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Finanzkrise im Fokus
29.12.08 14:25
Swisscanto
Zürich (aktiencheck.de AG) - Trotz einer beispiellosen Zinssenkungsserie rund um den Globus hat sich die Finanzkrise in allen Regionen in der Realwirtschaft festgesetzt, so die Experten von Swisscanto.
Unternehmensanleihen seien besonders attraktiv, Immobilien Ausland inzwischen sehr tief bewertet. Vor einem Jahr waren auch die Experten von Swisscanto noch vorsichtig optimistisch. Es habe sich zwar abgezeichnet, dass die Finanzmarktkrise die Wachstumsaussichten für 2008 eintrüben würde, von einer globalen Rezession sei aber zu diesem Zeitpunkt noch nirgends die Rede gewesen. Im Gegenteil - eine etwas nachlassende Konjunkturdynamik sei sogar als positiv für die Ölpreisentwicklung angesehen worden. Mittlerweilen sei der Ölpreis rund 70% von seinem Höchststand Mitte Juli (USD 147,50 pro Barrel) gefallen, und Deflationsängste hätten Inflationssorgen abgelöst.
Die Notenbanken hätten angesichts dieser Entwicklungen 2008 kräftig an der Zinsschraube gedreht. Die SNB habe den Leitzins von 2,75 auf 0,5% gesenkt, das FED von 4,25 auf 0,25%, die EZB von 4 auf 2,5%, die Bank of England von 5,5 auf 2%, die Schwedische Reichsbank von 4 auf 2%, die Bank of Japan von 0,5 auf 0,1% und die chinesische Nationalbank von 7,47 auf 5,58%.
Trotzdem sei die Finanzkrise in allen Regionen in der Realwirtschaft angekommen und mit einer Verbesserung der ökonomischen Situation sei erst in der zweiten Jahreshälfte 2009 zu rechnen. Da der Zinssenkungsspielraum zur Konjunkturankurbelung zum Teil schon ausgereizt sei, lägen nun hohe Erwartungen in den staatlichen Konjunkturprogrammen und den Fiskalstimuli, die ihre Wirkung aber erst verzögert entfalten könnten. Die Experten von Swisscanto rechnen nicht mit einer Depression, erwarten 2009 aber einen globalen Abschwung, dem sich auch die Schweiz nicht entziehen kann.
In den restlichen Tagen des alten Jahres und über den Jahreswechsel hinaus bleibe es wichtig, dass die Geschäftsbanken ausreichend mit Liquidität versorgt würden. Die Finanzmarktkrise werde auch im ersten Quartal 2009 noch anhalten. Indikatoren, die auf eine Beruhigung hindeuten, beobachten die Experten von Swisscanto genauestens. Die implizite Volatilität (gemessen am VIX-Index) verharre nach wie vor auf hohen Niveaus von über 50%. Simultan mit dem Volatilitätsrückgang auf tiefere Niveaus - man spreche hier von Werten um 20% - werde eine Erholung an den Aktienmärkten sichtbar sein.
Der TED-Spread, die Differenz zwischen 3-Monats-LIBOR und 3-Monats-Treasury-Bill-Rate, sei zwar von seinem Allzeithoch von 4,6% zurückgekommen und habe in den letzen Wochen auf Werten um 2% verharrt, von einer Entspannung an den Geldmärkten könne aber erst gesprochen werden, wenn der TED-Spread wieder Werte unter 1,5% annehme und diese auch halten könne.
Dieselbe Aussage gelte für einen weiteren Indikator, den LIBOR-OIS-Spread, der Differenz zwischen 3-Monats-LIBOR und USD-Overnight-Swap-Rate. Der LIBOR-OIS-Spread bewege sich in der Regel um wenige Basispunkte über 0%. Die nach wie vor stark erhöhten Werte würden anzeigen, dass sich die Banken untereinander nicht trauen würden und immer noch zurückhaltend in der Geldvergabe seien. Die Geld- bzw. die Kreditmärkte seien in anhaltender Panik, diese werde sich erst im neuen Jahr legen.
Neben einer Normalisierung im Bankensystem suche man weitere mögliche Anzeichen einer Beruhigung einerseits in der Stabilisierung der Immobilienmärkte und andererseits in der Verbesserung der mikro- und makroökonomischen Daten. Noch keine Stabilisierungs-Signale sende der US-Häusermarkt aus. Die Zahl der Neubauprojekte sei rückläufig: Im November 2008 seien noch 625.000 Neubauten gestartet worden, was einem Minus von 41% im Vergleich zu anfangs 2008 bzw. von 73% im Vergleich zum Hoch im Januar 2006 entspreche. Damit sei der tiefste Wert seit Beginn dieser Zeitreihe im Januar 1959 erreicht worden.
