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Fällt der Ölpreis auf 10 US-Dollar?
16.12.15 09:02
Danske Invest
Kopenhagen (www.fondscheck.de) - Vor nicht ganz 18 Monaten lag der Ölpreis noch bei über 100 US-Dollar pro Barrel, so Bejstrup Christensen, Chefanalytiker bei Danske Invest.
2008 hätten einige sehr kluge Menschen noch orakelt, dass der Ölpreis in nächster Zukunft auf 200 US-Dollar pro Barrel steigen werde. Manche hätten sogar gemeint, dass uns das "schwarze Gold" bald ganz ausgehen werde. Stattdessen lasse sich heute das Barrel Öl kaum noch für 40 US-Dollar verkaufen. Seien in diesem Rahmen 10 US-Dollar wirklich verrückt? Christensen meine, dass ein Ölpreis von 20 US-Dollar in relativ kurzer Zeit nicht ganz unrealistisch sein könnte und schildere, was dies seiner Meinung nach für die Investitionen bedeuten könnte.
Alles Mögliche sei bereits über die amerikanische Schieferindustrie geschrieben worden. Zuerst sei es um Schiefergas gegangen, dann um Schieferöl. Die amerikanische Ölproduktion liege jetzt bei etwa neun Millionen Barrel pro Tag und damit könnten sich die USA mit Saudi-Arabien und Russland messen.
Die Skeptiker hätten anfangs noch gemeint, dass die Kosten der Schieferindustrie so hoch seien, dass ein niedriger Ölpreis die Amerikaner bald zum Aufgeben zwingen werde. Doch stattdessen habe die amerikanische Ölindustrie mit einer ganz außergewöhnlichen Kosteneffizienz überrascht. Heute, ein Jahr nach dem erstmaligen Fall des Ölpreises, sei die Produktion im Vergleich zum Spitzenwert nur um fünf Prozent zurückgegangen. Dies liege an einer geradezu dramatischen Produktivitätssteigerung. Sollte der Preis noch weiter fallen, würde die amerikanische Produktion sicherlich unter Druck geraten. Der entscheidende Punkt sei jedoch, dass die amerikanische Schieferölindustrie zum Swing-Produzenten der Welt geworden sei. Denn im Gegensatz zu den herkömmlichen Ölproduzenten könnten die Amerikaner ihre Produktion sehr schnell entsprechend den Preisänderungen steigern oder zurückfahren.
Sollte der Ölpreis daher wieder steigen, würden die Amerikaner einfach ihre Ölproduktion erhöhen und damit den Preis unter Druck setzen. Dies bedeute nach Einschätzung von Christensen, dass es eine Grenze dafür gebe, wie stark die Ölproduktion insgesamt gesteigert werden könne. Die OPEC müsse somit die Preise akzeptieren und könne ihre Einnahmen nur dadurch maximieren, indem sie die Produktion maximiere. Hinzu kommte noch, dass mehrere OPEC-Staaten die Öleinnahmen zum Überleben benötigen würden.
Momentan seien sich die meisten Experten darüber einig, dass es eine Überproduktion gebe. Die herkömmliche Argumentation laute etwa wie folgt: Niedrige Ölpreise würden für eine Weile benötigt, um das Angebotswachstum einzudämmen und die Nachfrage zu steigern. In einigen Jahren würden Angebot und Nachfrage wieder einander entsprechen und dann müsste der Ölpreis wieder steigen.
Doch angesichts der geschilderten Dynamik, bei der die USA bestimmen würden und die OPEC nur zuschauen könne, bestehe kurzfristig die Gefahr, dass zu viel Öl produziert werde. Zugleich gebe es Grenzen für die Lagerung dieser Überproduktion. Zuletzt seien sogar beispielsweise Schiffe zur Lagerung des Öls eingesetzt worden, um es zurückhalten zu können. Doch irgendwann sei nicht mehr genug Lagerraum vorhanden und das Öl müsse dann auf den Markt geworfen werden. Dies werde den Ölpreis kurzfristig weiter unter Druck setzen.
Doch jetzt werde es erst richtig interessant. Folgendes Zitat werde einem früheren saudi-arabischen Ölminister zugeschrieben: "Die Steinzeit ging nicht zu Ende, weil wir keine Steine mehr hatten. Und die Zeit des Öls wird, lange bevor wir kein Öl mehr haben, zu Ende gehen."
