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Edelmetalle gemischte Jahresbilanz
13.01.12 16:48
LB Baden-Württemberg
Stuttgart (aktiencheck.de AG) - 2011 war erneut ein sehr gutes Jahr für Goldanleger: Der Preis des Edelmetalls stieg in USD um 11,1% und in Euro sogar um 14,8%, so die Analysten der LB Baden-Württemberg.
Die positive Jahresbilanz könne jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Notierungen seit dem Erreichen des Allzeithochs bei rund 1.900 USD im September letzten Jahres den Rückwärtsgang eingelegt und sich in der Spitze um knapp 21% beziehungsweise 400 USD ermäßigt hätten. Zum Höchststand im September habe das Jahresplus kurzfristig schon einmal 35% in USD beziehungsweise 29% in Euro betragen. Während der folgende Rückgang im Herbst als Konsolidierung nach einem starken Anstieg angesehen werden könne, sei der Einbruch im Dezember insbesondere auf Großanleger zurückzuführen, die noch im alten Jahr Buchgewinne realisiert hätten, um ihre Bilanzen aufzuhübschen. In Europa habe in dieser Zeit lediglich die deutliche Abwertung des Euro gegenüber dem USD eine spürbare Verbilligung des Goldpreises verhindert.
Anders sehe die Jahresbilanz bei den weißen Edelmetallen aus. Platin und Palladium hätten sich 2011 um 23% beziehungsweise 21% auf USD-Basis verbilligt. Silber habe per Saldo um 8% nachgegeben. Beim letztgenannten Edelmetall werde die Volatilität während der vergangenen Monate durch die Jahresperformance jedoch unterzeichnet. Immerhin sei Silber von Januar bis Anfang Mai von rund 30 USD auf knapp 50 USD geklettert und anschließend wieder abgestürzt.
Interessanterweise lasse sich die Entwicklung der weißen Edelmetalle zumindest teilweise mit der Lage am Basismetallmarkt erklären. So habe Palladium im Jahr 2011 größtenteils die Bewegungen des Indexes der London Metal Exchange (LME-Index) nachvollzogen. Platin habe sich mit ähnlichen Schwankungen bewegt, sich jedoch vor allem im Herbst zuerst auf höherem Niveau halten können. Der Grund hierfür dürfte sein, dass der Platinpreis zunehmend von den Förderkosten als natürlicher Preisuntergrenze beeinflusst werde. Lediglich Silber habe vor allem in den ersten drei Quartalen ein Eigenleben geführt, welches schon im Sommer 2010 mit dem oben geschilderten Anstieg begonnen habe.
Seit September 2011 sei in die Notierungen der weißen Edelmetalle eine zukünftig konjunkturell schleppende Entwicklung eingepreist worden. Vermutlich hätten die Marktakteure hierbei jedoch übertrieben, denn die Aussichten für 2012 seien zwar keineswegs glänzend. Aber immerhin stehe ein moderates Weltwirtschaftswachstum in Höhe von 3,7% in Aussicht und damit eine steigende Nachfrage nach industriell genutzten Edelmetallen. Insbesondere Silber habe nach dem Preisrückgang im Dezember wieder Nachholpotenzial.
Wer Gold als Absicherung vor unvorhersehbaren Krisen wie einem Totalzusammenbruch der Finanzwirtschaft gekauft habe, der werde auch 2012 gute Gründe haben, sein Edelmetall zu behalten. Das Ringen um den Bestand der Eurozone werde weitergehen und könnte sich zum Ende des ersten Quartals wieder zuspitzen, wenn die Entscheidung über die nächste Hilfszahlung an Griechenland anstehe. Außerdem würden die Opportunitätskosten der Goldhaltung aufgrund des niedrigen Zinsniveaus gering bleiben und sichere sowie gleichzeitig rentierliche Alternativen seien kaum vorhanden.
Zudem sei bislang noch nicht absehbar, wie sich die von den Zentralbanken bereitgestellten Liquiditätsfluten zukünftig auswirken würden. Daneben dürften die Goldkäufe von Notenbanken aus Schwellenländern eine Stütze für den Markt bleiben. Ihre Höhe werde jedoch immer schwerer kalkulierbar, da sich bislang regelmäßige Goldkäufer wie Russland zuletzt etwas zurückgehalten hätten. 2011 hätten eher überraschend agierende Käufer wie Mexiko und Südkorea beziehungsweise andere Notenbanken dominiert, die aus Gründen der Geheimhaltung bislang nicht benannt werden sollten oder könnten.
