit Research

München (www.aktiencheck.de) - Man kann es drehen und wenden, wie man will und kommt dennoch nicht zu einem eindeutigen Schluss, warum der Auftritt Ben Bernankes gestern eine weitere Verkaufswelle in EUR/USD auslöste, so die Analysten von UniCredit Research.

Zum einen habe es geheißen, Bernanke habe die Märkte enttäuscht, weil er hinsichtlich weiterer quantitativer Lockerungsmaßnahmen nichts Konkretes geliefert habe. Enttäuschung würde aber bedeuten, dass die eigene Währung nicht noch belohnt werde. Vielleicht würde anders herum ein Schuh draus, in dem man zur Feststellung käme, die Märkte seien erleichtert, dass die FED hinsichtlich der US-Konjunkturentwicklung wohl doch nicht so pessimistisch sei, um schon jetzt weitere Maßnahmen für notwendig zu erachten. Dagegen spräche allerdings der doch sehr dovish ausgelegte Tenor Bernankes, insbesondere den Arbeitsmarkt betreffend.

Oder aber, man betrachte das Ganze von der Seite des Euro, der ein weiteres Mal gegenüber allen anderen Währungen eingebüßt habe, vielleicht weil Bernanke selbst extrem hohe Risiken für die USA aus den Stressfaktoren der Eurozone aufgezeichnet habe.

Im Folgenden die Kernaussagen Bernankes in ihrer zeitlichen Abfolge: Die FED sei bereit, weitere Maßnahmen zum Zwecke einer stärkeren Konjunkturerholung zu ergreifen. Europa bleibe weiterhin signifikanten Stressfaktoren ausgesetzt, die sich auf den Rest der Welt einschließlich der USA auswirken könnten. Die Wirtschaftstätigkeit scheine sich zu verlangsamen. Indikatoren würden auf ein Q2-Wachstum hindeuten, welches unter dem des Vorquartals liegen könnte. Die Erholung werde gebremst durch schärfere Kreditbedingungen und fiskalpolitische Unsicherheiten. Die Reduktion der Arbeitslosenrate dürfte wahrscheinlich frustrierend langsam verlaufen.

Die FED sei im engen Kontakt mit ihren europäischen Partnern und darauf bedacht, die Widerstandsfähigkeit des US-Finanzsystems gegen externe Schocks zu erhöhen. Die FED ziehe eine Menge möglicher Maßnahmen in Betracht um, falls notwendig, der Konjunkturschwäche zu begegnen. Unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen hätten noch immer eine gewisse Wirksamkeit, um die Wirtschaft zu unterstützen. Die Überlegungen hinsichtlich weiterer Lockerungsmaßnahmen würden auch davon geleitet, ob der Arbeitsmarkt stagniere und die Deflationsrisiken steigen würden.

Falls die FED weitere Lockerungsmaßnahmen beschließe, könnte dies in Käufen von Staatsanleihen, Immobilienanleihen, des Einrichtens von Notfallkreditfazilitäten und mittels diverser Kommunikationsinstrumente zum Ausdruck kommen. Es sei sehr wichtig, dass man eine nachhaltige Verbesserung des Arbeitsmarktes erreiche und Deflation verhindere. Das sei es, worauf man achte. Einige europäische Staaten seien bereits in der Rezession, und es könnte sehr lange dauern, um die Krise zu überwinden.

Für heute würden sich nicht zwingend weitere nennenswerte Aktionen auf den Devisenmärkten abzeichnen. Aber wissen könne man dies nie, wie man in den letzten Jahren in Anbetracht durchweg latenter Krisenstimmung gelernt habe. Dennoch habe man als nächstes Highlight erst die morgige Abstimmung über die Spanienhilfe durch den Deutschen Bundestag auf der Rechnung. Was gestern in Bezug auf eine Kurskorrektur nicht gelungen sei, könnte vielleicht morgen klappen, da letztlich davon ausgegangen werden könne, dass die Hilfsaktion durchgewunken werde. Interessant sei dabei wie immer die Anzahl jener Stimmen, die Kanzlerin Merkel aus ihrem eigenen Lager verzeichnen könne. (18.07.2012/ac/a/m)






hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
1,17185 1,16847 0,0034 +0,29% 24.04./22:58
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
EU0009652759 965275 1,21 1,11