Allein 2014 seien in Kalifornien so viele Solaranlagen installiert worden, wie in den gesamten USA bis 2011 installiert worden seien. Allein die in diesem Jahr in China installierte Solarenergie entspreche der gesamten Kapazität, die in Frankreich vorhanden sei. Solarenergie sei eine Technologie, deren Kosten jährlich um über 10 Prozent fallen würden. Wenn dies nur noch fünf Jahre anhalte, werde die Solarenergie auf den meisten Märkten nicht teurer sein als beispielsweise Erdgas und bald darauf sogar günstiger sein als alle anderen Energiequellen. Kombiniert mit der Verbreitung der Finanzierung von Sonnenkollektoren würden die Gesamtkosten der Solarenergie stark fallen. Dann würden uns nur noch ein besseres Stromnetz und einige Fortschritte bei Batterietechnologien fehlen und schon werde die Welt von grüner Elektrizität angetrieben. Nehme man noch die raschen Fortschritte bei Elektro- und Hybridautos, bei Car-Sharing und selbstfahrenden Autos hinzu, dann ergebe dies ein Szenario, in dem die Nachfrage nach Öl bald nicht mehr steige.
Jetzt werde die Marktdynamik noch interessanter: Vor 30 Jahren habe Solarenergie noch nach Utopie geklungen und ein Land wie Saudi-Arabien habe seine in der Wüste liegenden Ölreserven als Vermögen mit bleibendem Wert ansehen können. Doch was geschehe, wenn Öl in nur zehn Jahren überflüssig werde? Dann mache es plötzlich Sinn, jetzt besonders viel Öl zu fördern, solange es überhaupt noch einen Wert habe. Das Ergebnis? Der Ölpreis gerate unter Druck.
Betrachten wir die Dinge etwas nüchterner, so Christensen. Denn er gehe nicht wirklich davon aus, dass morgen vorwiegend Elektroautos gefahren würden und übermorgen die Welt nur noch mit Solarenergie laufe. Er habe nur die herkömmliche Betrachtungsweise ein wenig in Frage stellen wollen. Doch er meine in jedem Fall, dass die Aussichten für den Ölpreis eher düster seien und die Tendenz in Zukunft eher fallend sei.
Warum sei dies für die Investitionen wichtig? 2015 habe bewiesen, dass ein niedrigerer Ölpreis für große Teile der Weltwirtschaft gut sei - besonders für die Eurozone und Japan, aber auch für die USA, die weiterhin ein Handelsdefizit hätten. Ein fallender Ölpreis habe allerdings unterschiedliche Auswirkungen auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche. Für den Dienstleistungsbereich und die Privathaushalte sei er von Vorteil. Doch die Gewinne von Energieunternehmen und ihrer Zulieferer würden zurückgehen. Genau diese Unternehmen würden auf dem Aktien- und Anleihemarkt eine große Rolle spielen. Das gelte insbesondere für die USA. Hier habe der fallende Ölpreis 2015 den Anlegern Probleme bereitet. 2016 könnte dies die Ursache für wirklich schlechte Nachrichten sein, denn man werden dann weitere Gewinnrückgänge und Insolvenzen erlebe.
Daher könne die paradoxe Situation entstehen, dass der Aktienmarkt trotz eines guten Wirtschaftswachstums in den USA, Japan und der Eurozone unter Druck gerate.
Was mache man dann? Trotz der positiven Aussichten der Weltwirtschaft für 2016 habe Danske Invest zur Zeit nur ein geringes Übergewicht in Aktien. Außerdem versuche man, in die Bereiche zu investieren, die vom niedrigen Ölpreis profitieren würden, darunter in europäische Aktien und Unternehmensanleihen, da in Europa der Energiesektor einen geringeren Einfluss auf die Kursentwicklung habe als in den USA.
