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Emerging Markets unter Druck


29.08.07 14:42
ABN AMRO Asset Management

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die US-Hypothekenkrise hat die Kreditmärkte weltweit in Aufruhr versetzt, so die Analysten von ABN AMRO Asset Management im aktuellen "Emerging Markets Monitor".

Turbulenzen solchen Ausmaßes könnten sich auf das weltweite Wirtschaftswachstum auswirken. Die Aktienmärkte der Schwellenländer hätten bereits mit einer Korrektur reagiert - und die Nervosität steige weiter. Ohnehin habe sich dort seit einiger Zeit eine Überhitzung abgezeichnet, wie der "Emerging Markets Monitor" bereits im Mai berichtet habe.

Aus heutiger Sicht sei es schwer zu sagen, wo die Korrektur ihr Ende finden werde. Der MSCI Emerging Markets (USD) habe seit seinem Höchststand am 23. Juli dieses Jahres bis Mitte August bereits 13 Prozent eingebüßt. Damit sei er auf sein Niveau vom Mai zurückgefallen - und weitere Anpassungen könnten noch folgen. Langfristig betrachtet stehe der Index aber immer noch um 29 Prozent höher als im August vergangenen Jahres.

Zudem würden sich auch in dieser Krise große Chancen verbergen: Die Philippinen, Indonesien, Südafrika und die Türkei seien stark getroffen worden und würden derzeit noch zu den riskantesten Märkten gehören. Doch sobald deren Währungen hinreichend korrigiert und die Zinserwartungen angepasst seien, könnten sich insbesondere auf diesen Aktienmärkten der zweiten Reihe gute Kaufgelegenheiten ergeben.

Vorsicht sei dagegen weiterhin bei Ländern mit hohen Währungsschwankungen geboten und bei Wirtschaftsräumen, die stark von Rohstoffexporten oder Auslandsinvestitionen abhängig seien. Interessanterweise würden zu diesen Gruppen die großen Emerging Markets wie Brasilien, China, Indien und Russland zählen. Woher der Anpassungsdruck auf Kurse, Währungen und Zinserwartungen komme, beleuchte die folgende Analyse.

Die aktuelle Korrektur sei nicht gänzlich unerwartet gekommen, sie habe sich zu Jahresbeginn angekündigt. Die Anleger hätten sich gewarnt gesehen, als im Februar die Märkte der Schwellenländer um 10 Prozent eingebrochen seien. Schon damals habe es Anzeichen dafür gegeben, dass sich die Probleme im US-Subprime-Kreditgeschäft zuspitzen könnten - die Besorgnis über eine mögliche Implosion des Hypothekenmarktes sei groß gewesen. Hinzu seien schlechtere Aussichten auf die US-amerikanischen Wirtschaftsdaten gekommen.

Beides habe darauf hingedeutet, die US-Konsumenten würden sich künftig einschränken müssen. Denn das Wachstum der stark vom privaten Verbrauch abhängigen US-Wirtschaft sei in der Vergangenheit bei Konsumflauten eingebrochen. Und eine schwache US-Wirtschaft gelte aufgrund der starken Abhängigkeiten noch immer als schlechte Nachricht für die Wachstumsaussichten der Emerging Markets.

Nach der Februar-Korrektur seien diese Risiken anscheinend wieder aus dem Kalkül der Investoren verdrängt worden, Rendite- und Risikohunger sei zu groß gewesen. Wir blieben skeptisch und behielten Recht: Anfangs schien sich die Subprime-Krise mit den zunehmenden Ausfällen und Kündigungen von Hypotheken auf die USA zu beschränken, so die Analysten von ABN AMRO Asset Management.

Doch dann seien auch Finanzinstrumente betroffen gewesen, die auf US-Hypothekenschulden aufbauen würden. Das wiederum habe die Probleme in den weiteren Bankensektor, vor allem in das Mergers&Acquisition-Geschäft und in die internationalen Kredit- und Kapitalmärkte getragen. Die Hoffnung, die Subprime-Krise würde andere Märkte und Volkswirtschaften nicht betreffen, und auch die Idee von einem nicht zu erschütternden globalen Wirtschaftswachstum seien damit enttäuscht worden.

