Erweiterte Funktionen

Europ. Realwirtschaft von Finanzkrise kaum erfasst


07.09.07 12:16
GECAM

Wangen (aktiencheck.de AG) - Die aktuellen Konjunkturdaten bestätigen es: Die Realwirtschaft in Europa wurde von den Turbulenzen an den Finanzmärkten bisher kaum erfasst, so die Experten von GECAM.

Selbst im Herkunftsland der Krise, den USA, hätten zahlreiche Indikatoren überrascht, wie zuletzt der ISM-Einkaufsmanagerindex, positiv. Auch die britische Wirtschaft befinde sich in einem Stimmungshoch, und so seien die Börsen wieder zu einer rationaleren Betrachtung der Sachlage übergegangen.

Von den jüngsten Turbulenzen sei unter den etablierten Märkten der japanische am stärksten betroffen. Da im Zuge der aktuellen Finanzkrise viele Carry-Trader aus ihren Yen-Finanzierungen geflüchtet seien und durch die Yen-Eindeckungen diese Währung massiv gestiegen seien, hätten sich die Verluste der Japan-Investments nach Umrechnung in Euro in engen Grenzen gehalten. Alles in allem sei der von vielen als "Crash" interpretierte Kursverlauf bisher nur eine Korrektur gewesen.

Wie bei einem Sommergewitter, bei dem man nie genau wisse, wo es sich wie stark entlade und ob es hagele oder vielleicht nur ein paar Windböen aufbrausen würden, seien auch die Kurseinbrüche und die anschließende Erholung in den verschiedenen Branchen, Märkten und Regionen sehr unterschiedlich ausgefallen. So habe der DAX zwar kurzzeitig rund zwölf Prozent von seinem Jahreshoch abgegeben, habe sich aber von seinen August-Tiefstständen schon wieder um sieben Prozent erholen können.

Viele Emerging Markets hätten binnen zwei Tagen rund 15 Prozent verloren und würden heute bereits wieder auf Jahreshöchststand notieren, wie zum Beispiel der chinesische Markt, welcher sich von seinem August-Tief um 35 Prozent erholt habe. Positiv hätten darüber hinaus etliche Übernahmen und angekündigte Aktienrückkaufprogramme gewirkt.

Durch die Unsicherheit an den Finanzmärkten habe eine Flucht in Staatsanleihen stattgefunden, wodurch der Preis des Bund-Futures gestiegen sei, was wiederum zu einem starken Rückgang der Renditen geführt habe. Da die Inflationsrate nicht gesunken sei, seien die festverzinslichen Werte damit nicht gerade attraktiver geworden und so dürfte die Rendite im langen Bereich eher wieder steigen - was für eine Investition in Aktien und gegen Renten spreche.

Der Ölpreis habe erneut Kurs auf die 80-US-Dollar-Marke genommen, was die Experten - zusätzlich zur Hypothekenkrise - als kritisch für den US-Konsum erachten würden. Während Gold stabil um die 680 US-Dollar je Feinunze gependelt habe, seien die Goldminenaktien vom Liquiditätsengpass an den Finanzmärkten relativ stark betroffen gewesen. Offenbar hätten hier zahlreiche Hedgefonds und andere Spekulanten Gewinne mitgenommen, um in anderen Bereichen Löcher zu stopfen. Die Experten würden auch hier mit einer Konsolidierung rechnen. Auf aktuellem Niveau seien die Gold-Aktien durchaus attraktiv. Allerdings würden die Experten sie aufgrund ihrer hohen Volatilität eher untergewichten.

Wie erwartet habe die EZB in ihrer gestrigen Sitzung (06.09.) den Leitzins nicht wie ursprünglich angedeutet erhöht, sondern bei vier Prozent belassen. Die US-Notenbank werde nach der bereits erfolgten Diskontsatzsenkung vom 17. August wohl auch in ihrer Zinssitzung am 18. September den Leitzzins senken. Hinzu komme von der US-Regierung ein "Erste-Hilfe-Paket" für die US-Hypothekenschuldner, quasi als verfrühtes Weihnachtsgeschenk und Auftaktmaßnahme zum Präsidentschaftswahlkampf im nächsten Jahr.

Die bisherigen Liquiditätsspritzen der Notenbanken hätten zwar die kurzfristige Liquidität gesichert, das Vertrauen der Banken untereinander als Voraussetzung für eine nachhaltige Lösung des Problems fehle noch. Es bleibe daher das Restrisiko von weiteren Schieflagen bei Banken und Hedgefonds. Wegen des rechtzeitigen Eingreifens der Notenbanken sollte dieses Problem jedoch auf Einzelschicksale beschränkt bleiben und sich nicht zu einer Finanzkrise auswachsen.

Gerade im Vorfeld des 11. September würden viele Anleger auch äußerst nervös auf Terrorwarnungen reagieren, woraus sich für langfristige Investoren besonders schöne Kaufgelegenheiten ergeben würden. Wenn die Notenbanken in diesem Monat ihren notwendigen Beitrag leisten würden, seien nach Erachten der Experten schnell wieder die alten Höchststände von DAX & Co in Reichweite. Schließlich seien die fundamentale Situation der Unternehmen und ihre Cash-Flows so gut, dass viele nicht mehr wissen würden, wohin mit dem Geld und würden milliardenschwere Aktienrückkaufprogramme starten - wie soeben von Daimler und Nestlé verkündet. Obendrein würden sie offensichtlich ihre eigenen Aktien als günstig erachten - die Experten von GECAM grundsätzlich auch. (07.09.2007/fc/a/m)