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Eurozone: Krisenmodus als neuer Normalzustand


31.10.12 11:41
Gothaer Asset Management

Köln (www.aktiencheck.de) - Die Gothaer Asset Management AG (GoAM) ist davon überzeugt, dass es noch zehn bis 20 Jahre dauern wird, bis die Eurozone die realökonomische Krise endgültig überwunden hat, so die Experten von Gothaer Asset Management.

"Die Krise ist kein gordischer Knoten, den man mit einem Schlag lösen kann. Sie ist vielmehr als neuer Normalzustand zu betrachten. Märkte und Menschen müssen lernen, damit umzugehen", so Christof Kessler, Vorstandssprecher der GoAM.

Der Euro sei politisch gewollt gewesen und er sei trotz aller Turbulenzen noch immer eine starke Währung: So sei die Gemeinschaftswährung bei der Gründung 1,18 US-Dollar wert gewesen, heute liege sie bei 1,31 US-Dollar. "Solange in den einzelnen Mitgliedsländern der Eurozone mehrheitlich Euro-freundliche Parteien an der Macht sind, ist der Weg zu einer Finanzunion unumkehrbar", erkläre Christof Kessler. Auf dem Weg dahin seien Rettungsschirme, Sanktionen und mögliche politisch gemanagte Austritte wichtige Instrumente. Möglicherweise werde die Europäische Zentralbank beauftragt, Marktverwerfungen bei Staatsanleihen durch entsprechende Käufe zu kontrollieren. "Europa wird die Krise überwinden, wenngleich Rückschläge wie ein weiterer Anstieg der Verschuldung oder eine Rezession nicht auszuschließen sind", so Kessler.

Voraussetzung hierfür sei, dass die einzelnen Staaten mithelfen und ihren Haushalt in Ordnung bringen würden. Laut Kessler müssten sich insbesondere die Primärsalden in einigen Ländern verbessern, der Markt erwarte positive Signale. Aktuell würden die erwarteten Primärsalden der verschiedenen Länder weltweit 2012 durchschnittlich sechs Prozent unter den erforderlichen Zahlen liegen. Betrachte man die Entwicklung in der Eurozone über mehrere Jahre hinweg, so zeige sich, dass Irland und Italien bei der Sanierung ihrer Haushalte auf einem guten Weg seien, Spanien jedoch relativ schlecht dastehe. So benötige Italien beispielsweise ein Nominalwachstum von 1,7 Prozent, um seinen Haushalt auszugleichen - ein durchaus realistischer Wert.

"Spanien hat jedoch zu spät alle Karten auf den Tisch gelegt. Wir befürchten, dass das Land aufgrund seiner strukturellen Probleme mittelfristig auf den Status "Non investment-Grade" heruntergestuft wird", meine Christof Kessler.

Für die Geldanlage großer Versicherer wie der Gothaer bedeute der anhaltende Krisenmodus eine noch schärfere Beobachtung des Marktes. Zudem sei eine verstärkt taktische Allokation des Vermögens erforderlich, da rein strategische Vorgaben in Zeiten volatiler und instabiler Märkte nicht mehr zielführend seien. Es gehe insbesondere darum, kurzfristige Trends auszunutzen. Allerdings sei es keine Lösung, bei der Geldanlage nur noch auf kurzfristige Anlagen zu setzen. "Für einen Zeitraum von weniger als fünf Jahren können Anleger ihr Geld derzeit lediglich parken, nicht anlegen", so Kessler abschließend. (31.10.2012/ac/a/m)