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FERI Sovereign Rating: Unsicherheit nach dem Brexit


18.07.16 11:57
Feri EuroRating Services

Bad Homburg (www.fondscheck.de) - Bereits am 24.06.2016 stellte die FERI EuroRating Services AG in der Folge des Ausgangs des Referendums über den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union (British Exit oder Brexit) das Sovereign Rating Großbritanniens auf die Überwachungsliste und ergänzte das zuletzt am 15. April 2016 bestätigte Rating von "AA+" mit einem negativen Ratingausblick, so Gerald Christoph Dorsch, Leiter Credit Rating, FERI EuroRating Services AG.

Unter Beibehaltung der Überwachungsliste und des negativen Ratingausblicks stufe die FERI EuroRating Services AG das Rating von Großbritannien nun um eine Note nach unten auf "AA". Ausschlaggebend hierfür sei insbesondere die sich bereits abzeichnende Abschwächung des Wirtschaftswachstums in den nächsten Jahren. FERI erwarte, dass sich die öffentlichen Finanzen deutlich verschlechtern würden, da erhebliche zusätzliche Kosten dem schwächeren Wirtschaftswachstum gegenüber stünden.

Das Wirtschaftswachstum werde sich in erster Linie als Folge nicht getätigter Investitionen schwächer entwickeln, da Unternehmen zuerst mehr Sicherheit über die Auswirkungen des Brexits abwarten würden. Der negative Ratingausblick bleibe bestehen, da FERI erwarte, dass die Entscheidungen, die die Regierung Großbritanniens im Zuge der Verhandlungen über und der Umsetzung des EU-Austritts treffen müsse, negative Auswirkungen auf das weitere Wirtschaftswachstum haben würden.

Das Rating für Brasilien werde um eine Stufe von "BB+" auf "BB" gesenkt. Hier würden zwei Faktoren belastend auf das Rating wirken. Zum einen leide die Wirtschaftsentwicklung in Brasilien unter der Abwertung der Währung und nachhaltigen Wirkungen des Überangebotes an Öl an den Weltmärkten. Die Ölforderung in Brasilien sei erst mit deutlichen höheren Ölpreisen profitabel als sie FERI mittelfristig erwarte.

Diese negative Entwicklung werde zurzeit noch durch die umfangreichen Investitionen im Vorfeld der olympischen Spiele ausgeglichen. Nach den olympischen Spielen würden diese positiven Effekte aus den getätigten Investitionen weg und des temporären Anstiegs der Tourismuseinnahmen wegfallen und die wirtschaftliche Aussicht verschlechtere sich. Zudem bleibe das Land einer erheblichen politischen Unsicherheit ausgesetzt. Zahlreiche führende Politiker und Geschäftsführer größerer Unternehmen stünden unter Korruptionsverdacht. Sowohl die politische als auch die wirtschaftliche Führung des Landes gerate mehr und mehr unter Druck.

Die wirtschaftliche Entwicklung in Ägypten führe ebenfalls zur Herabstufung des Ratings von "B" auf "B-". Obwohl die öffentlichen Finanzen bisher vom wirtschaftlichen Abschwung noch wenig betroffen gewesen seien, habe die Verschlechterung der Wirtschaftsentwicklung inzwischen ein Ausmaß erreicht, das die Kreditwürdigkeit des Landes beeinträchtige. Das Land habe eine unausgewogene Wirtschaftsstruktur und sei stark vom Tourismus abhängig. Nach terroristischen Anschlägen und politischen Unruhen in der Vergangenheit werde das Land von Touristen gemieden. Hotelanlagen müssten die Beschäftigung deutlich zurückfahren und seien nicht mehr profitabel betreibbar.

Die Entwicklung in Russland werde positiv bewertet und das Rating um einen Stufe von "B+" auf "BB-" angehoben. Gleichzeitig werde das Rating des Landes auch von der Überwachungsliste genommen. Ausschlaggebend hierfür seien der eingetretene leichte Verbesserung der Ölpreise und die revidierten Erwartungen hinsichtlich der weiteren Ölpreisentwicklung. Die Ölforderung in Russland sei mit dem leichten Anstieg der Ölpreise bereits wieder profitabel. Das Land sei zwar nach wie vor stark von der Ölpreisentwicklung abhängig. Die Ausfuhren bestünden hauptsächlich aus Öllieferungen.

Jedoch habe das Land in den letzten Jahren gelernt, dass seine starke Abhängigkeit von der Ölpreisentwicklung bedeutende Nachteile mit sich bringe und die wirtschaftliche Basis verbreitert werden müsse. Nach langer Vernachlässigung kämen allmählich traditional stärkere Branchen wieder zum Vorschein (z.B. zivile Luftfahrt, Software, halbfertige Vorprodukte) und würden damit die Industriebasis Russlands stärken. Auch der Export von Militärgütern spiele hierbei wieder eine wachsende Rolle. Ausländische Investoren und der Export seien durch den relativen Verfall des Rubels deutlich begünstigt. Die in der Folge des Preisabsturzes beim Öl stark belasteten Staatsfinanzen würden durch die verbesserten Aussichten für die Ölpreisentwicklung allmählich entlastet. Die Auswirkungen der weiterhin aufrechterhaltenen Sanktionen würden einzelne Personen und Unternehmen deutlich negativ betreffen. Ein Durchschlagen auf die Staatsfinanzen sei jedoch begrenzt geblieben.

Den Ratingausblick für Slowenien habe FERI von "Negativ" auf "Stabil" angehoben. Die Anstrengungen der Regierung, im Vorfeld eines möglichen Beitritts Sloweniens zur EU die Staatsfinanzen in Ordnung zu bekommen, habe eine Verbesserung der öffentlichen Finanzen bewirkt. Weitere positive Impulse kämen vom Wirtschaftswachstum und würden zum verbesserten Ausblick für Slowenien führen.

Im Allgemeinen seien alle europäischen Sovereign Ratings durch die Unsicherheiten aus dem Referendum zum Brexit belastet. Diese Unsicherheiten seien bislang aber noch sehr diffus und würden nicht zu spezifischen Herabstufungen oder Senkungen des Ausblicks führen. Jedoch werde hier weiterhin erhöhte Aufmerksamkeit gefordert sein. Das Ratingkomitee habe die Ratingbeschlüsse am 5. Juli 2016 gefasst. Der nächste regulatorische Veröffentlichungstermin für die Sovereign Ratings der FERI EuroRating Services AG sei am 11.November 2016. (Ausgabe vom 15.07.2016) (18.07.2016/fc/a/m)