EZB erhöht Leitzins


11.04.11 13:17
Rohstoff-Trader

Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Am Donnerstag dieser Woche hat die Europäische Zentralbank erstmals wieder nach knapp drei Jahren eine Leitzinserhöhung vorgenommen, so die Experten von "Rohstoff-Trader".

Jean-Claude Trichet, Präsident der EZB habe aber betont, dass es nicht zwingend zu weiteren Zinserhöhungen kommen müsse. Ziel sei es die Stabilität der Wirtschaft weiter zu gewährleisten und keinen Druck auf wirtschaftlich schwache Länder auszuüben. Deshalb müssten Marktteilnehmer nicht unbedingt von weiter steigenden Zinsen ausgehen.

Nichtsdestotrotz würden Analysten weitere Zinserhöhungen im Jahr 2012 erwarten. Grund dafür seien vor allem die konstant steigenden Inflationsquoten im europäischen Wirtschaftsraum. Die EZB habe als erste große Zentralbank eine Zinserhöhung vorgenommen und sei anderen Zentralbanken wie der Federal Reserve, der Bank of England oder Bank of Japan nun weit voraus. Davon könne vor allem der Euro profitieren und verglichen zu anderen Währungen (z.B.: US-Dollar, Japanischer Yen) weiter aufwerten.

So wie es aktuell aussehe seien die Zentralbanken wie die FED oder die Bank of Japan weit von einer Zinserhöhung entfernt. Die FED pumpe immer noch Geld in das amerikanische System und auch die Bank of Japan müsse nach der Naturkatastrophe auch mehrere Milliarden Yen in die Märkte einzahlen. Deshalb erwarte man in den nächsten Wochen und Monate keine Zinserhöhung der FED oder der BoJ.

Die Erhöhung des Leitzinses sei der erste große Schritt gegen die steigende Inflationsquote im europäischen Wirtschaftsraum gewesen. Die EZB habe das Ziel die Inflationsquote bei 2% zu halten. Aktuell betrage die Inflationsquote 2,6%; bis Sommer würden die Experten einen Anstieg auf 3% erwarten. Aus diesen Gründen könne es durchaus sein, dass man zum Ende des Jahres einen Leitzins von 2% im europäischen Wirtschaftsraum haben werde. Dies hätte aber andererseits enorme Auswirkungen auf Krisenländer wie Spanien, Portugal, Irland oder Griechenland. Die Schulden des privaten Sektors in diesen Ländern seien überwiegend am kurzfristigen Leitzins gebunden, womit eine Erhöhung des Zinssatzes für einen Großteil der Schuldner fatal wäre. Je höher die Inflationsquote aber sei, umso aggressiver könnte die EZB die Leitzinsen erhöhen.

Jean-Claude Trichet habe in den letzten Wochen mehrere Andeutungen auf eine Zinserhöhung gemacht. Deshalb sei die Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte keine große Überraschung gewesen. Es scheint, als haben sich viele Marktteilnehmer an das "buy the rumour and sell the news"-Prinzip gehalten, so die Experten von "Rohstoff-Trader". Der Getreidesektor habe am Donnerstag dieser Woche leicht im Minus geschlossen. Der Gold-Futures habe nach der Ankündigung der Leitzinserhöhung bei knapp 1.465 USD pro Feinunze am Allzeithoch notiert.

Dass es nach dieser Leitzinserhöhung nicht zwingend zu weiteren Erhöhungen kommen müsse, sei von den Marktteilnehmern als positiv interpretiert worden. Denn allgemein gelte, dass Zinserhöhungen oder hohe Zinsen den Goldpreis drücken würden. Es bleibe zu beobachten, wie sich der Goldpreis in den nächsten Wochen entwickeln werde. (11.04.2011/ac/a/m)