Aufgrund seiner Skepsis hinsichtlich des Ölpreises (und Chinas Wirtschaft) mahne Christensen weiterhin zur Vorsicht bei Investitionen in Schwellenländer. Auch sei er skeptisch gegenüber amerikanischen Unternehmensanleihen, da dort der Energiesektor eine große Rolle spiele. Vor allem möchte er empfehlen, darüber nachzudenken, wo und in welchem Umfang die Investoren bereit seien, in ihrem Portfolio Risiken einzugehen. Beispielsweise ob die Chance eines höheren Ertrags, den man erziele, wenn der Ölpreis nicht weiter falle, größer sei als das Risiko von Verlusten bei weiter fallenden Ölpreisen. Christensens Haltung sei klar - er meine, dass sich dieses Risiko nicht lohne! (16.12.2015/fc/a/m)
2008 hätten einige sehr kluge Menschen noch orakelt, dass der Ölpreis in nächster Zukunft auf 200 US-Dollar pro Barrel steigen werde. Manche hätten sogar gemeint, dass uns das "schwarze Gold" bald ganz ausgehen werde. Stattdessen lasse sich heute das Barrel Öl kaum noch für 40 US-Dollar verkaufen. Seien in diesem Rahmen 10 US-Dollar wirklich verrückt? Christensen meine, dass ein Ölpreis von 20 US-Dollar in relativ kurzer Zeit nicht ganz unrealistisch sein könnte und schildere, was dies seiner Meinung nach für die Investitionen bedeuten könnte.
Alles Mögliche sei bereits über die amerikanische Schieferindustrie geschrieben worden. Zuerst sei es um Schiefergas gegangen, dann um Schieferöl. Die amerikanische Ölproduktion liege jetzt bei etwa neun Millionen Barrel pro Tag und damit könnten sich die USA mit Saudi-Arabien und Russland messen.
Die Skeptiker hätten anfangs noch gemeint, dass die Kosten der Schieferindustrie so hoch seien, dass ein niedriger Ölpreis die Amerikaner bald zum Aufgeben zwingen werde. Doch stattdessen habe die amerikanische Ölindustrie mit einer ganz außergewöhnlichen Kosteneffizienz überrascht. Heute, ein Jahr nach dem erstmaligen Fall des Ölpreises, sei die Produktion im Vergleich zum Spitzenwert nur um fünf Prozent zurückgegangen. Dies liege an einer geradezu dramatischen Produktivitätssteigerung. Sollte der Preis noch weiter fallen, würde die amerikanische Produktion sicherlich unter Druck geraten. Der entscheidende Punkt sei jedoch, dass die amerikanische Schieferölindustrie zum Swing-Produzenten der Welt geworden sei. Denn im Gegensatz zu den herkömmlichen Ölproduzenten könnten die Amerikaner ihre Produktion sehr schnell entsprechend den Preisänderungen steigern oder zurückfahren.
Sollte der Ölpreis daher wieder steigen, würden die Amerikaner einfach ihre Ölproduktion erhöhen und damit den Preis unter Druck setzen. Dies bedeute nach Einschätzung von Christensen, dass es eine Grenze dafür gebe, wie stark die Ölproduktion insgesamt gesteigert werden könne. Die OPEC müsse somit die Preise akzeptieren und könne ihre Einnahmen nur dadurch maximieren, indem sie die Produktion maximiere. Hinzu kommte noch, dass mehrere OPEC-Staaten die Öleinnahmen zum Überleben benötigen würden.
Momentan seien sich die meisten Experten darüber einig, dass es eine Überproduktion gebe. Die herkömmliche Argumentation laute etwa wie folgt: Niedrige Ölpreise würden für eine Weile benötigt, um das Angebotswachstum einzudämmen und die Nachfrage zu steigern. In einigen Jahren würden Angebot und Nachfrage wieder einander entsprechen und dann müsste der Ölpreis wieder steigen.
Doch angesichts der geschilderten Dynamik, bei der die USA bestimmen würden und die OPEC nur zuschauen könne, bestehe kurzfristig die Gefahr, dass zu viel Öl produziert werde. Zugleich gebe es Grenzen für die Lagerung dieser Überproduktion. Zuletzt seien sogar beispielsweise Schiffe zur Lagerung des Öls eingesetzt worden, um es zurückhalten zu können. Doch irgendwann sei nicht mehr genug Lagerraum vorhanden und das Öl müsse dann auf den Markt geworfen werden. Dies werde den Ölpreis kurzfristig weiter unter Druck setzen.
