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Erdgaspreis im Abwärtstrend


30.07.09 09:35
Rohstoff-Trader

Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Anleger, die im laufenden Jahr tendenziell auf steigende Rohstoffpreise gesetzt haben, sind damit unterm Strich ganz gut gefahren, es sei denn, bei dem "Objekt der Spekulation" handelte es sich ausgerechnet um Erdgas, so die Experten vom "Rohstoff-Trader".

Obgleich die Notierungen bereits in den zweiten sechs Monaten 2008 kräftig "unter die Räder" geraten seien, hätten sich die Kurse seit Januar 2009 in etwa noch einmal halbiert. Bahne sich hier möglicherweise in Bälde eine historische Long-Chance an oder droht eine weitere Verbilligung?

Ein derart ungebremster "freier Fall", wie die Experten ihn bei Erdgas sehen würden, erfolge nur in den allerseltensten Fällen grundlos. Bei genauer Betrachtung der fundamentalen Situation könne man daher feststellen, dass das Angebot an dem "flüchtigen Energieträger" in der Tat erdrückend sei. Zwischen 2006 und 2008 hätten die amerikanischen Erdgas-Vorräte laut Aussage des Potential Gas Commitees um stattliche 35 Prozent von 1.532 auf 2.074 Billionen Kubikfuß gestiegen. Und im aktuellen Jahr habe sich der Trend fortgesetzt und sogar noch verstärkt. Am 17 Juli hätten sich die amerikanischen Erdgas-Lagerbestände auf sage und schreibe 2.952 Billionen Kubikfuß belaufen. Gegenüber dem Vorjahreswert von 2.384 Billionen Kubikfuß bedeute das ein Plus von 24 Prozent.

Bei derartigen Zuwachsraten verwundere es nicht, dass die Vorräte sich gegenwärtig 18 Prozent über ihrem fünfjährigen Durchschnitt bewegen würden. Oder anders ausgedrückt: An Erdgas herrsche derzeit alles andere als ein Mangel. Genau genommen gebe es fast keinen anderen Rohstoff, bei dem die Fundamentals auch nur ansatzweise so bärisch seien wie bei dem fossilen Energie-Lieferanten. In diesem Zusammenhang müsse zwar bedacht werden, dass die Notierungen teilweise bereits unter den Produktionskosten liegen würden, was zu dem Schluss verleite, dass der Output erkennbar sinken könnte. Allerdings würden moderne Fördertechniken dafür sorgen, dass die Kosten zurückgehen würden. Von daher würden die Experten eher keinen nennenswerten Rückgang der Förderung erwarten.

Ein weiterer negativer Faktor für den Erdgaspreis sei der Umstand, dass die Neuentdeckungen in den USA (inklusive der Importe) im laufenden Jahr zwar um zwei Prozent sinken sollten, mit 63,1 Milliarden Kubikfuß täglich aber nach wie vor deutlich über dem Verbrauch von 62,1 Milliarden Kubikfuß liegen würden. So lange dies der Fall sei, bestehe eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass die Lagerbestände weiter zunehmen würden. Sollte sich die amerikanische Konjunktur kurzfristig erholen, sei zwar nicht auszuschließen, dass der Bedarf an Erdgas zunehme. Auf der anderen Seite würden die Experten nicht glauben, dass die Nachfrage so stark wachse, dass sie über das Angebot steige. Alles in allem müsse demzufolge konstatiert werden, dass rein unter Angebot/Nachfrage-Gesichtspunkten zur Stunde nicht allzu viel für nachhaltig steigende Erdgaspreise spreche.

Etwas anders stelle sich die Lage dar, wenn man sich den saisonalen Kursverlauf des "flüchtigen Energieträgers" ansehe. Zwischen Mitte Juli und Ende Oktober würden die Notierungen für gewöhnlich anziehen, was primär an der Hurrikan-Saison und damit häufig einhergehenden Förderausfällen im Gold von Mexiko liege. Darüber hinaus werde Erdgas in den USA hautsächlich zur Stromerzeugung genutzt. An elektrischer Energie bestehe während der Sommermonate ein erhöhter Bedarf, weil dann die Klimaanlagen auf Hochtouren laufen würden. Wer mithin gerne Saisonalitäten trade und an eine überdurchschnittlich intensive Tropensturm-Saison glaube, könne sich Long-Engagements in Erdgas zumindest überlegen.

Allerdings sollten diejenigen sich im Klaren darüber sein, dass man damit gegen den primären Trend handle. Immerhin sei der Abwärtstrend seit Sommer vergangenen Jahres unverändert intakt. Die wichtige 18-Tage-Linie habe der August-Future nicht verteidigen können und auch die meisten Indikatoren würden für keine Kursanstiege sprechen. So generiere die Stochastik bereits ein unverkennbares Verkaufssignal und der MACD stehe unmittelbar davor, das ebenfalls zu machen. Des Weiteren bewege sich auch der RSI mit aktuell 40 im bärischen Bereich.

Die Experten vom "Rohstoff-Trader" wollen zwar nicht gänzlich ausschließen, dass der Markt in der Nähe der zentralen Unterstützung bei 3,20 US-Dollar einen Boden ausbilden kann. Allzu hohe Wetten würden sie darauf aber nicht eingehen. Insgesamt spreche aus technischer Sicht damit wenig für eine unmittelbar bevorstehende Trendwende nach oben, so dass die Experten wenigstens derzeit von Long-Positionen in Erdgas ungeachtet des augenscheinlich sehr günstigen Kursniveaus eher abraten müssten. Sollte die angesprochene Bodenbildung jedoch erfolgen, würde sich die Bewertung eventuell ändern. Aber so weit seien die Experten eben noch nicht. (30.07.2009/ac/a/m)