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Folgt die EZB dem Kurs der FED?


29.09.08 12:55
Deutsche Bank Research

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die Finanzkrise zeigt die starke gegenseitige Abhängigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung und der Finanzmärkte der USA und des Eurolands, so die Analysten von Deutsche Bank Research.

Dies beeinflusse geldpolitische Entscheidungen. Obwohl die Geldpolitik der EZB gemäß den Erfordernissen des Euroraumes gesteuert werden sollte, sei sie de facto nicht unabhängig von der Entwicklung in den USA und anderen Ländern. Die gegenseitige Abhängigkeit spiegele sich in der Realwirtschaft und an den Finanzmärkten wider. Zielsetzung dieser Studie sei es, die wichtigsten Übertragungskanäle zu analysieren: den Konjunkturzyklus, die Notenbank- und Marktzinsen, die Rohstoff- und Vermögenspreise sowie den Wechselkurs.

Unterschiede in der Geldpolitik, z.B. bei der Zielsetzung, müssten nicht zu einer unerwünschten gegenseitigen Abhängigkeit von der EZB und der FED führen. Seit August 2007 fokussiere die FED die Wachstums- und Finanzmarktstabilisierung, indem sie die FED Funds Rate stark gesenkt habe, während die EZB ihren Leitzins im Juli 2008 sogar erhöht habe. Dies könnte zu einer ungewollten EUR-Aufwertung führen (wegen des entstehenden Zinsabstands)

Der europäische Zyklus folge der US-Konjunktur mit einer Verzögerung zwischen zwei Quartalen und zwei Jahren. Daher dürfte es kaum überraschen, dass die EZB häufig erst später in Aktion trete als die FED. Dies sollte jedoch nicht als Abhängigkeit der EZB von der FED interpretiert werden.

Wechselkursbewegungen würden die Konjunktur der betroffenen Länder beeinflussen. Sie würden deshalb bei geldpolitischen Entscheidungen berücksichtigt. Da sich die US-Konjunktur 2005 abgeschwächt habe, habe der USD deutlich an Wert verloren, was wiederum den US-Nettoexporten Auftrieb gegeben habe. Dagegen habe der starke EUR-Wechselkurs das über dem Trend liegende Wachstum im Euroraum gedämpft und einen Teil der EZB-Stabilisierungsaufgabe übernommen.

Die Vermögenspreise der USA und des Eurolands seien eng verknüpft. Am Aktienmarkt gebe es eine hohe Korrelation zwischen dem DAX und dem S&P 500. Die Bondmärkte würden ebenfalls eine sehr hohe Korrelation aufweisen. Obwohl die Kurzfristzinsen eine große Rolle für die Anleiherenditen in den USA und im Euroland spielen würden, werde das Renditeniveau in hohem Maße von den Erwartungen für die Weltwirtschaft bestimmt. In dieser Hinsicht scheine die US-Wirtschaft ein besserer Indikator zu sein als die europäischen Volkswirtschaften.

Zwei Erklärungen für die unterschiedliche Politik von der FED und der EZB: 1. Die unterschiedlichen Mandate könnten dafür maßgeblich sein, dass die EZB ein anderes Timing für ihre Maßnahmen gewählt habe als die FED. 2. Die EZB sei stärker als die FED besorgt, dass die mittelfristigen Inflationserwartungen wegen der zurzeit hohen Inflationsrate ansteigen könnten. (29.09.2008/ac/a/m)