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Eine griechische Tragödie


06.07.15 16:36
Saxo Bank

Kopenhagen (www.fondscheck.de) - "Nun ist es offiziell eine griechische Tragödie. In vielerlei Hinsicht ist es relativ leicht zu verstehen, warum die Griechen so gewählt haben. Es gab wenig zu verlieren, denn das alternative Ja zu mehr Austerität wäre kaum eine gute Wahl für eine Gesellschaft gewesen, die am Rande des sozialen Zusammenbruchs steht", sagt Steen Jakobsen, Chefvolkswirt bei der Saxo Bank.

Was politisch als nächstes passiere, sei schwer vorherzusagen. Für die Märkte sei dies etwas einfacher:

- Der DAX werde mit einem Minus von rund 5 Prozent eröffnen und in den kommenden Wochen wahrscheinlich 10 Prozent verlieren, sofern die EZB und FED nicht eingreifen würden.
- Der Spread bei Anleihen von sogenannten Club Med-Mitgliedern (Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien) werde in den nächsten Wochen um 20 bis 50 Basispunkte steigen.
- Auch Bulgarien, Kroatien und Rumänien sollten eine deutliche Spread-Ausweitung erleben.
- Beim EUR/USD-Kurs sei eine Prognose schwerer. Jakobsen erwarte einen schwachen Start. Sollte Griechenland jedoch die Eurozone verlassen, werde der Kurs bis Ende der Woche stärker.

Es fehle nach wie vor eine dauerhafte Lösung. "Null Hoffnung, null Reformen und null Veränderungsbereitschaft symbolisiert das zukünftige Griechenland. Das bedeutet: Kein Zugang zu Finanzmärkten, kaum Verbündete und eine Zukunft, die falls überhaupt noch möglich, noch verzweifelter ist", sage Jakobsen.

Was bleibe also unter dem Strich?

- Die breite Mehrheit sei über den Wahlausgang überrascht.
- Zahlungsunfähigkeit sei jetzt das große Risiko.
- Der Grexit sei nun das Basisszenario.
- Es gebe eine 25-prozentige Chance, dass Europa diese geopolitische Situation als so wichtig erachte, dass es die Hilfsprogramme für Griechenland trotz der harten Worte verlängere.
- Aktien würden rund fünf Prozent fallen und bei festverzinslichen Wertpapieren werde es Spread-Ausweitungen von 20 bis 50 Basispunkten geben. Osteuropa werde es härter treffen, die Unsicherheit steige und die griechischen Banken würden wahrscheinlich geschlossen bleiben.

Die Pretend-and-Extend-Strategie sei nun gestorben. "Hoffentlich wird sie durch einen normalen Konjunkturzyklus ersetzt, mit normalen Höhen und Tiefen. Doch zunächst werden Politiker versuchen ihr Gesicht zu wahren und noch eine sinnlose Runde drehen. Dabei ist der Patient schon tot", sage Jakobsen abschließend. (06.07.2015/fc/a/m)