Erweiterte Funktionen
EZB-Sitzung im Fokus der Anleger
10.08.12 15:52
Weberbank
Berlin (www.aktiencheck.de) - Das Top-Ereignis der letzten zwei Wochen war die EZB-Sitzung, so die Analysten der Weberbank.
Obwohl Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, einen Plan zur Stützung des Euro und der Anleihenmärkte vorgestellt habe, habe er den im Vorfeld hohen Markterwartungen nicht gerecht werden können. Insbesondere die Tatsache, dass nicht sofortige und konkrete Maßnahmen, sondern nur Pläne, die in den kommenden Wochen noch ausgearbeitet werden müssten, vorgestellt worden seien, habe unter den Marktteilnehmer kurzfristig für schlechte Stimmung gesorgt. Erst allmählich habe sich am Markt die Erkenntnis durchgesetzt, dass ohne Zusammenarbeit zwischen Fiskal- und Geldpolitik eine Überwindung der Euro-Schuldenkrise nicht gelingen könne.
Das Vorgehen der EZB beinhalte allerdings auch Risiken. Zuvor habe die EZB an den Anleihenmärkten nur deshalb interveniert, weil sie es geldpolitisch für geboten gehalten habe. Mit der Forderung nach Erfüllung gewisser Vorbedingungen begebe sie sich nun stärker in die Nähe der Politik und mache sich damit auch abhängiger. Dies halte zwar den Reformdruck in den Krisenländern aufrecht, allerdings gehöre es nicht zu den Aufgaben der EZB, in die Finanzpolitik einzugreifen. Das schade nach Erachten der Analysten längerfristig ihrer Unabhängigkeit.
Neben der EZB habe sich auch die US-Notenbank (FED) zu Wort gemeldet. Sie habe klargestellt, dass sie zu weiteren Hilfen bereit sei, falls es zu einer verstärkten Konjunkturabkühlung komme und sich die Lage am Arbeitsmarkt nicht bessere. Die Tür für eine geldpolitische Lockerung sei somit weiter offen gelassen worden. Das Zünglein an der Wage werde der US-Arbeitsmarkt bleiben. Dieser habe zuletzt positiv überraschen können. Mit einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosenquote sei allerdings vorläufig nicht zu rechen. Dafür sei der Stellenzuwachs immer noch viel zu niedrig, und einige Vorlaufindikatoren wie z.B. die Beschäftigungskomponenten im Einkaufsmanagerindex (ISM) seien weiterhin rückläufig.
Zusätzlich würden sich die US-Unternehmen vor dem Hintergrund der Euro-Schuldenkrise, verhaltener Wachstumsaussichten in den USA, der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen sowie der Ungewissheit über die zukünftige Steuerpolitik bei Neueinstellungen zurückhalten. Sollte der Arbeitsmarkt weiter hinter den Erwartungen der FED bleiben und setze sich gleichzeitig die Konjunkturabkühlung fort, werde die US-Notenbank mit hoher Wahrscheinlichkeit ein weiteres quantitatives Lockerungsprogramm (QE3) auflegen, was die Störung an den Märkten beheben würde.
Die Renditen deutscher Staatsanleihen hätten sich in den letzten Tagen von ihren Rekordtiefständen entfernt. Eine deutliche Aufwärtskorrektur erwarte man jedoch nicht. Die noch bestehenden Unsicherheiten über die genaue Ausgestaltung der EZB-Maßnahmen, eine anhaltende tiefe Rezession in Südeuropa, anstehende politische Entscheidungen wie z.B. Verfassungsprüfung des ESM in Deutschland sowie eine stagnierende realwirtschaftliche Entwicklung in Europa sollten auch weiterhin die Renditen niedrig halten. Die Analysten würden weiterhin Pfandbriefe bevorzugen, die noch einen Renditeaufschlag und eine geringere Schwankungsintensität als deutsche Staatsanleihen vorweisen würden.
