Edelmetalle legen zu


25.03.11 10:04
Rohstoff-Report

München (aktiencheck.de AG) - Edelmetalle sind derzeit stark gefragt, so die Experten von "BörseGo" in ihrem "Rohstoff-Report".

Die atomare Katastrophe in Japan sei längst nicht überstanden. Die Flugverbotszone in Libyen scheine aktuell eher in einem politischen Desaster als in einer schnellen Lösung zu enden und Portugals Schuldenkrise nehme mit dem Rücktritt von Ministerpräsident José Sócrates neue Dimensionen an. Und der Silbermarkt? Der befinde sich weiterhin in Backwardation. Viel Zündstoff für die Preisentwicklung der nächsten Wochen an den Edelmetallmärkten.

Die Investoren scheinen sich allerdings nicht ganz einig zu sein, was dies nun für den Preis zu bedeuten hat, so die Experten von "BörseGo". Und dennoch: Silber zur sofortigen Auslieferung (Spot) sei immer noch 0,14 US-Dollar je Unze teurer als der Mai-Kontrakt. Dies spreche nicht nur für die anhaltend hohe Nachfrage, sondern könne in Teilen auch den starken Silberpreis der vergangenen Wochen erklären. Die Lagerbestände der COMEX, die zur direkten Bedienung von Terminkontrakten bereitstünden, würden sich mit 41,4 Mio. Unzen Silber ebenfalls auf dem niedrigsten Stand seit mehr als sechs Jahren befinden. Auch das unterstreiche die Rekordnachfrage nach dem weißen Metall.

Interessant in diesem Zusammenhang: Am 15. März habe J.P. Morgan einen Antrag eingereicht, um als autorisierter Lagerverwalter der COMEX/NYMEX zugelassen zu werden. Die Bank erhoffe sich damit, das blühende Geschäft mit Edelmetallen weiter ausbauen zu können. Der Antrag sei prompt an die US-amerikanischen Regulierungsbehörde CFTC weitergeleitet und bereits am 17. März bewilligt worden. Normalerweise brauche dieser Prozess, bei dem die gesamten Tresoranlagen inspiziert und Gutachten erstellt würden, mindestens 45 Tage.

Dieses Eilverfahren habe bei einigen Marktbeobachtern auf großes Missfallen gestoßen. Es sei nicht ganz nachzuvollziehen, warum einem der größten Player am Edelmetall-Derivate-Markt die Lizenz derart schnell erteilt werde, während sich der Markt in Backwardation befinde und damit die Gefahr eines Short-Squeeze im Raum stehe. Die Großbank könnte jetzt - zumindest theoretisch - ihre Short-Verbindlichkeiten an sich selber ausliefern und damit im Fall von massiven Lieferengpässen zusätzliche Zeit gewinnen. Das sei besonders brisant, weil J.P. Morgan in der Vergangenheit bereits in mehreren Sammelklagen die Manipulation des Silberpreises vorgeworfen worden sei. Erst vor wenigen Wochen habe die Bank für Aufsehen gesorgt, als sie bekannt gegeben habe, ab sofort auch physisches Gold als Sicherheiten für Kredite zu akzeptieren. J.P. Morgan sei auch die offizielle Depotbank der iShares Edelmetall ETFs.

Unabhängig davon hätten die weltweiten Edelmetall ETFs von den Entwicklungen der vergangenen zwei Wochen eindeutig profitieren können. Die 22 von den Experten verfolgten Gold ETFs hätten ihre physischen Bestände um ganze 1,37 Prozent auf nunmehr 2.102,8 Tonnen (67,6 Mio. Unzen) gesteigert. Eine ähnlich gute Performance hätten die weltweiten Silber ETFs mit einem Plus von 1,25 Prozent auf 15.257,9 Tonnen (490,6 Mio. Unzen) vorgelegt. Der größte weltweite Silber ETF, der iShares Silver Trust (ISIN US46428Q1094 / WKN A0JMD6,), habe mit 10.974 Tonnen sogar ein neues Allzeithoch markiert.

Die kommenden Wochen würden versprechen, weiterhin spannend zu bleiben. Aktuell stünden die Chancen sehr hoch, dass Portugal doch unter den europäischen Rettungsschirm flüchten müsse. Bereits 2010 habe die Eurokrise den Gold- und Silberpreis beflügelt. Eine Eskalation der Lage in Libyen könnte zusätzliche Auswirkungen auf die Edelmetallmärkte haben, die traditionell von Kriegen und Krisen profitieren würden. Weitere deutliche Zuwächse bei den weltweiten Edelmetall ETFs seien damit zu erwarten. (Ausgabe 6 vom 24.03.2011) (25.03.2011/fc/a/m)