Anleger auf der Suche nach Renditebringern könnten von Gold in den kommenden Monaten allerdings enttäuscht werden. Hierfür spreche einerseits die Charttechnik: Gold notiere aktuell zwar wieder über seiner 200-Tages-Linie. Es habe den seit Mitte 2008 bestehenden Aufwärtstrend jedoch nach unten verlassen. Viel wichtiger sei, dass sich die Angebots- und Nachfragerelation weniger positiv darstelle, wie noch in den vergangenen Jahren. Die letzten Eskalationsphasen der Staatsschuldenkrise hätten immer weniger Menschen zum Goldkauf veranlasst. Dies werde beispielsweise an den vor allem in der westlichen Welt beliebten Goldfonds mit physischer Hinterlegung, den so genannten ETCs beziehungsweise ETFs deutlich.
Die Nachfrage gemessen in Währungseinheiten habe sich von rund 5,4 Mrd. USD im Jahr 2007 auf etwa 17,5 Mrd. USD im Jahr 2009 verdreifacht. Damit dürfte der Zenit überschritten worden sein, denn nach 12,4 Mrd. USD im Jahr 2010 sei 2011 wieder das niedrigere Niveau der Vorkrisenzeit erreicht worden. Der springende Punkt sei, dass nicht die individuell gefühlte Ausweglosigkeit aus dem Krisendrama den Goldpreis antreibe, sondern nur kaufkräftige Nachfrage. Und es sei fraglich, ob die im fünften Jahr der Krise noch einmal zunehme. Allenfalls eine von uns nicht erwartete unkontrollierte Staatspleite in Griechenland und ihre Folgewirkungen hätten hierfür das Potenzial, so die Analysten der LB Baden-Württemberg.
Im wichtigsten Wachstumsmarkt China versuche die Notenbank seit Ende Dezember die Spekulation mit Gold einzudämmen. Noch sei unklar, ob das Verbot privat betriebener Goldbörsen die Lust auf das Edelmetall eindämme oder andere Kanäle gefunden würden, die die Goldnachfrage hoch halten würden. In Indien dürfte vermutlich vorerst der in Indische Rupien deutlich gestiegene Goldpreis den Schmuckhändlern das Leben schwer machen. Und die Minenförderung sei seit 2008 um 17% gestiegen. Zwar würden sich keine Notenbanken mehr auf der Verkäuferseite des Marktes befinden, aber da das Altgoldaufkommen gleichzeitig gestiegen sei, sei 2011 immerhin rund 14% mehr Gold angeboten worden als noch 2008. Das Umfeld für nachhaltige Preissteigerungen habe sich entsprechend etwas eingetrübt. (13.01.2012/ac/a/m)
Die positive Jahresbilanz könne jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Notierungen seit dem Erreichen des Allzeithochs bei rund 1.900 USD im September letzten Jahres den Rückwärtsgang eingelegt und sich in der Spitze um knapp 21% beziehungsweise 400 USD ermäßigt hätten. Zum Höchststand im September habe das Jahresplus kurzfristig schon einmal 35% in USD beziehungsweise 29% in Euro betragen. Während der folgende Rückgang im Herbst als Konsolidierung nach einem starken Anstieg angesehen werden könne, sei der Einbruch im Dezember insbesondere auf Großanleger zurückzuführen, die noch im alten Jahr Buchgewinne realisiert hätten, um ihre Bilanzen aufzuhübschen. In Europa habe in dieser Zeit lediglich die deutliche Abwertung des Euro gegenüber dem USD eine spürbare Verbilligung des Goldpreises verhindert.
Anders sehe die Jahresbilanz bei den weißen Edelmetallen aus. Platin und Palladium hätten sich 2011 um 23% beziehungsweise 21% auf USD-Basis verbilligt. Silber habe per Saldo um 8% nachgegeben. Beim letztgenannten Edelmetall werde die Volatilität während der vergangenen Monate durch die Jahresperformance jedoch unterzeichnet. Immerhin sei Silber von Januar bis Anfang Mai von rund 30 USD auf knapp 50 USD geklettert und anschließend wieder abgestürzt.