Die europäischen Aktienmärkte seien zuletzt mehrheitlich gestiegen und hätten zum Teil ihre Höchststände aus dem Monat April 2012 erreicht. Vor allem besser als erwartete US-Arbeitsmarktdaten, die in Aussicht gestellten Unterstützungsmaßnahmen durch die Europäische Zentralbank sowie die Hoffnungen auf weitere geldpolitische Lockerung der Notenbanken seien für diese erfreuliche Entwicklung verantwortlich gewesen. Für zusätzliche Unterstützung habe die Berichtsaison für das 2. Quartal 2012 gesorgt. Bisher hätten 72% der im S&P 500 gelisteten Unternehmen die Gewinnerwartungen der Analysten schlagen können.
Auch die bisherigen Zwischenergebnisse der DAX-Unternehmen hätten per Saldo positiv überrascht. Allerdings würden sich diese Ergebnisse vor dem Hintergrund relativieren, dass die Erwartungen an die Unternehmensgewinne im Vorfeld der Berichtssaison von den Analysten nach unten revidiert worden seien. Abschwächende Gewinnschätzungen und sich verschlechternde Konjunkturaussichten seien normalerweise Gift für die Aktienmärkte.
Dass die Aktienindices trotzdem steigen würden, zeige, wie stark die Märkte von der Hoffnung auf eine Liquiditätsspritze der Notenbanken und insbesondere ein massives Eingreifen der EZB bestimmt würden. Die Analysten würden davon ausgehen, dass uns diese Liquiditätswelle kurzfristig noch höher tragen könne. Mittelfristig würden allerdings die Risiken überwiegen. Die deutliche Verlangsamung der Weltwirtschaft und die damit verbundene nachlassende Gewinndynamik der Unternehmen sowie die anhaltende Euro-Schuldenkrise seien Faktoren, die die Analysten skeptisch stimmen würden. Aus technischer Sicht treffe man momentan beim S&P 500 und beim DAX auf harte Widerstände bei 1.423 Punkten (S&P 500) und 7.000 Punkten (DAX). Erst ein Überwinden dieser Bastionen könnte einen weiteren Aufwärtsschub zu den diesjährigen Höchstständen bringen. (10.08.2012/ac/a/m)
Obwohl Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, einen Plan zur Stützung des Euro und der Anleihenmärkte vorgestellt habe, habe er den im Vorfeld hohen Markterwartungen nicht gerecht werden können. Insbesondere die Tatsache, dass nicht sofortige und konkrete Maßnahmen, sondern nur Pläne, die in den kommenden Wochen noch ausgearbeitet werden müssten, vorgestellt worden seien, habe unter den Marktteilnehmer kurzfristig für schlechte Stimmung gesorgt. Erst allmählich habe sich am Markt die Erkenntnis durchgesetzt, dass ohne Zusammenarbeit zwischen Fiskal- und Geldpolitik eine Überwindung der Euro-Schuldenkrise nicht gelingen könne.
Das Vorgehen der EZB beinhalte allerdings auch Risiken. Zuvor habe die EZB an den Anleihenmärkten nur deshalb interveniert, weil sie es geldpolitisch für geboten gehalten habe. Mit der Forderung nach Erfüllung gewisser Vorbedingungen begebe sie sich nun stärker in die Nähe der Politik und mache sich damit auch abhängiger. Dies halte zwar den Reformdruck in den Krisenländern aufrecht, allerdings gehöre es nicht zu den Aufgaben der EZB, in die Finanzpolitik einzugreifen. Das schade nach Erachten der Analysten längerfristig ihrer Unabhängigkeit.
