Erweiterte Funktionen

Erdgas Ende des "Bärenmarkts" in Sicht?


17.04.09 09:07
Rohstoff-Trader

Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Unsere letzte ausführliche Analyse des Erdgas-Markts liegt bereits rund vier Monate zurück. Damals prognostizierten wir weiter fallende Notierungen, was sich als richtig herausstellte, so die Experten vom "Rohstoff-Trader".

Mittlerweile hätten die Kurse ein Niveau erreicht, welches eine neuerliche Betrachtung des Bereichs unter dem Gesichtspunkt möglicher Preissteigerungen sinnvoll erscheinen lasse. Unter fundamentalen Aspekten sei zunächst anzumerken, dass an Erdgas alles andere als ein Mangel bestehe. Anfang April habe das amerikanische Energieministerium bekannt gegeben, dass die Lagerbestände mit 1.674 Billionen Kubikfuß 35 Prozent über dem Niveau des Vorjahres und satte 23 Prozent über dem fünfjährigen Durchschnitt lägen.

Die Produktion (inklusive Importe) solle zwar im laufenden Jahr um etwa zwei Prozent auf 63,4 Mrd. Kubikfuß pro Tag zurückgehen. Damit decke das Primärangebot die Nachfrage (62,4 Mrd. Kubikfuß) aber dennoch vollständig ab. Vor diesem Hintergrund müsse mit weiter steigenden Beständen gerechnet werden, sodass nachhaltige Kurszuwächse eher unwahrscheinlich seien.

Wenngleich es für einige Erdgas-Produzenten bei den gegenwärtig sehr niedrigen Weltmarktpreisen bereits nur noch eingeschränkt lukrativ sei, den "flüchtigen" Energieträger ans Tageslicht zu fördern, erwarte man kurz- bis mittelfristig keinen signifikanten Einbruch des Primärangebots. Sollten die Kurse jedoch noch weiter nachgeben (was durchaus möglich sei), könnte der Output auf Sicht von einigen Jahren erkennbar schrumpfen. Treffe dieser Umstand auf eine erhöhte Nachfrage dank einer Stabilisierung der konjunkturellen Lage, könnte es zu einer generellen Trendwende am Erdgasmarkt kommen. Mit einer solchen rechne man vorerst allerdings nicht. Dafür sei die wirtschaftliche Verfassung in den USA trotz einiger positiver Anzeichen einfach noch zu fragil.

Ungeachtet der nicht wirklich bullischen Fundamentals erachte man eine vorübergehende Rally in den kommenden Monaten zumindest für möglich. Grund: In Kürze beginne in den USA die Hurrikan-Saison. Während dieser komme es immer wieder zu Schäden und Förderausfällen an den Anlagen im Golf von Mexiko, die nicht selten Preis treibende Auswirkungen entfalten würden. Allerdings sei zu bedenken, dass die Hurrikan-Saison für gewöhnlich erst in den Monaten September/Oktober ihre "heiße" Phase erreiche. Von daher dränge sich ein Long-Einstieg zur Stunde nicht auf.

Diese Einschätzung werde unter anderem durch den saisonalen Preisverlauf untermauert. Bis Mitte Juni tendiere der Gaspreis meist seitwärts, bevor dann ein nochmaliger Abwärtsschub einsetze. Zu einer signifikanten Aufwärtsbewegung komme es dann häufig zwischen Mitte Juli und Ende Oktober. So gesehen sei es für Engagements auf der "langen" Seite sicherlich noch zu früh, auch weil die kommerziellen Marktteilnehmer ihre Netto-Long-Positionen in den vergangenen sechs Monaten trotz kontinuierlich rückläufiger Preise von knapp 150.000 auf nur noch gut 80.000 Kontrakte abgebaut hätten.

Offenbar sehe diese im Regelfall sehr gut informierte Gruppe keinen allzu großen Absicherungsbedarf gegen steigende Notierungen. Ob man auf dem momentanen Niveau noch short gehen sollte, lassen die Experten vom "Rohstoff-Trader" einfach einmal dahingestellt. Ein sofortiger Long-Einstieg erscheine aber in jedem Fall zu riskant.

Auch unter technischen Gesichtspunkten sei Erdgas long keine wirklich gute Idee. Der Abwärtstrend seit Sommer 2008 sei nach wie vor vollständig intakt. Zudem notiere der nächste Future erkennbar unter seinem wichtigen 18-Tage-Durchschnitt. Damit sei klar, dass die "Bären" derzeit noch die Oberhand besitzen würden. Zugegeben: Im Bereich von etwa 3,50 Euro habe es den Anschein, als könnte der Markt einen tragfähigen Boden ausbilden. Ob dem aber tatsächlich so sei, würden erst die nächsten Tage und Wochen zeigen.

Wegen den jüngsten moderaten Kurssteigerungen würden sowohl der MACD als auch die Stochastik Kaufsignale generieren und auch der RSI tendiere aufwärts, wobei er jedoch immer noch unter 50 liege. Allzu viel Bedeutung sollte man den Indikatoren aber nicht zugestehen. Entscheidend sei der große Trend und dieser sei - wie gesagt - abwärts gerichtet. Aufhellen würde sich das technische Bild erst bei einem Überwinden der Widerstandszone zwischen 4,50 und 5,00 USD. Bis dahin sei es aber noch ein vergleichsweise weiter Weg. Insgesamt sehe man bei Erdgas daher gegenwärtig keinen Handlungsbedarf - weder auf der "langen" noch auf der "kurzen" Seite. (17.04.2009/ac/a/m)