Interessanterweise lasse sich die Entwicklung der weißen Edelmetalle zumindest teilweise mit der Lage am Basismetallmarkt erklären. So habe Palladium im Jahr 2011 größtenteils die Bewegungen des Indexes der London Metal Exchange (LME-Index) nachvollzogen. Platin habe sich mit ähnlichen Schwankungen bewegt, sich jedoch vor allem im Herbst zuerst auf höherem Niveau halten können. Der Grund hierfür dürfte sein, dass der Platinpreis zunehmend von den Förderkosten als natürlicher Preisuntergrenze beeinflusst werde. Lediglich Silber habe vor allem in den ersten drei Quartalen ein Eigenleben geführt, welches schon im Sommer 2010 mit dem oben geschilderten Anstieg begonnen habe.
Wer Gold als Absicherung vor unvorhersehbaren Krisen wie einem Totalzusammenbruch der Finanzwirtschaft gekauft habe, der werde auch 2012 gute Gründe haben, sein Edelmetall zu behalten. Das Ringen um den Bestand der Eurozone werde weitergehen und könnte sich zum Ende des ersten Quartals wieder zuspitzen, wenn die Entscheidung über die nächste Hilfszahlung an Griechenland anstehe. Außerdem würden die Opportunitätskosten der Goldhaltung aufgrund des niedrigen Zinsniveaus gering bleiben und sichere sowie gleichzeitig rentierliche Alternativen seien kaum vorhanden.
Zudem sei bislang noch nicht absehbar, wie sich die von den Zentralbanken bereitgestellten Liquiditätsfluten zukünftig auswirken würden. Daneben dürften die Goldkäufe von Notenbanken aus Schwellenländern eine Stütze für den Markt bleiben. Ihre Höhe werde jedoch immer schwerer kalkulierbar, da sich bislang regelmäßige Goldkäufer wie Russland zuletzt etwas zurückgehalten hätten. 2011 hätten eher überraschend agierende Käufer wie Mexiko und Südkorea beziehungsweise andere Notenbanken dominiert, die aus Gründen der Geheimhaltung bislang nicht benannt werden sollten oder könnten.
Anleger auf der Suche nach Renditebringern könnten von Gold in den kommenden Monaten allerdings enttäuscht werden. Hierfür spreche einerseits die Charttechnik: Gold notiere aktuell zwar wieder über seiner 200-Tages-Linie. Es habe den seit Mitte 2008 bestehenden Aufwärtstrend jedoch nach unten verlassen. Viel wichtiger sei, dass sich die Angebots- und Nachfragerelation weniger positiv darstelle, wie noch in den vergangenen Jahren. Die letzten Eskalationsphasen der Staatsschuldenkrise hätten immer weniger Menschen zum Goldkauf veranlasst. Dies werde beispielsweise an den vor allem in der westlichen Welt beliebten Goldfonds mit physischer Hinterlegung, den so genannten ETCs beziehungsweise ETFs deutlich.
Die Nachfrage gemessen in Währungseinheiten habe sich von rund 5,4 Mrd. USD im Jahr 2007 auf etwa 17,5 Mrd. USD im Jahr 2009 verdreifacht. Damit dürfte der Zenit überschritten worden sein, denn nach 12,4 Mrd. USD im Jahr 2010 sei 2011 wieder das niedrigere Niveau der Vorkrisenzeit erreicht worden. Der springende Punkt sei, dass nicht die individuell gefühlte Ausweglosigkeit aus dem Krisendrama den Goldpreis antreibe, sondern nur kaufkräftige Nachfrage. Und es sei fraglich, ob die im fünften Jahr der Krise noch einmal zunehme. Allenfalls eine von uns nicht erwartete unkontrollierte Staatspleite in Griechenland und ihre Folgewirkungen hätten hierfür das Potenzial, so die Analysten der LB Baden-Württemberg.
Im wichtigsten Wachstumsmarkt China versuche die Notenbank seit Ende Dezember die Spekulation mit Gold einzudämmen. Noch sei unklar, ob das Verbot privat betriebener Goldbörsen die Lust auf das Edelmetall eindämme oder andere Kanäle gefunden würden, die die Goldnachfrage hoch halten würden. In Indien dürfte vermutlich vorerst der in Indische Rupien deutlich gestiegene Goldpreis den Schmuckhändlern das Leben schwer machen. Und die Minenförderung sei seit 2008 um 17% gestiegen. Zwar würden sich keine Notenbanken mehr auf der Verkäuferseite des Marktes befinden, aber da das Altgoldaufkommen gleichzeitig gestiegen sei, sei 2011 immerhin rund 14% mehr Gold angeboten worden als noch 2008. Das Umfeld für nachhaltige Preissteigerungen habe sich entsprechend etwas eingetrübt. (13.01.2012/ac/a/m)
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