Nicht überraschend sei auch der Bestand an zum Verkauf angebotener Immobilien auf Höchststände von über 4 Mio. Einheiten geklettert (Durchschnitt von 1999 bis anfangs 2006: 2,3 Mio. Einheiten). Bei diesem Überangebot im amerikanischen Häusermarkt sei damit zu rechnen, dass die Immobilienpreise wahrscheinlich noch weitere 5 bis 10% fallen würden.
Die Trendwende und damit die Stabilisierung würden sich zum Einen dadurch erschweren, dass die Hypotheken-Zinsbelastung für US-Haushalte trotz massiver Zinssenkungen durch das FED zwar abgenommen habe, aber nach wie vor hoch sei. Zum Anderen drohe eine Kreditkarten-Krise, obwohl das FED schon Anstrengungen unternommen habe, die Belastung für Auto-, Studenten- und Firmenkleinkredite zu senken.
Die Banken würden jedoch die Bedingungen für die Kreditvergabe verschärfen, und der US-Konsument beginne langsam zu sparen. Die Sparquote in Prozent des verfügbaren Einkommens habe in den USA in den letzten vier Jahren unter 1% verharrt, verglichen mit Deutschland, dessen Sparquote historisch über 9% liege und derzeit 11,3% betrage. Mitte 2008 hätten aber auch die Amerikaner angefangen, die Ausgaben zu drosseln mit den entsprechenden Auswirkungen auf das Bruttoinlandprodukt.
Neu beginne man mit einer selektiven Erhöhung der Firmenanleihenquote - zulasten der Cashquote - da die Bewertungen attraktiv seien. Die Experten von Swisscanto konzentrieren sich jedoch auf Neuemissionen. Zudem würden sie im USD-Block und in Europa eine neutrale bis leicht positive Duration implementieren. Die Duration werde in Großbritannien neu auf neutral gesetzt. Sowohl in USD- als auch in EUR-Anleihen gewichte man die Laufzeiten 15 bis 20 Jahre neu neutral. In der Aktienstrategie bleibe man dabei, Large Caps deutlich überzugewichten, da sie weniger negativ von der Kreditklemme betroffen seien und kleinkapitalisierte Titel teuer bleiben würden.
Zudem favorisieren die Experten von Swisscanto weiter Wachstumstitel. In ihrer Balanced+-Strategie würden sie die Cash-Quote zugunsten von Obligationen bzw. von Immobilien Ausland zurückfahren. Aufgrund der Bewertungen würden sie das Untergewicht in Immobilien Ausland reduzieren. (Swisscanto Investment Update Januar 2009) (29.12.2008/fc/a/m)
Unternehmensanleihen seien besonders attraktiv, Immobilien Ausland inzwischen sehr tief bewertet. Vor einem Jahr waren auch die Experten von Swisscanto noch vorsichtig optimistisch. Es habe sich zwar abgezeichnet, dass die Finanzmarktkrise die Wachstumsaussichten für 2008 eintrüben würde, von einer globalen Rezession sei aber zu diesem Zeitpunkt noch nirgends die Rede gewesen. Im Gegenteil - eine etwas nachlassende Konjunkturdynamik sei sogar als positiv für die Ölpreisentwicklung angesehen worden. Mittlerweilen sei der Ölpreis rund 70% von seinem Höchststand Mitte Juli (USD 147,50 pro Barrel) gefallen, und Deflationsängste hätten Inflationssorgen abgelöst.
Die Notenbanken hätten angesichts dieser Entwicklungen 2008 kräftig an der Zinsschraube gedreht. Die SNB habe den Leitzins von 2,75 auf 0,5% gesenkt, das FED von 4,25 auf 0,25%, die EZB von 4 auf 2,5%, die Bank of England von 5,5 auf 2%, die Schwedische Reichsbank von 4 auf 2%, die Bank of Japan von 0,5 auf 0,1% und die chinesische Nationalbank von 7,47 auf 5,58%.
Trotzdem sei die Finanzkrise in allen Regionen in der Realwirtschaft angekommen und mit einer Verbesserung der ökonomischen Situation sei erst in der zweiten Jahreshälfte 2009 zu rechnen. Da der Zinssenkungsspielraum zur Konjunkturankurbelung zum Teil schon ausgereizt sei, lägen nun hohe Erwartungen in den staatlichen Konjunkturprogrammen und den Fiskalstimuli, die ihre Wirkung aber erst verzögert entfalten könnten. Die Experten von Swisscanto rechnen nicht mit einer Depression, erwarten 2009 aber einen globalen Abschwung, dem sich auch die Schweiz nicht entziehen kann.
