Edelmetalle: Der Wind hat sich gedreht


24.05.16 10:40
fairesearch

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Das erste Quartal war für die Edelmetalle das beste seit 30 Jahren und könnte der Auftakt für einen nachhaltigen Aufwärtstrend sein, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Seit Jahresbeginn sei der Preis für eine Unze Gold um 20% und für eine Unze Silber um 24% gestiegen. Nach einer fünfjährigen Flaute würden die Investoren allmählich sensibler gegenüber der Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken. ZIRP, NIRP und QE seien in der Lage, das gesamte Finanzsystem zu destabilisieren. Die Zentralbanken würden mehr Inflation wollen und sie bekämen sie auch. Das zeige sich noch nicht an den Verbraucherpreisen, aber bei Aktien, Renten, Immobilien und jetzt auch Edelmetallen. Die Finanzinvestoren kämen an den Markt zurück.

In den vergangenen Jahren seien Edelmetallen insbesondere in Westeuropa und Nordamerika von institutionellen Investoren gemieden worden. In den Medien sei als häufigste Begründung für diese Haltung angeführt worden, dass Edelmetalle keine Zinsen verdienen und keine Inflationsgefahren drohen würden. Inzwischen sei es interessanter geworden, Edelmetalle in physischer Form zu halten als Liquidität auf einem Girokonto. Die Manager von Kapitalsammelstellen würden durch die jüngste Preisentwicklung geradezu gezwungen, ihre insgesamt geringen Bestände an Edelmetallen aufzustocken, würden sie mit ihrer Performance nicht ins Hintertreffen geraten wollen.

Die hohe Dynamik im ersten Quartal sei nach Angaben des World Gold Council (WGC) auf die starke Nachfrage der Exchange Traded Funds (ETF) zurückzuführen. Sie seien mit 363 t Gold auf den höchsten Mittelzufluss seit dem Q1/2009 gekommen, nachdem sie in den letzten drei Jahren substantielle Abzüge hätten hinnehmen müssen. Die Mittelzuflüsse seien so groß wie nach der Finanzkrise. Jetzt stelle der WGC auch ein exponentielles Wachstum der ETF in Asien, vor allem in China fest. Die dortigen Bestände seien aber im Vergleich zum Westen noch sehr klein. Bemerkenswert sei auch die Nachfrage nach physischer Ware in Form von Münzen und Barren. Dagegen habe die Schmucknachfrage deutlich nachgelassen. Leicht rückläufig sei die Nachfrage aus dem Sektor Technologie.

Zentralbanken hätten ihre Goldbestände in Q4/2015 um 158,8 t und in Q1/2016 um weitere 109,4 t aufgestockt. Seit 2010 seien die Zentralbanken insgesamt netto Käufer von Gold. China und Russland hätten in den letzten Quartalen den Goldbestand in ihren Währungsreserven erheblich aufgestockt. Die Rolle des Goldes als Währung habe Alan Greenspan in einem Interview betont: "Remember what we're looking at. Gold is a currency. It is still, by all evidence, the premier currency. No fiat currency, including the dollar, can match it". Doch während die USA 8133 t bzw. 74,9% ihrer Währungsreserven in Gold halten würden, weise China offiziell nur 1797 t bzw. 2,2% aus (Quelle: WGC).

Das Goldangebot sei in Q1/2016 auf 1134,9 t oder um 5% gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen. Eine wichtige Rolle nehme das Recycling von Gold ein.

Gold bleibe attraktiv, weil es einen universell anerkannten Wert verkörpere. Während die Welt in einem Schuldenmeer versinke, sei kein Verlass mehr auf das marode Papiergeldsystem. Die Finanzpolitik sei in keinem Land zu durchgreifenden Reformen fähig, da sie sich in den Parlamenten nicht durchsetzen lassen würden. So setzt die Welt auf die Allmacht der Zentralbanken, die mit immer abenteuerlicheren Instrumenten der Geldpolitik die Konjunktur zu steuern versuchen, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch". (24.05.2016/fc/a/m)