Neben der EZB habe sich auch die US-Notenbank (FED) zu Wort gemeldet. Sie habe klargestellt, dass sie zu weiteren Hilfen bereit sei, falls es zu einer verstärkten Konjunkturabkühlung komme und sich die Lage am Arbeitsmarkt nicht bessere. Die Tür für eine geldpolitische Lockerung sei somit weiter offen gelassen worden. Das Zünglein an der Wage werde der US-Arbeitsmarkt bleiben. Dieser habe zuletzt positiv überraschen können. Mit einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosenquote sei allerdings vorläufig nicht zu rechen. Dafür sei der Stellenzuwachs immer noch viel zu niedrig, und einige Vorlaufindikatoren wie z.B. die Beschäftigungskomponenten im Einkaufsmanagerindex (ISM) seien weiterhin rückläufig.
Die Renditen deutscher Staatsanleihen hätten sich in den letzten Tagen von ihren Rekordtiefständen entfernt. Eine deutliche Aufwärtskorrektur erwarte man jedoch nicht. Die noch bestehenden Unsicherheiten über die genaue Ausgestaltung der EZB-Maßnahmen, eine anhaltende tiefe Rezession in Südeuropa, anstehende politische Entscheidungen wie z.B. Verfassungsprüfung des ESM in Deutschland sowie eine stagnierende realwirtschaftliche Entwicklung in Europa sollten auch weiterhin die Renditen niedrig halten. Die Analysten würden weiterhin Pfandbriefe bevorzugen, die noch einen Renditeaufschlag und eine geringere Schwankungsintensität als deutsche Staatsanleihen vorweisen würden.
Die europäischen Aktienmärkte seien zuletzt mehrheitlich gestiegen und hätten zum Teil ihre Höchststände aus dem Monat April 2012 erreicht. Vor allem besser als erwartete US-Arbeitsmarktdaten, die in Aussicht gestellten Unterstützungsmaßnahmen durch die Europäische Zentralbank sowie die Hoffnungen auf weitere geldpolitische Lockerung der Notenbanken seien für diese erfreuliche Entwicklung verantwortlich gewesen. Für zusätzliche Unterstützung habe die Berichtsaison für das 2. Quartal 2012 gesorgt. Bisher hätten 72% der im S&P 500 gelisteten Unternehmen die Gewinnerwartungen der Analysten schlagen können.
Auch die bisherigen Zwischenergebnisse der DAX-Unternehmen hätten per Saldo positiv überrascht. Allerdings würden sich diese Ergebnisse vor dem Hintergrund relativieren, dass die Erwartungen an die Unternehmensgewinne im Vorfeld der Berichtssaison von den Analysten nach unten revidiert worden seien. Abschwächende Gewinnschätzungen und sich verschlechternde Konjunkturaussichten seien normalerweise Gift für die Aktienmärkte.
Dass die Aktienindices trotzdem steigen würden, zeige, wie stark die Märkte von der Hoffnung auf eine Liquiditätsspritze der Notenbanken und insbesondere ein massives Eingreifen der EZB bestimmt würden. Die Analysten würden davon ausgehen, dass uns diese Liquiditätswelle kurzfristig noch höher tragen könne. Mittelfristig würden allerdings die Risiken überwiegen. Die deutliche Verlangsamung der Weltwirtschaft und die damit verbundene nachlassende Gewinndynamik der Unternehmen sowie die anhaltende Euro-Schuldenkrise seien Faktoren, die die Analysten skeptisch stimmen würden. Aus technischer Sicht treffe man momentan beim S&P 500 und beim DAX auf harte Widerstände bei 1.423 Punkten (S&P 500) und 7.000 Punkten (DAX). Erst ein Überwinden dieser Bastionen könnte einen weiteren Aufwärtsschub zu den diesjährigen Höchstständen bringen. (10.08.2012/ac/a/m)
Aktuelle Kursinformationen mehr >
| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 24.128,98 - | 24.155,45 - | -26,47 - | -0,11% | 01.01./00:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| DE0008469008 | 846900 | 25.509 | 21.724 | |
25.04.26
, Börse Global
DAX: Öl überschattet alles
24.04.26
, Börse Global
DAX: Fünfter Verlusttag in Folge