Allein 2014 seien in Kalifornien so viele Solaranlagen installiert worden, wie in den gesamten USA bis 2011 installiert worden seien. Allein die in diesem Jahr in China installierte Solarenergie entspreche der gesamten Kapazität, die in Frankreich vorhanden sei. Solarenergie sei eine Technologie, deren Kosten jährlich um über 10 Prozent fallen würden. Wenn dies nur noch fünf Jahre anhalte, werde die Solarenergie auf den meisten Märkten nicht teurer sein als beispielsweise Erdgas und bald darauf sogar günstiger sein als alle anderen Energiequellen. Kombiniert mit der Verbreitung der Finanzierung von Sonnenkollektoren würden die Gesamtkosten der Solarenergie stark fallen. Dann würden uns nur noch ein besseres Stromnetz und einige Fortschritte bei Batterietechnologien fehlen und schon werde die Welt von grüner Elektrizität angetrieben. Nehme man noch die raschen Fortschritte bei Elektro- und Hybridautos, bei Car-Sharing und selbstfahrenden Autos hinzu, dann ergebe dies ein Szenario, in dem die Nachfrage nach Öl bald nicht mehr steige.
Jetzt werde die Marktdynamik noch interessanter: Vor 30 Jahren habe Solarenergie noch nach Utopie geklungen und ein Land wie Saudi-Arabien habe seine in der Wüste liegenden Ölreserven als Vermögen mit bleibendem Wert ansehen können. Doch was geschehe, wenn Öl in nur zehn Jahren überflüssig werde? Dann mache es plötzlich Sinn, jetzt besonders viel Öl zu fördern, solange es überhaupt noch einen Wert habe. Das Ergebnis? Der Ölpreis gerate unter Druck.
Betrachten wir die Dinge etwas nüchterner, so Christensen. Denn er gehe nicht wirklich davon aus, dass morgen vorwiegend Elektroautos gefahren würden und übermorgen die Welt nur noch mit Solarenergie laufe. Er habe nur die herkömmliche Betrachtungsweise ein wenig in Frage stellen wollen. Doch er meine in jedem Fall, dass die Aussichten für den Ölpreis eher düster seien und die Tendenz in Zukunft eher fallend sei.
Warum sei dies für die Investitionen wichtig? 2015 habe bewiesen, dass ein niedrigerer Ölpreis für große Teile der Weltwirtschaft gut sei - besonders für die Eurozone und Japan, aber auch für die USA, die weiterhin ein Handelsdefizit hätten. Ein fallender Ölpreis habe allerdings unterschiedliche Auswirkungen auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche. Für den Dienstleistungsbereich und die Privathaushalte sei er von Vorteil. Doch die Gewinne von Energieunternehmen und ihrer Zulieferer würden zurückgehen. Genau diese Unternehmen würden auf dem Aktien- und Anleihemarkt eine große Rolle spielen. Das gelte insbesondere für die USA. Hier habe der fallende Ölpreis 2015 den Anlegern Probleme bereitet. 2016 könnte dies die Ursache für wirklich schlechte Nachrichten sein, denn man werden dann weitere Gewinnrückgänge und Insolvenzen erlebe.
Daher könne die paradoxe Situation entstehen, dass der Aktienmarkt trotz eines guten Wirtschaftswachstums in den USA, Japan und der Eurozone unter Druck gerate.
Was mache man dann? Trotz der positiven Aussichten der Weltwirtschaft für 2016 habe Danske Invest zur Zeit nur ein geringes Übergewicht in Aktien. Außerdem versuche man, in die Bereiche zu investieren, die vom niedrigen Ölpreis profitieren würden, darunter in europäische Aktien und Unternehmensanleihen, da in Europa der Energiesektor einen geringeren Einfluss auf die Kursentwicklung habe als in den USA.
Aufgrund seiner Skepsis hinsichtlich des Ölpreises (und Chinas Wirtschaft) mahne Christensen weiterhin zur Vorsicht bei Investitionen in Schwellenländer. Auch sei er skeptisch gegenüber amerikanischen Unternehmensanleihen, da dort der Energiesektor eine große Rolle spiele. Vor allem möchte er empfehlen, darüber nachzudenken, wo und in welchem Umfang die Investoren bereit seien, in ihrem Portfolio Risiken einzugehen. Beispielsweise ob die Chance eines höheren Ertrags, den man erziele, wenn der Ölpreis nicht weiter falle, größer sei als das Risiko von Verlusten bei weiter fallenden Ölpreisen. Christensens Haltung sei klar - er meine, dass sich dieses Risiko nicht lohne! (16.12.2015/fc/a/m)