Die Erkenntnis, dass sich die Schwierigkeiten auf dem Kreditmarkt ausweiten würden, habe zu einer umfassenden Risikoaversion geführt, die sich ausgehend von den Kreditprodukten mehr oder weniger stark auf alle Anlageklassen ausgebreitet habe. Eine solche Situation zwinge die Investoren, ihre Risikopositionen grundsätzlich zu überdenken.

In den Emerging Markets sei die Korrektur deshalb so stark, weil die Marktteilnehmer in den vergangenen Jahren zu sehr vom robusten Wachstum der globalen Wirtschaft überzeugt gewesen seien. Vor allem die hohen Wachstumsraten der beiden größten aufstrebenden Märkte, China und Indien, hätten anfangs die Erwartungen für alle Schwellenländer erhöht.

Von der aktuellen Krise seien vor allem die Minengesellschaften und Rohstoffexporteure betroffen. Und das, obwohl die Sorgen bezüglich des globalen Wirtschaftswachstums ursprünglich keine Auswirkungen auf die Rohstoffpreise gehabt hätten. Der Grund: Durch den Verkauf von Anteilen an Large-Caps würden die Investoren versuchen, sich Liquidität zu verschaffen. Viele hätten ihre Kauflust aber bereits früher verloren, nämlich als sie festgestellt hätten, dass die Abschläge der Emerging Markets beim Kurs/Gewinn-Verhältnis oder beim Verhältnis Marktwert zum Buchwert gegenüber den entwickelten Ländern fast verpufft seien.

Damit hätten sich die Bewertungen in den Emerging Markets längst nahe an die der entwickelten Länder bewegt. Mit dem Verschwinden der Abschläge hätten sich aber für die Investoren die Risiken erhöht. Und das in einer Zeit, in der nach Jahren des hohen Appetits auf Risiken jetzt die Risikoaversion dominiere und zunehmend Verkaufsorder verursache.

Nach vier Verlustwochen an den Finanzmärkten der Industrienationen sei die Angst gewachsen, dies könnte sich negativ auf die Exporte der Schwellenländer auswirken. Es habe bereits erste sich verstärkende Zeichen gegeben, dass sich die Nachfrage der privaten Haushalte tatsächlich verringern könnte - vor allem und am stärksten in den USA. Dies bekämen die Emerging Markets zu spüren.

Eine weitere Belastung für die Emerging Markets sei, es würden verstärkt Währungsgeschäfte rückgängig gemacht, bei denen Währungen mit niedrigen Zinsen (zum Beispiel aus den großen Industrienationen) verkauft und Währungen mit hohen Zinsen (zum Beispiel aus den Emerging Markets) gekauft worden seien. Diese Geschäfte hätten in der Zeit des großen Risikohungers eine zentrale Rolle gespielt und die Währungen der Emerging Markets gestützt. Doch in der derzeitigen Lage steige der Druck auf die Währungen der Schwellenländer.

Neben höheren Inflations- und Zinsänderungsrisiken würden deshalb Wechselkurskorrekturen zu den größten Bedrohungen der Aktienmärkte der Emerging Markets zählen. Solange die Währungen unter Druck geraten würden und es negative Nachrichten vom Kreditmarkt gebe, werde die Lust auf Risiken also nicht wiederkehren. Es gebe jedoch bereits erste Anzeichen einer Erholung. An den Finanzmärkten der entwickelten Länder seien die Kurse der Indices in der vergangenen Woche wieder gestiegen.

Sei die Korrektur erst einmal überstanden, lägen die größten Chancen der Emerging Markets aus heutiger Sicht bei den eingangs erwähnten Ländern der zweiten Reihe - den Philippinen, Indonesien, Südafrika und der Türkei. Andere Länder, die aufgrund ihrer fundamentalen Daten auf lange Sicht überzeugt hätten, seien Mexiko, Malaysia, Korea, Marokko und Israel.

Grundsätzlich sollten im aktuellen Umfeld Länder bevorzugt werden, die von ausländischen Investoren bisher noch zurückhaltend behandelt worden seien, weil dort die Gefahr von Kapitalrückflüssen vergleichsweise gering sei. Zudem sollte deren Abhängigkeit vom Rohstoffmarkt eher niedrig sein und deren Währung nicht unter unmittelbarem Abwertungsdruck stehen. (29.08.2007/fc/a/m)