In den restlichen Tagen des alten Jahres und über den Jahreswechsel hinaus bleibe es wichtig, dass die Geschäftsbanken ausreichend mit Liquidität versorgt würden. Die Finanzmarktkrise werde auch im ersten Quartal 2009 noch anhalten. Indikatoren, die auf eine Beruhigung hindeuten, beobachten die Experten von Swisscanto genauestens. Die implizite Volatilität (gemessen am VIX-Index) verharre nach wie vor auf hohen Niveaus von über 50%. Simultan mit dem Volatilitätsrückgang auf tiefere Niveaus - man spreche hier von Werten um 20% - werde eine Erholung an den Aktienmärkten sichtbar sein.
Der TED-Spread, die Differenz zwischen 3-Monats-LIBOR und 3-Monats-Treasury-Bill-Rate, sei zwar von seinem Allzeithoch von 4,6% zurückgekommen und habe in den letzen Wochen auf Werten um 2% verharrt, von einer Entspannung an den Geldmärkten könne aber erst gesprochen werden, wenn der TED-Spread wieder Werte unter 1,5% annehme und diese auch halten könne.
Neben einer Normalisierung im Bankensystem suche man weitere mögliche Anzeichen einer Beruhigung einerseits in der Stabilisierung der Immobilienmärkte und andererseits in der Verbesserung der mikro- und makroökonomischen Daten. Noch keine Stabilisierungs-Signale sende der US-Häusermarkt aus. Die Zahl der Neubauprojekte sei rückläufig: Im November 2008 seien noch 625.000 Neubauten gestartet worden, was einem Minus von 41% im Vergleich zu anfangs 2008 bzw. von 73% im Vergleich zum Hoch im Januar 2006 entspreche. Damit sei der tiefste Wert seit Beginn dieser Zeitreihe im Januar 1959 erreicht worden.
Nicht überraschend sei auch der Bestand an zum Verkauf angebotener Immobilien auf Höchststände von über 4 Mio. Einheiten geklettert (Durchschnitt von 1999 bis anfangs 2006: 2,3 Mio. Einheiten). Bei diesem Überangebot im amerikanischen Häusermarkt sei damit zu rechnen, dass die Immobilienpreise wahrscheinlich noch weitere 5 bis 10% fallen würden.
Die Trendwende und damit die Stabilisierung würden sich zum Einen dadurch erschweren, dass die Hypotheken-Zinsbelastung für US-Haushalte trotz massiver Zinssenkungen durch das FED zwar abgenommen habe, aber nach wie vor hoch sei. Zum Anderen drohe eine Kreditkarten-Krise, obwohl das FED schon Anstrengungen unternommen habe, die Belastung für Auto-, Studenten- und Firmenkleinkredite zu senken.
Die Banken würden jedoch die Bedingungen für die Kreditvergabe verschärfen, und der US-Konsument beginne langsam zu sparen. Die Sparquote in Prozent des verfügbaren Einkommens habe in den USA in den letzten vier Jahren unter 1% verharrt, verglichen mit Deutschland, dessen Sparquote historisch über 9% liege und derzeit 11,3% betrage. Mitte 2008 hätten aber auch die Amerikaner angefangen, die Ausgaben zu drosseln mit den entsprechenden Auswirkungen auf das Bruttoinlandprodukt.
Neu beginne man mit einer selektiven Erhöhung der Firmenanleihenquote - zulasten der Cashquote - da die Bewertungen attraktiv seien. Die Experten von Swisscanto konzentrieren sich jedoch auf Neuemissionen. Zudem würden sie im USD-Block und in Europa eine neutrale bis leicht positive Duration implementieren. Die Duration werde in Großbritannien neu auf neutral gesetzt. Sowohl in USD- als auch in EUR-Anleihen gewichte man die Laufzeiten 15 bis 20 Jahre neu neutral. In der Aktienstrategie bleibe man dabei, Large Caps deutlich überzugewichten, da sie weniger negativ von der Kreditklemme betroffen seien und kleinkapitalisierte Titel teuer bleiben würden.
Zudem favorisieren die Experten von Swisscanto weiter Wachstumstitel. In ihrer Balanced+-Strategie würden sie die Cash-Quote zugunsten von Obligationen bzw. von Immobilien Ausland zurückfahren. Aufgrund der Bewertungen würden sie das Untergewicht in Immobilien Ausland reduzieren. (Swisscanto Investment Update Januar 2009) (29.12.2008/fc/a/m)


